Mit einem Durchschnittsalter von 62,8 Jahren stellt die SVP die älteste Aargauer Vertretung im Nationalrat. Nun schlägt Thomas Lüpold, bis 2012 Kantonalpräsident der SVP, Massnahmen für eine Verjüngung vor. «Ich könnte mir vorstellen, dass Kandidaten, die über 60 oder 65 sind und zum 4. oder 5. Mal antreten, eine Zweidrittelmehrheit im Parteivorstand brauchen, um nominiert zu werden», sagt Lüpold.

Einen entsprechenden Vorschlag hat er dem Kantonalvorstand im Dezember unterbreitet. «Es geht nicht um eine fixe Alterslimite oder Amtszeitbeschränkung», hält Lüpold fest. Er möchte aber im Hinblick auf die Wahlen 2015 den Altersschnitt der SVP-Kandidaten senken. «Wir haben heute sehr viele Junge, die sich engagieren, ich sehe meine Idee als Beitrag zur Nachwuchsförderung.»

Thomas Burgherr, heutiger Präsident der SVP Aargau, ist gegen eine Altersgrenze. Burgherr würde eher bei der Amtszeit ansetzen, möchte der Diskussion aber nicht vorgreifen. «Wir besprechen die Idee von Thomas Lüpold an der Geschäftsleitungssitzung am 26. Februar.» Am Grundsatz, dass bisherige Nationalräte ein Recht auf einen Listenplatz haben, will Burgherr nicht rütteln.

Nach den Parlamentswahlen 2011 lag das Durchschnittsalter des Nationalrats bei rund 50 Jahren. Die 15 Aargauer Nationalräte waren damals im Schnitt 49,3 Jahre alt. Innerhalb der 15-köpfigen Aargauer Delegation gibt es aber markante Unterschiede. Die jüngste Partei ist die SP. Max Chopard (45), Yvonne Feri (45) und Cédric Wermuth (25) wiesen 2011 ein Durchschnittsalter von gut 38 Jahren auf.

Am ältesten sind die Vertreter der SVP: Sylvia Flückiger (59), Ulrich Giezendanner (58), Hans Killer (63), Hansjörg Knecht (51), Maximilian Reimann (69) und Luzi Stamm (59) kamen 2011 auf einen Schnitt von 59,8 Jahren. Nur knapp jünger ist das FDP-Duo: Corina Eichenberger (57) und Philipp Müller (59) sorgten bei den Freisinnigen 2011 für einen Schnitt von 58 Jahren.

Alterstrend zeigt klar nach oben

In einer grossen Umfrage (az vom 12. Februar) haben mit Ausnahme von Hans Killer sämtliche FDP- und SVP-Nationalräte angekündigt, wieder zu kandidieren. Auch der älteste Aargauer Nationalrat, SVP-Vertreter Maximilian Reimann, dürfte laut seinen Aussagen wieder antreten. Geht man davon aus, dass sie als Bisherige im Herbst 2015 wiedergewählt werden, erhöht sich das Durchschnittsalter der Bürgerlichen weiter: Die FDP-Vertretung ist am Wahltermin im Schnitt 62-jährig, am Ende der Amtsperiode 2019 schon 66-jährig.

Auch die SVP kommt in der nächsten Legislatur ins Rentenalter: 2015 liegt das Durchschnittsalter der fünf wieder kandidierenden Nationalräte bei 63,2 Jahren, 2019 sind es gar 67,2 Jahre. SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr betont dennoch, seine Partei habe kein Nachwuchsproblem. «Wir haben viele junge Leute, aber es gehört auch zu einer politischen Karriere, dass man manchmal anstehen muss», sagt Burgherr. «Dass gewisse Leute schon länger im Amt sind, sehe ich nicht als Problem», hält er fest.

Anders sieht dies sein Vorgänger, der ehemalige SVP-Präsident Thomas Lüpold: «Heute ist eine ganze Generation unserer Partei in Bern nur durch Hansjörg Knecht vertreten.» Wenn ältere SVP-Politiker lange im Amt blieben, könne dies bei jungen Kandidaten demotivierend wirken, weil sie keine Wahlchance für sich sehen.

Tonja Kaufmann, Präsidentin der Jungen SVP Aargau, sagt zur Senioren-Delegation ihrer Partei in Bern: «Es wäre wünschenswert, dass verschiedene Generationen im Nationalrat vertreten sind.» Dass die SVP-Parlamentarier im Schnitt relativ alt sind und fünf Bisherige wieder antreten, ist für Kaufmann aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. «Wir werden sicher auch junge Kandidaten für die SVP-Liste melden, damit die Wählerschaft eine möglichst grosse Auswahl hat», sagt sie.

Junge geben sich moderat

Auch Yatin L. Shah, Präsident der Jungfreisinnigen Aargau, lässt sich nicht entmutigen. «Klar möchten wir mehr junge FDP-Vertreter, aber Philipp Müller und Corina Eichenberger haben einen grossen Leistungsausweis», sagt Shah.

Zudem sei mit dem 38-jährigen Thierry Burkart ein junger Kandidat auf dem ersten Ersatzplatz der FDP für den Nationalrat. Von einer Altersgrenze oder Amtszeitbeschränkung hält der Jungfreisinnige nichts. «Aus meiner Sicht müsste ein Politiker selber merken, wenn es Zeit ist, seinen Platz zu räumen», sagt Shah.

SP hat die Amtszeit beschränkt

Kein Problem mit dem Alter ihrer Nationalräte hat die SP. «Wir haben 2012 eine Amtszeitbeschränkung auf zwölf Jahre eingeführt», erklärt Präsident Marco Hardmeier. Diese gilt auch für Bundesparlamentarier und kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit am Parteitag aufgehoben werden.

Für die drei bisherigen SP-Vertreter im Nationalrat ist die Amtszeitbeschränkung kein Hindernis: Max Chopard rutschte 2009 für Urs Hofmann nach, als dieser in den Regierungsrat gewählt wurde. Yvonne Feri und Cédric Wermuth wurden beide 2011 in den Nationalrat gewählt.