Unterentfelden
Amt für Verbraucherschutz erhält für 43,5 Millionen Franken ein neues Domizil

Für die Projektierung des Vorhabens beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von 4,7 Millionen Franken. Die Gesamtkosten werden rund 43,5 Millionen Franken betragen.

Jörg Meier
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Hier beim Bildungszentrum Unterentfelden ist der Neubau geplant.

Hier beim Bildungszentrum Unterentfelden ist der Neubau geplant.

Alex Spichale

Das Amt für Verbraucherschutz ist das kantonale Kompetenzzentrum für die Kontrolle der rund 8000 Lebensmittelbetriebe, 270 Trinkwasserversorgungen sowie der 3400 Landwirtschaftsbetriebe. Die 85 Mitarbeitenden kontrollieren Lebensmittel und Trinkwasser, prüfen Chemie- und Biosicherheit sowie Tiergesundheit und Tierschutz.

Das Amt für Verbraucherschutz ist gegenwärtig in zwei kantonseigenen Gebäuden am Kunsthausweg 24 und an der Oberen Vorstadt 14 in Aarau untergebracht. Das Gebäude am Kunsthausweg, wo sich bis heute das Laboratorium befindet, wurde 1914 als kantonales Laboratorium in Betrieb genommen und ist stark sanierungsbedürftig. So ist das Dach undicht, teure Untersuchungsgeräte müssen deshalb mit Blachen und Decken geschützt werden. Zudem ist das Gebäude zu klein, sodass verschiedene Geräte in den Gängen platziert werden müssen.

Die heutige Aufteilung des Amtes auf zwei Standorte erschwert die betrieblichen Abläufe. Denn die Tätigkeiten von Inspektion und Untersuchung sind eng miteinander verknüpft und bedingen einen regen Austausch zwischen dem Inspektions- und Laborpersonal. Deshalb entschied der Regierungsrat 2017, dass das Amt für Verbraucherschutz an einem neuen Standort unter einem Dach realisiert werden soll. Ein erstes, 68 Millionen Franken teures Projekt im Aarauer «Buchenhof» wurde 2017 wegen der angespannten finanziellen Lage des Kantons nicht weiterverfolgt.

Unterentfelden statt Aarau

In der Folge wurden drei weitere mögliche Standorte in Aarau evaluiert, die aber alle letztlich nicht infrage kommen konnten: Für eine Integration des Labors des Verbraucherschutzes in den Laborneubau des Kantonsspitals Aarau war es zu spät; der Umzug ins kantonale Zeughaus oder ins neue Gewerbegebäude «Hang-Aar» an der Neumattstrasse scheiterte an den ungünstigen Grundrissen.

Gemäss dem Grundsatz «Eigentum vor Miete» hat der Regierungsrat entschieden, dass das Amt für Verbraucherschutz aus Aarau wegzieht und nach Unterentfelden zügelt, wo es auf dem Areal des Bildungszentrums in einem neuen Gebäude untergebracht wird. Das Areal des Bildungszentrum Unterentfelden befindet sich seit Ende 2018 im Besitz des Kantons.

Auch ausserkantonal möglich?: Warum der Kanton ein Labor braucht

Vor dem Hintergrund des nicht sanierungsfähigen Laborgebäudes am Kunsthausweg in Aarau wurde auch geprüft, ob der Aargau das Labor allenfalls in einen anderen Kanton auslagern könnte. Diese Variante erwies sich aber aus finanzieller und betrieblicher Hinsicht als nachteilig. So würde die Auslagerung der Untersuchung der rund 8000 Proben einen erheblichen logistischen Aufwand bringen.

Zudem ginge die rasche Handlungsfähigkeit bei einem Ereignis wie einer Trinkwasserverunreinigung verloren. Bei einem nuklearen Zwischenfall muss das Labor für die Untersuchung von Lebensmitteln und Umweltproben jederzeit bereit sein. Das alles ist nur mit einem kantonseigenen Labor möglich. (jm)

Nach Ansicht der Regierung ist der neue Standort zentral gelegen, verkehrstechnisch gut gelegen und somit für die Mitarbeitenden des Amtes ideal. Gewisse Einschränkungen ergeben sich höchstens bezüglich der engen Anbindung an die Zentralverwaltung. Das frei werdende Haus an der Oberen Vorstadt in Aarau wird von der Verwaltung weiter genutzt werden, das Schicksal des bisherigen Laboratoriums ist ungewiss.

Bezug im Jahr 2024

Für die Projektierung des Vorhabens beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von 4,7 Millionen Franken. Die Gesamtkosten werden rund 43,5 Millionen Franken betragen. Bereits jetzt steht fest, dass eine Ausführung des Gebäudes in Holzbauweise, wie sie in einem Postulat im Grossen Rat gefordert wurde, grundsätzlich realisierbar wäre. Doch aus baufachlicher Sicht raten Experten eher von einer reinen Holzkonstruk- tion für ein Laborgebäude ab.

Läuft alle planmässig, ist das neue Gebäude Ende 2024 fertig. Es sei nicht einfach, weitere fünf Jahre lang unter erschwerten Bedingungen alle Leistungen zu erbringen, sagte Alda Breitenmoser, die Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz. So freue sie sich sehr auf ein zeitgemässes neues Labor und das gemeinsame Arbeiten an einem Standort und unter einem Dach.