Corona-Virus

Angeblicher Kantonsauftrag: Firma will Schulen literweise Desinfektionsmittel verkaufen

Eine Firma will Schulen literweise Desinfektionsmittel verkaufen. Dabei bezieht sie sich auf das Bildungsdepartement.

Eine Firma will Schulen literweise Desinfektionsmittel verkaufen. Dabei bezieht sie sich auf das Bildungsdepartement.

In einer E-Mail an die Schulen bezieht sich die Firma auf das Bildungsdepartement. An den Schulen hat dies für Verwirrung gesorgt: Viele Verantwortliche hatten das Gefühl, sie müssten sich nun mit Desinfektionsmittel eindecken.

Denise Widmer, Gesamtschulleiterin der Schule Suhr, stutzte, als sie die E-Mail las. Eine Firma offerierte Händedesinfektionsmittel in rauen Mengen. In der Offerte schreibt die Firma, sie sei bestrebt, «vor allem unsere Kinder vor Viren bestmöglich zu schützen». Deshalb gewähre man den Schulen auch «Spezialkonditionen». In Zahlen heisst das: Ein Karton mit vier Kanistern à fünf Liter kostet 309 Franken. Die Mindestbestellmenge beträgt zwei Kartons. Sollte die Schule Suhr gleich eine Palette mit 32 Kartons – also insgesamt 640 Liter Desinfektionsmittel – bestellen, würde der Karton nur 279 Franken kosten.

Denise Widmer kam dieses Angebot ziemlich merkwürdig vor. Vor allem, weil die Firma in der E-Mail schrieb: «Nach Absprache mit dem Departement für Bildung, Kultur und Sport sende ich Ihnen unsere Offerte sowie Datenblatt für die Händedesinfektionsmittel geltend für die Schulen im Kanton Aargau.»

Kanton empfiehlt zum Schutz Händewaschen

Die Schulleiterin fragte bei der Firma nach und wollte wissen, mit wem genau vom Kanton das abgesprochen sei. Der Name des Mitarbeiters sagte ihr nichts. Deshalb wandte sie sich ans Bildungsdepartement. Mediensprecherin Simone Strub sagte ihr dasselbe, was sie der AZ mitteilt: «Eine solche Absprache gab es nie.» Zwar habe die Firma mit dem Departement Kontakt aufgenommen und angefragt, ob an den Schulen Bedarf für Desinfektionsmittel bestehe. Man habe der Firma mitgeteilt, dass solche Mittel im Aargau nicht zentral bestellt würden.

Diese Auskunft war für die Firma offenbar Grund genug, E-Mails und Offerten mit Hinweis auf das Bildungsdepartement an einige Schulen im Kanton zu schicken. Neben Schulen haben auch Spitex-Organisationen im Aargau Offerten der Firma erhalten, zum Beispiel jene von Reinach-Leimbach.

An den Schulen hätten die E-Mails für Verwirrung gesorgt, sagt Strub: «Viele Verantwortliche hatten das Gefühl, sie müssten sich nun mit Desinfektionsmittel eindecken.» Dem sei aber nicht so: «Es gibt keine solche Weisung. Wir empfehlen als Schutzmassnahme regelmässiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Flüssigseife.» Sie habe der Firma auch mitgeteilt, dass sie aufhören sollen, Offerten an Aargauer Schulen zu schicken, sagt Strub.

«Es handelt sich um ein Missverständnis»

Von der AZ auf die E-Mails und Offerten angesprochen, sagt der Geschäftsleiter der Firma, es handle sich um ein Missverständnis. Es sei der Firma darum gegangen, den Schulen das Desinfektionsmittel, das derzeit wegen des Corona-Virus Mangelware sei, zu einem «Vorzugspreis» anzubieten. Die Mitarbeiterin, welche die E-Mails verschickt habe, habe etwas «vor- eilig gehandelt», räumt er ein. Inzwischen habe man die Schulen in einer Rundmail informiert und sich entschuldigt. Es sei auch noch keine Ware verschickt worden, obwohl einzelne Schulen Desinfektionsmittel bestellt hätten. «Wir haben auch diese Schulen darüber aufgeklärt, dass es keine Absprache mit dem Departement gab und nachgefragt, ob sie dennoch bestellen möchten», sagt er. Schulleiterin Denise Widmer sagt, sie habe keine solche E-Mail oder Entschuldigung erhalten.

Die Firma ist seit Dezember im Handelsregister eingetragen. Sie bezweckt neben der Herstellung von Computersoftware und dem Handel mit Computerhardware auch den Handel mit Verbrauchsmaterial sowie Waren aller Art. Der Geschäftsführer äussert sich mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis nicht weiter zur Geschäftstätigkeit.

Angeblicher Kantonsauftrag: Firma verkauft Desinfektionsmittel an Schulen

Ein Beitrag von Tele M1 zu dem angeblichen Kantonsauftrag.

   

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