Aargau Tourismus
Andrea Lehner: «Wir setzen auf Kurzaufenthalte»

Die Geschäftsführerin von Aargau Tourismus Andrea Lehner spricht über das Potenzial des Kantons. Für sie sticht das geschichtliche Erbe der Habsburger sowie der Römer hervor. «Hier vermag der Aargau etwas Einzigartiges zu bieten», sagt Lehner.

Mathias Küng
Merken
Drucken
Teilen
Andrea Lehner in der Altstadt von Aarau. Die 36-Jährige ist seit 2009 Geschäftsführerin von Aargau Tourismus.André Albrecht

Andrea Lehner in der Altstadt von Aarau. Die 36-Jährige ist seit 2009 Geschäftsführerin von Aargau Tourismus.André Albrecht

Was ist aus touristischer Sicht so einmalig im Aargau, dass man unbedingt herkommen muss?

Andrea Lehner: Die hohe Dichte an touristischen Perlen in den Bereichen Kunst und Kultur, Landschaft und Natur, Wasser und Wellness sowie Forschung und Hightech. Im Aargau ist es beispielsweise möglich, mit dem Fahrrad an einem Tag drei Schlösser in Ruhe zu besichtigen – oder aber auf einer Wanderung von Brugg nach Baden innerhalb von 13 Kilometern eine hohe Dichte, eine geballte Ladung an Highlights zu entdecken.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel die Altstädte von Brugg und Baden, die Klosterkirche Königsfelden, den Zusammenfluss von Aare und Reuss, das Gebenstorfer Horn: Hier bietet sich ein Ausblick über das gesamte Wasserschloss (Aare, Reuss und Limmat), ein 360-Grad-Ausblick vom Schwarzwald bis in die Alpen, ebenso vom Wasserturm auf der Baldegg (die Aufzählung ist nicht abschliessend). Der Aargau erwartet seine Gäste mit einem wahren Erlebnisfeuerwerk.

Geheimtipp: Kantonaler Wandertag am 8. September

Am Sonntag, 8. September, findet der erste Kantonale Wandertag im Aargau statt, organisiert durch Aargau Tourismus und die Stadt Bremgarten. Ab dem Casino Bremgarten starten drei verschiedene Wanderungen mit hochkarätigen Wanderleitern. Die erste ist die Sagenwanderung mit SRF-Moderator Kurt Aeschbacher, die zweite geht durch Auen und Wälder mit dem Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach, die dritte ist eine Familienwanderung zum Flachsee mit SRF-Moderator Michel Birri. Auf dem Festgelände beim Casino in Bremgarten gibt es ab 11 Uhr ein Rahmenprogramm mit Festwirtschaft, Marktständen und musikalischer Unterhaltung. Weitere Infos finden sich unter www.aargautourismus.ch (az)

Und was sticht weiter hervor?

Das geschichtliche Erbe der Habsburger sowie der Römer. Hier vermag der Aargau etwas Einzigartiges zu bieten. Ebenfalls besticht die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr einerseits schweizweit, andererseits auch innerhalb des Kantons.

Sie positionieren den Aargau vorab als Ausflugskanton. Liegt offenbar nicht mehr drin?

Theoretisch doch! Die vorhandenen touristischen Perlen liessen einen Aufenthalt von weit mehr als zwei Wochen zu. Doch fehlen nebst Ferienhotels auch die Kultur und die Geschichte als klassischer Ferienkanton. Diese aufzubauen, wäre ein Projekt fast der Unmöglichkeit und in Anbetracht des aktuellen Tourismustrends auch unsinnig. Der Trend zu vermehrten erlebnisreichen Kurzaufenthalten hat sich in den letzten Jahren bestätigt und verstärkt. Aus diesem Grunde setzen wir alles daran, möglichst vielfältige Kurzaufenthalte zu präsentieren und die Gäste zum Wiederkommen zu animieren.

Was wird im Sommer speziell angeboten?

Pauschalangebote mit dem Velo oder dem Flyer E-Bike. Das erstmalige Flyer-Angebot ist sehr gut angelaufen. Die erste Auflage mit 18 000 Exemplaren des Velo-Prospekts ist bereits vergriffen, die zweite Auflage aber schon verfügbar.

Was hat es denn mit diesem Prospekt Besonderes auf sich?

Wir bieten darin zusammen mit den Aargauer Raiffeisenbanken attraktive Ausflugsideen mit Übernachtungspauschalangeboten an. Zum Beispiel eine 4-Bäder-Tour. So etwas mit gleich vier Thermalbädern auf so nahem Raum bietet wirklich nur der Aargau! Darin finden sich aber auch ein gemütlicher Kulinarikausflug, eine Natur- und Genusstour im Jurapark und vieles anderes mehr – inklusive Tipps für Restaurants für Znüni, Mittagessen und Zvieri.

Wie weit helfen Ihnen die Aktivitäten des Kantons mit Museum Aargau?

Sehr. Dank der hervorragenden Arbeit des Museums Aargau, welche unsere wichtigen historischen Zeitzeugen zum Leben erwecken, dürfen wir mit Stolz die Ausstellungen und Events an den Standorten bewerben und nehmen diese auch gerne in unsere vernetzten Ausflugstipps auf (beispielsweise Wandertipps oder auch bei den Velopauschalen). Zusätzlich wirkt sich die direkte Kommunikation vom Museum Aargau natürlich nur positiv auf den Aargau aus.

Inwiefern?

Nehmen wir das Beispiel von Schloss Lenzburg. Früher besuchten die Leute dieses einmal für längere Zeit. Heute kann man viermal im Jahr hingehen und sieht jedes Mal etwas Neues. Einmal schaut man sich die Ausstellung an, andere Male geht man zu speziellen Events wie demnächst zu den mittelalterlichen Erlebnistagen vom 2. bis 4. August.

Der Aargau ist ein hervorragender Wanderkanton. Wie oft wandern Sie?

Von Frühling bis Herbst bin ich sehr oft in der Natur. Temperaturbedingt aktuell etwas mehr auf dem Schlauchboot. Sonst aber sicherlich vier Mal im Monat.

Welches ist in dieser Wanderwoche Ihre Lieblingsetappe?

Ich freue mich auf alle Etappen, weil wir mit ihnen jetzt so richtig den hügeligen, den anderen Kanton Aargau zeigen. Das Programm ist mit jeweils 300 bis 500 Höhenmetern sportlicher als letztes Jahr, aber gut zu bewältigen. Am besten gefällt mir die Etappe von morgen: von Elfingen nach Mönthal. Dies aufgrund der Natur und der wunderbaren Weitsicht vom Cheisacherturm.

Wo orten Sie noch das grösste touristische Potenzial im Aargau?

Im Bereich Seminar- und Gruppentourismus liegt im Moment noch grosses Potenzial.

Wo könnte die Zusammenarbeit mit den Nachbarkantonen beiden Seiten noch mehr bringen?

Generell liegt das Potenzial im Austausch. Vor allem die Kantone Solothurn und Baselland verfügen beide über ein ähnliches Angebot wie der Kanton Aargau. Somit könnten künftig auch Pauschalangebote im Bereich Langsamverkehr überkantonal entstehen – wer weiss, vielleicht können wir die Veloroute Liestal–Olten an beiden Enden verlängern.