Kantonsarchäologe
Angst vor Raubgrabungen – darum hielt der Kanton den Schatz geheim

Der Aargauer Kantonsarchäologe Georg Matter in einem Interview über den Münzfund von Ueken, bei dem über 4000 antike Römische Münzen gefunden wurden. Es handelt sich dabei um einen der vier grössten Münzfunde der Schweiz.

Matthias Hug
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Dr. Georg Matter, Kantonsarchäologe Kanton Aargau. Im Hintergrund: Der über viertausend Münzen grosse Schatz.

Dr. Georg Matter, Kantonsarchäologe Kanton Aargau. Im Hintergrund: Der über viertausend Münzen grosse Schatz.

Zur Verfügung gestellt

Warum haben Sie den Fund in Ueken über einen Monat geheim gehalten?

Wir wollten nicht, dass fremden Leute auf die Fundstelle kommen, Raubgrabungen durchführen und die Funde entwenden und zerstreuen. Der Schatz gehört der Allgemeinheit, aber es gibt leider immer Leute, die sich archäologische Funde unerlaubt aneignen wollen oder auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen wollen.

Wie gross ist der heutige Wert der Münzen?

Der heutige wissenschaftliche und auch kulturelle Wert ist sehr gross. Der materielle Wert in römischer Zeit steht und fällt mit dem entsprechenden Marktwert der Rohstoffe, aus denen die Münzen gefertigt sind, Bronze und Silber.

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.
4 Bilder
Teile des Münzschatzes von Ueken bei der Entdeckung. Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben.
Restaurierung einer Münze unter dem Binokular.
Münzschatz im Aargau entdeckt

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.

Handout Kantonsarchäologie Aargau

Steht der Münzfund im Zusammenhang mit der 2013 entdeckten römischen Siedlung in Frick?

Es besteht ein zweifelloser Zusammenhang mit den zahlreichen römischen Siedlungsstellen in und um Frick. Man kann aber über den Besitzer nichts Genaues sagen; vielleicht war er ein Reisender, der bei diesen Siedlungen vorbei kam, vielleicht ein Bewohner.

War es damals üblich, seine Münzen einfach zu vergraben?

Es war in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus durchaus ein bekanntes Phänomen, dem wir immer wieder begegnen. Einerseits stand den Bewohnern einer ländlichen Region wie Frick vermutlich kein funktionierendes Bankenwesen zur Verfügung, das gab es nur in den grossen städtischen Zentren wie Aventicum, Augusta Raurica oder Rom. Andererseits gab es zu jener Zeit diverse historisch überlieferte Germaneneinfälle. Offenbar war es gang und gäbe, seine Schätze zu vergraben, damit sie nicht geraubt werden konnten.

Gibt es in der Schweiz ähnliche grosse Funde wie diesen hier in Ueken?

Es gab zwar zahlreiche römische Münzhortfunde, aber nur selten von dieser Grössenordnung. Über 4000 Münzen wurden in der Schweiz bisher erst vier Mal gefunden, zwei davon vor über hundert Jahren in Kaiseraugst und Dompierre VD, letztes Jahr in Orselina TI und nun der neuste Fund in Ueken nahe Frick.