Zum Auftakt der Fussball-EM bestimmte ein Zwischenhoch für kurze Zeit mit trockener Luft unser Wetter. So war in von lokalen Überschwemmungen betroffenen Gebieten Aufräumen angesagt. Eine Verschnaufpause auch für Flüsse und Gewässer. Doch bereits heute Samstag fallen laut Naturgefahrenbulletin des Bundes weitere ergiebige Niederschläge mit Schwerpunkten im Jura, am Alpennordhang und im Tessin. Etliche Wasserstände werden erneut ansteigen. Die Gefahr von Hangrutschungen nimmt wieder zu.

In den folgenden Tagen wird sich das Niederschlagsschwergewicht erneut gegen den zentralen und östlichen Alpennordhang verlagern. Zwischen Samstagnacht und Dienstagnacht muss in diesen Regionen mit 60 bis 80, lokal bis gegen 100 mm gerechnet werden.

Grafik Hochwasser 1

Grafik Hochwasser 1

Emme belastete Aare massiv

In unserem Einzugsgebiet zeigten Flüsse wie die Reuss oder die Aare in der zweiten Tageshälfte des Donnerstags Abflussspitzen im Bereich der Gefahrenstufe 2 «mässige Gefahr». Stärkere Anstiege verzeichnete auch die Emme, die ihrerseits in die Aare fliesst. In dieser verdreifachte sich der Wasserabfluss am Donnerstag in kürzester Zeit. Deshalb drosselte der Kanton Bern sofort den Abfluss aus dem Bielersee in die Aare, um die sogenannte Murgenthaler Bedingung erfüllen zu können. Mit Erfolg: Tatsächlich stieg die Aare bei Murgenthal (inklusive erhöhtem Zufluss aus der Emme) am Donnerstag nur wenig über 700 Kubikmeter Wasser/Sekunde.

Grafik Hochwasser 2

Grafik Hochwasser 2

Den gestrigen, in unserer Region niederschlagsfreien Freitag nutzte Bern wiederum, um etwas Wasser abzulassen. So konnte der Seepegel bis gestern Abend um mehrere Zentimeter gesenkt werden. Damit gibt es Platz, damit er im Fall neuer grosser Niederschläge mehr Wasser zurückhalten kann. Dank kontrolliertem Ablassen von Wasser seit Ende Mai in jeder Regenpause ist der Seepegel jetzt nur jahreszeitenüblich hoch.

Warnung für Reuss und Aare

Der Bund verlängert wegen der für das Wochenende vorhergesagten Niederschläge die bestehenden Warnungen für die Reuss, die Aare und den Hochrhein. Auch wird die grossflächige Warnung für die kleineren und mittleren Flüsse beibehalten und auf den Jura und das Tessin ausgedehnt. Nach aktueller Einschätzung werden die Abflussanstiege an der Emme und der Kleinen Emme allerdings nicht den Bereich der Gefahrenstufe 2 erreichen.
An der Reuss in Mellingen erwartet der Bund schon am Sonntag Durchflussmengen von 450 bis 550 Kubikmeter Wasser/Sekunde.

Damit würde sich die Reuss in der Gefahrenstufe 2 «mässige Gefahr» bewegen. Gestern sank der Durchfluss bis zum Abend hingegen sukzessive bis gegen 400 Kubikmeter. Der Wasserstand des Hallwilersees blieb übrigens recht stabil. Mit minimen Schwankungen ist er heute praktisch gleich wie anfangs Mai. Die Limmat blieb in den vergangenen Tagen unproblematisch. Auch in den kommenden Tagen bleibt sie gemäss den Voraussagemodellen des Bundesamtes für Umwelt in der niedrigsten Gefahrenstufe 1.

Das bedeutet «Gefahrenstufe 2»

Bei Gefahrenstufe 2 sind lokale Ausuferungen (das Wasser verlässt das Bachbett) und Überflutungen unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen. In Ausnahmefällen sind lokal Überflutungen von Strassenunterführungen, Tiefgaragen und Kellerräumen möglich. Lokale Behinderungen an exponierten Verkehrswegen sowie lokale Schäden in kleinerem Umfang sind unwahrscheinlich, aber nicht auszuschliessen. Die Skala der Gefahrenstufen geht von 1 (keine oder geringe Gefahr) bis 5 (sehr grosse Gefahr).

Das grosse Aufräumen nach dem Unwetter vom Mittwoch

Das grosse Aufräumen nach dem Unwetter vom Mittwoch

Weggeschwemmte Erde, hohe Pegel und letzte Tümpel

Weggeschwemmte Erde, hohe Pegel und letzte Tümpel

Viel ist vom Hochwasser am Tag danach nicht mehr zu sehen, wie dieser Helikopterflug über die Region Othmarsingen, Dottikon und über das Wasserschloss bei Brugg zeigt.