Am Schluss standen die Kandidatinnen und Kandidaten der SVP Aargau für die Nationalratswahlen geschlossen auf der Bühne im Tägi Wettingen. In der ersten Reihe strahlte Maximilian Reimann, der zusammen mit den 15 anderen einstimmig nominiert wurde. Zuvor marschierten die Anwärter für einen Sitz im Bundeshaus – alle mit SVP-Maskottchen Willy, dem Berner Sennehund, unter dem Arm – zu rassigen Klängen der Blaskapelle Rhybuebe Stein und rhythmischem Klatschen der knapp 200 Delegierten in den Saal.

Marschmusik und Plüsch-Sennenhunde: Die Aargauer SVP-Nominierten setzten sich in Szene

Marschmusik und Plüsch-Sennenhunde: Die Aargauer SVP-Nominierten setzten sich in Szene

Fricker statt Reimann gefordert

Alles nach Drehbuch also – ein harmonischer Abend, gestartet mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne, abgeschlossen mit der einstimmigen Nomination der 16 Frauen und Mannen, welche für die SVP Aargau einen Sitz im Nationalrat holen sollen? Keineswegs, nur wenige Minuten vor der fröhlichen Parade der Nominierten gab es ungewohnte Töne im Saal.

«Uns hat fast der Schlag getroffen, als wir hörten, dass Maximilian Reimann noch einmal antritt», sagte Matthias Krattinger von der SVP Koblenz. Er stellte den Antrag, den heute 72-jährigen Reimann auf der Nationalratsliste durch den 25 Jahre jüngeren Roger Fricker zu ersetzen. Krattinger kritisierte, Reimann «wäre ja fast 80 am Ende der Legislatur» und müsse deshalb Platz machen für jüngere Kräfte.

Giezendanner hilft Reimann

Für sein Votum erntete der Koblenzer verhaltenen Applaus – und einen entschiedenen Konter von Nationalrat Ueli Giezendanner. «Ich habe Maximi-
lian Reimann in den letzten drei Jahren in Bern als hervorragenden Politiker erlebt – wir brauchen Leute, die sich für die Anliegen der Senioren einsetzen», sagte der Transportunterneh-mer. Bemerkenswert an seinem Votum waren zwei Punkte: Einerseits kündigte der 61-Jährige an, er werde im Herbst zum letzten Mal für den Nationalrat kandidieren. Anderseits wollte die SVP vor vier Jahren den damaligen Ständerat Reimann ausgerechnet mit Giezendanner ersetzen. «Er hat mir damals in einer fairen Art den Vortritt gelassen, nun hat er meine Unterstützung», sagte Giezendanner. Die grosse Mehrheit folgte ihm: Der Antrag, Reimann von der Liste zu streichen, wurde mit 174 zu 21 Stimmen klar abgelehnt. Ob bei einigen im Saal die Angst mitspielte, das Szenario von 2011 könnte sich wiederholen? Damals verlor die SVP ihren Sitz im Ständerat, den Reimann zuvor 16 Jahre lang durchgehend besetzt hatte, an Pascale Bruderer von der SP.

Diesen will die SVP im Herbst mit Hansjörg Knecht zurückholen. Knecht kündigte einen fairen, sachlichen Wahlkampf an, machte aber deutlich: «Die SVP muss stärker werden.» Wahlleiter Werner Laube würde am liebsten alle 16 Nominierten nach Bern schicken: «In diesem Jahr ist der 18. Oktober der wichtigste Tag, und ich hoffe, dass er für die SVP zum Freudentag wird.»

Liste mit fünf Bisherigen

Wie von der Geschäftsleitung vorgeschlagen, wurden die bisherigen Ueli Giezendanner, Maximilian Reimann, Luzi Stamm, Sylvia Flückiger und Hansjörg Knecht auf den ersten Listenplätzen nominiert. Danach folgen Kantonalpräsident Thomas Burgherr, Parteisekretär Pascal Furer, Grossrat Martin Keller, Grossrat Clemens Hochreuter, Fraktionschef Andreas Glarner, Grossrätin Stefanie Heimgartner sowie Bauernverbandspräsident und Grossrat Alois Huber. Den Schluss der Liste bilden: Nicole Müller (Bezirkspräsidentin Muri), Dominik Riner (Bezirkspräsident Brugg), Michelle Rütti (Reinach) und Daniel Vulliamy (Rheinfelden).