Villmergen

Anabolika-Milieu: Aargauer Obergericht verurteilt auch Barbesitzer der Langstrasse

Anabolika, Erpressung und lange Haftstrafen: Die Geschichte begann in einem Aargauer Fitnessstudio.

Anabolika, Erpressung und lange Haftstrafen: Die Geschichte begann in einem Aargauer Fitnessstudio.

Drei Männer aus dem Anabolika-Milieu mussten sich wegen einer brutalen Erpressung erneut vor dem Aargauer Obergericht verantworten. Dieses verurteilt alle drei Täter. Ins Rollen kam der Fall, nachdem die Polizei illegale Anabolika in einem Fitnessstudio in Villmergen gefunden hatte.

Das Aargauer Obergericht hat einen Anabolika-Händler wegen Erpressung, Nötigung und qualifizierter Widerhandlung gegen das Sportförderungsgesetz verurteilt. Anton (alle Namen geändert) muss für 4 Jahre und 9 Monate ins Gefängnis. Das Urteil fällt milder aus, als das, der Erstinstanz: Das Bezirksgericht Bremgarten hatte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren verurteilt. Ausserdem muss Anton eine unbedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Franken, total 900 Franken, bezahlen.

Die Verhandlung gegen Anton fand Mitte August statt: Am Obergericht traf der frühere Bodybuilder, Fitnessstudio-Besitzer und Anabolikahändler auf sein Opfer Felix, sowie auf die zwei weiteren Beschuldigten in dieser Geschichte. Anton wurde vorgeworfen, dass er Felix, einen früheren Abnehmer von grossen Mengen von Anabolika, erpresst und genötigt hatte. Dies, weil Felix ihn in einem Verfahren wegen Anabolika-Handels mit seinen Aussagen belastet und dazu beigetragen hatte, dass Anton hinter Gitter kommt.

Felix zog seine belastenden Aussagend überraschend zurück

Anton soll nach seiner Haftentlassung Druck auf seinen ehemaligen Kunden Felix aufgebaut haben, damit dieser seine belastenden Aussagen zurückzieht. Er soll dazu einen Kollegen – den Betreiber einer Bar an der Zürcher Langstrasse – um Hilfe gebeten haben. Mit Erfolg: Dieser soll Mehmet und Romeo - zwei zwielichtige Gestalten aus dem Milieu - angeheuert haben, um Felix im Aargau einen Besuch abzustatten und diesen einzuschüchtern.  

Felix fürchtete um sein Leben und um das Leben seiner Partnerin und seines damals 7-jährigen Sohnes und zog die Aussagen gegen Anton mit einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft kurz vor dem Prozess gegen Anton zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte die Telefone der Beteiligten überwacht und so die erdrückenden Beweise gesammelt.

Obergericht verurteilt neu auch Barbetreiber

Vor Obergericht standen nun auch der Zürcher Barbetreiber sowie Mehmet, einer der beiden Schlägertypen. Die Aargauer Oberrichter verurteilten Mehmet erneut wegen Gehilfenschaft zur Erpressung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten und einer Busse von 2000 Franken. Damit bestätigt das Obergericht das Urteil der Erstinstanz. Mehmet hatte einen Freispruch gefordert. Er – argumentierte sein Verteidiger, sei an jenem Tag lediglich gemeinsam mit Romeo zum Erpressten gefahren. Für das Gericht steht jedoch fest, dass Mehmet beim Treffen mit dem Erpressten Felix kein Unbeteiligter war. Romeo, der zweite Überbringer der Drohungen, ist inzwischen gestorben.

Der Barbetreiber war vom Bezirksgericht Bremgarten freigesprochen worden. Da ihm nicht von Anfang an eine amtliche Verteidigung gewährt wurde, kam das Gericht zum Schluss, dass der Grundsatz des fairen Verfahrens verletzt wurde.

Das Obergericht hingegen sprach den Barbetreiber der Langstrasse nun wegen Gehilfenschaft zur Erpressung und Gehilfenschaft zur Nötigung schuldig. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 300 Franken, total 54'000 Franken und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. Er habe einen Mittelsmann dazu aufgefordert, eine Kopie des Rückzugsschreibens von Felix in seiner Bar an der Langstrasse abzuliefern. Ausserdem soll er über die Dauer der ganzen Erpressung als Vermittlungsperson zwischen Erpresser und Erpresstem fungiert haben.

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