Ohne Altersgrenze

An Ü40-Partys dürfen alle die Hüften schwingen

Dancefloor frei für die Ü40-Jährigen – jeden zweiten Freitag im Monat im Utopia Disco-Club in Aarau.

Dancefloor frei für die Ü40-Jährigen – jeden zweiten Freitag im Monat im Utopia Disco-Club in Aarau.

In der Deutschschweiz spriessen Ü40-Tanznächte seit ein paar Jahren wie Pilze aus dem Boden. Auch in der Region Aarau können Junggebliebene ausgiebig feiern.

Standardtänze für die älteren Semester und Disco-Beats für die Jugend. Lange war die Aufteilung klar. Dieses mentale Korsett ist jedoch seit einiger Zeit daran, sich aufzuweichen. Über
40-Jährige erobern die Diskotheken, finden Gefallen an Silberkugel und Kunstnebel. Dies zeigt etwa der Blick auf die Veranstaltungsprogramme der AusgehLokale der Region.

Im Glashaus in Reinach beispielsweise findet jeden dritten Samstag im Monat eine Ü40-Party statt. «Die Besucherzahlen sind von Party zu Party stetig gestiegen», sagt Geschäftsleiter und Eventmanager Alan Weber. Mit 400 Gästen sei man regelmässig ausverkauft. Auch Edi Schneider, Betreiber vom Utopia in Aarau, spricht von einem grossen Erfolg. Jeden zweiten Freitag im Monat findet dort die «Tanznacht40» statt. «Wir haben praktisch immer Full House.»

Eltern brachten die Idee

Erfinder der «Tanznacht40» ist Marcel Giger aus Zürich. Seit Anfang 2009 exportiert der 38-Jährige das Konzept in die ganze Deutschschweiz. Und zwar mit beachtlichem Erfolg: Pro Monat finden bereits zwölf Tanznächte unter seinem Label statt.

Auf die Idee der «Tanznacht40» hätten ihn seine Eltern gebracht. Früher habe er einen Club für die Jungen betrieben. Seine Eltern hätten ihn im Club zwar ab und zu besucht, gleichzeitig aber auch gesagt: «Marcel, du weisst schon, dass wir nur wegen dir kommen?»

Giger nennt das Beispiel seiner Eltern stellvertretend für eine ganze Generation: Ältere Semester fühlten sich in Diskotheken mit Jugendlichen zusammen oftmals schief angeschaut und als «Grossmami» oder als «alte Lüstlinge» abqualifiziert. Da brauche es ein spezielles Tanzangebot für alle, die in den Hüften nicht mehr ganz so flexibel seien und dennoch ungehemmt feiern wollten. «Älter werden wir alle, aber tanzen wollen wir trotzdem», heisst der treffende Slogan auf seiner Homepage.

Dieser Spruch gilt auch für Donatella. Die 55-Jährige ist regelmässig an der «Tanznacht40» im Utopia anzutreffen. Dort könne sie so richtig die Sau rauslassen. Einziger Wermutstropfen: «Es dürften sich ruhig ein paar Männer mehr auf die Tanzfläche getrauen.» Die Musik sei nämlich spitze.

Auch eng tanzen

Welche Rhythmen sind also angesagt bei Donatella und den anderen Junggebliebenen? Im Utopia laufen jeweils Disco-Hits mit Déjà-vu-Effekt», sagt Edi Schneider. Dazu gehören etwa die Evergreens von Diana Ross, Boney M. oder Dr. Alban mit «Sing Halleluja» sowie Neues aus der Hitparade. Aber auch für Romantiker ist gesorgt: «Um 24 Uhr gibt es ein paar langsame Stücke, damit man auch geschlossen tanzen kann.»

Auch DJ Tomtom vom Baronessa in Lenzburg zählt auf den «Retro-Groove», wie er ihn nennt. Die allmonatliche «Tanz und Gloria»-Party werde zwar nicht explizit für Ü40 angepriesen, doch die Musikauswahl sorge automatisch für eine altersspezifische Selektion: «Zeitlose Stücke wie ‹Angie› von den Rolling Stones oder ‹I will survive› von Gloria Gaynor beamen uns zurück in die Zeit der Skilager-Discos. Jüngere Generationen hingegen können damit weniger anfangen.»

Die Musik alleine macht aber noch keine gelungene Party. Die Veranstalter sind sich bewusst, dass noch anderen Ansprüchen der älteren Generation Rechnung getragen werden muss. «Einlass ist bei uns jeweils schon um 21 Uhr und nicht erst um 22 Uhr, wie dies bei unseren Ü25-Partys der Fall ist», sagt etwa Alan Weber vom Glashaus in Reinach. Gleichzeitig lasse man im Sinne der Bewegungsfreiheit jeweils auch
30 Prozent weniger Personen rein. Und im Utopia in Aarau verzichtet man bewusst auf das ansonsten geltende Alkoholverbot. «Die älteren Generationen haben sich im Griff», sagt Edi Schneider.

Und was ist mit dem Balzfaktor? Ist dieser auch so omnipräsent wie bei vielen Ü30-Partys? Der Tenor ist bei allen Veranstaltern derselbe. «Wir preisen die Ü40-Party nicht als Single-Party an», sagt etwa Alan Weber vom Glashaus in Reinach. Wenn jemand nur mit seinen Freunden eine gute Zeit haben möchte – kein Problem. Und wenn auch Paare nach Reinach kommen, die wiedermal gemeinsam auf die Pauke hauen möchten – umso besser.

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