Brennpunkte im Kanton
An diesen Hotspots muss die Polizei mehr Präsenz zeigen – aus verschiedenen Gründen

Hotspots sind Brennpunkte, an denen die Polizei häufig anzutreffen ist. Sie führen Personenkontrollen durch und wollen durch ihre Anwesenheit Straftaten verhindern. Doch was bedeutet "Hotspot" genau? Und wo entstehen diese?

Nora Güdemann
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Hotspots im Aargau: Das sind die bedeutendsten Brennpunkte
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Hotspots im Aargau Blick auf den Bahnhof in Baden. Auch dieser ist ein bedeutender Hotspot.
Hotspots im Aargau Aber nicht nur Orte, an denen sich viele Personen gleichzeitig aufhalten, können zum Brennpunkt werden. So gibt es auch Einbruchs-Schwerpunkte, wie in letzter Zeit die Region Brugg-Baden...
Hotspots im Aargau ...oder das Gebiet Menziken-Reinach, wo laut Graser "erhöhtes Risikopotenzial" herrscht.
Hotspots im Aargau Zudem gibt es Hotspots, an denen die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Wie hier die beliebte Raserstrecke im Boowald zwischen Vordemwald und St. Urban.
Hotspots im Aargau Oder hier die Raststätte in Würenlos, an der sich vor allem nachts Partyvolk aber auch Kriminaltouristen aufhalten.

Hotspots im Aargau: Das sind die bedeutendsten Brennpunkte

Fabio Baranzini

Wer zu später Stunde am Aarauer Bahnhof unterwegs ist, dem wird aufgefallen sein, dass Patrouillen der Stadt- oder Kantonspolizei vermehrt Präsenz zeigen. Das liegt daran, dass der Bahnhof im Jargon der Kantonspolizei ein «Hotspot» ist, also ein Brennpunkt.

«Hotspots bilden sich an Orten, an denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass die öffentliche Ruhe oder Sicherheit gestört wird», erklärt Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei. Das sei hauptsächlich an Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen oder Einkaufszentren der Fall. Dort komme es gemäss Polizei zu überdurchschnittlich vielen Straftaten.

Verschiedene Kategorien

«Meist sind die Hotspots Treffpunkte von Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, beispielsweise von Drogensüchtigen oder Asylbewerbern», so Graser. Hotspots können aber auch Orte sein, an denen viel Verkehr herrsche, wie die beliebte Motorradstrecke im Boowald. «Zudem gibt es Einbruchsschwerpunkte, wie in letzter Zeit das Gebiet Brugg-Baden.»

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Die AZ war eine Nacht lang unterwegs mit der Stadtpolizei Aarau. In der Kantonshauptstadt gibt es einen grossen Hotspot – den Bahnhof. Dort mussten die Beamten eine Person festnehmen.

Laut Graser ist die Entstehung eines Hotspots auch von der Jahreszeit abhängig: «Im Sommer kann ein Rastplatz zum Treffpunkt von Autofans werden und somit zum Risiko für die Verkehrssicherheit.» Ausserdem gibt es Hotspots, die nur für einzelne Gemeinden einen Brennpunkt darstellen, für den gesamten Kanton aber irrelevant sind: «Zum Beispiel ein Schulhausplatz als Treffpunkt für Jugendliche», sagt Graser.

Aarau, Baden, Würenlos

Kantonal zu den bedeutendsten Hotspots gehören aktuell die Bahnhöfe in Aarau und Baden sowie die Autobahn-Raststätte in Würenlos. Risikopotenzial besitzt gemäss Graser auch das Gebiet Menziken-Reinach im Oberwynental. Solche Hotspots werden vermehrt von Patrouillen der Regional- und der Kantonspolizei kontrolliert.

«Mit Patrouillen sollen Sicherheitsgefühl der Bevölkerung gesteigert und Straftaten verhindert werden», sagt Graser. «Gleichzeitig wollen wir Erkenntnisse über die Szene gewinnen und mögliche Problempersonen aus ihrer Anonymität holen.» Die Kantonspolizei sei mit dieser Strategie erfolgreich: «Wenn es um Drogen geht, ist es im Aargau gelungen, die Bildung einer offenen Szene zu verhindern», sagt Graser. «Auch die Anzahl Einbrüche ist in den letzten Jahren zurückgegangen.»

