Fast 30 Minuten dauerte es, bis die Ambulanz am Unfallort in Menziken eintraf, nachdem ein Mann einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der Grund: Das Rettungsfahrzeug, das die Einsatzleitzentrale aufbot, musste aus dem 20 Kilometer entfernten Kölliken ausrücken – da die Ambulanz des Spitals Menziken besetzt war.

Nur knapp die Hälfte dieser Zeit hätte der Rettungswagen aus dem luzernerischen Sursee nach Menziken benötigt. Doch: Die Aargauer Notrufzentrale hat keinen Zugriff auf ausserkantonale Daten. Unverständlich für die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. «Es liegt ganz klar an den Kantonen hier überregional oder sogar national zusammenzuarbeiten», sagt die Gesundheitspolitikern gegenüber «TeleM1». Mit der heutigen Technik müsse es möglich sein, eine zentrale Melde- und Aufgebotsstelle einzurichten. 

Skepsis gegenüber Zentralisierung

Andere Kantone haben bereits reagiert: So arbeiten die Kantonsspitäler Luzern, Uri, Obwalden und Nidwalden seit Anfang September zusammen. Auch der Kanton Aargau zeigt Interesse am Pilotprojekt, steht aber einer Zentralisierung kritisch gegenüber. «Es ist entscheidend in diesem Geschäft, dass man die regionalen Gegebenheiten kennt; einerseits die Geografie aber auch der persönliche Kontakt unter den Rettungsdiensten», erklärt Heini Erne, Fachstellenleiter für das kantonale Rettungs- und Katastrophenwesen. 

Mann stirbt, weil Ambulanz zu lange zum Unfallort brauchte

Mann stirbt, weil Ambulanz zu lange zum Unfallort brauchte (8. September 2018)

Bereits heute werde die Zusammenarbeit unter den Kantonen gefördert. Heisst: «Sobald unsere Meldestelle feststellt, dass unsere Mittel nicht vorhanden sind, rufen wir die entsprechenden Notrufzentralen der anderen Kantone an», so Erne gegenüber dem Regionalsender. 

Im Fall von Menziken wurde also zuerst die Kölliker Ambulanz aufgeboten. Ob der Tod des Mannes mit einem schnelleren Eintreffen des Rettungsdienstes verhindert hätte werden können, ist nicht bekannt.