Sehen Sie in der Galerie, was die Stadtpolizei Aarau beim Nachtdienst erlebt:

Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Roman Weiss (37, links) ist seit 15 Jahren Polizist bei der Stadtpolizei. Wenn er nicht gerade im Viertagesrhythmus (zwei Tagdienste, zwei Nachtdienste) durch die Kantonshauptstadt patrouilliert, spielt er Tennis, geht wandern oder verbringt Zeit mit der Familie. Sein Kollege Marc Amsler (38) ist seit 13 Jahren bei der Stadtpolizei. Um sich von den Diensten zu erholen, absolviert er Krafttraining oder fotografiert.
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Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Der Nachtdienst der Polizisten beginnt um 18.00 Uhr und endet um 06.30 Uhr. Hier wirft Polizist Weiss einen Blick auf die Einsatztafel im Polizeiposten.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Beide Polizisten müssen, trotz ihrer Aussendienstarbeit, auch administrative Aufgaben erledigen. Beispielsweise Protokolle der Einsätze schreiben.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Das sind die Funkgeräte, mit welchen die Beamten Kontakt zur Zentrale aufnehmen können, um beispielsweise Personalien durchzugeben. Auch werden sie über Funk von den Einsätzen anderer Polizeien im Aargau informiert.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Das Polizeiauto ist mit allerlei technischen Gadgets ausgerüstet. Hier meldet Polizist Roman Weiss den Status der Patrouille im Navigations- und Ordnungssystem. Dort werden auch Einsätze angezeigt.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Der Kofferraum des Wagens ist voll mit Dingen, die die Polizisten auf Patrouille mitführen müssen. Beispielsweise Seile, Schwimmwesten, Maschinenpistolen, oder Atemlufttestgeräte.
Marc Amsler sucht einen Platz nach Betäubungsmitteln ab. Auf Reportage mit der StaPo Aarau, Absuchen mit der Taschenlampe
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Amsler und Weiss auf Patrouille durch den Aarauer Bahnhof. Dieser ist ein sogenannter "Hotspot", also ein Brennpunkt, an dem vermehrt Straftaten begangen werden. Um dies zu unterbinden, wurde die Präsenz der Polizisten am Bahnhof erhöht.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Die Polizisten halten Ausschau nach "Altbekannten" und nach Personen, die sich auffällig verhalten. Hier hat Roman Weiss gerade den Ausweis des Mannes kontrolliert und funkt nun Personalien an die Zentrale. Diese prüft, ob eventuell eine Fahndung oder Wegweisung besteht.
Auf Patrouille mit der Stadtpolizei Aarau
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Zu jedem Ort im Bahnhof wissen die Polizisten eine Geschichte zu erzählen. Beispielsweise von Personen, die in Schliessfächern übernachten oder illegalem Drogenkonsum auf den Toiletten.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Kontrolliert wird auch das Parkhaus. "Vor allem im Winter werden Parkhäuser zu beliebten Treffpunkten", sagt Roman Weiss. Er soll recht behalten. Schon von weitem riecht man Marihuana und wir treffen auf eine Gruppe junger Männer.
Im Parkhaus beim Aarauer Bahnhof trafen die Polizisten eine auffällige Personengruppe. Marc Amsler kontrolliert deren Ausweise.  
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Einer der Männer hatte eine Wegweisung vom Aarauer Bahnhof – dürfte sich dort also nicht aufhalten. Auch, weil er am Vortag mehrmals vor der Polizei geflüchtet ist, nehmen ihn die Beamten Amsler und Weiss mit zum Posten der Stadtpolizei.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Das ist der Postenraum der Stadtpolizei. In einer Ecke steht diese Bank...
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt ...die metallenen Ösen versehen ist. Darauf wird der Festgenommene platziert.
Auf dieser Bank müssen Festgenommene Platz nehmen. Im Zweifelsfall werden sie an Ösen festgemacht. Auf Reportage mit der StaPo Aarau, Bank für die vorläufig Festgenommenen
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Der Festgenommene zeigte sich unbelehrbar. Es sei ihm egal, ob er nun eine Busse bekommen oder ins Gefängnis gehen müsse. Polizist Roman Weiss habe sich daran gewöhnt, dass bei manchen Menschen die Anweisungen der Beamten auf wenig Gehör stossen: «Das ist aber Teil des Jobs», sagt er.
Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Mitternachts gibt es "Mittagessen". Es wird über berufliche Themen wie die Zunahme von begleiteten Transporten in die Psychiatrische Klinik Königsfelden, die Abnahme des Respekts gegenüber der Polizei und den Gebrauch von Schusswaffen diskutiert. Aber auch über weniger ernste Themen wie den gemeinsamen Ausflug der Polizisten an eine 90er-Jahre-Party nach München.
Vor dem Pausenraum des Postens stapeln sich leere Energy-Drink-Dosen. Auf Reportage mit der StaPo Aarau, leere Energiedrink Dosen vor dem Pausenraum

Eine Nacht auf Patrouille in der Kantonshauptstadt Roman Weiss (37, links) ist seit 15 Jahren Polizist bei der Stadtpolizei. Wenn er nicht gerade im Viertagesrhythmus (zwei Tagdienste, zwei Nachtdienste) durch die Kantonshauptstadt patrouilliert, spielt er Tennis, geht wandern oder verbringt Zeit mit der Familie. Sein Kollege Marc Amsler (38) ist seit 13 Jahren bei der Stadtpolizei. Um sich von den Diensten zu erholen, absolviert er Krafttraining oder fotografiert.

Fabio Baranzini

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