Astronomie

«Am Himmel stoot es Stärnli z’Nacht» – und dieser Lehrer erklärte uns warum

Der Himmel ist seine Leidenschaft: Peter Grimm und die Sonnenfinsternis. Janine Gloor

Der Himmel ist seine Leidenschaft: Peter Grimm und die Sonnenfinsternis. Janine Gloor

Für Peter Grimm waren es zum Glück viele und nicht eines; so gab es mehr zu zu erzählen. 28 Jahre lang hat der Astronom und Deutschlehrer den Lesern dieser Zeitung einmal pro Monat den «Sternenhimmel» erklärt.

Heute sagt man «Astronomie» und will nichts vom Schicksal in Sternen und Planeten wissen. Das ist «Astrologie». Früher aber, als derlei Spitzfindigkeiten noch nicht Usus waren, starrten die Menschen in diesen Tagen mit gemischten Gefühlen in den Himmel. Sie konstatierten, dass Aufgangs- und Untergangspunkt der Sonne am Horizont immer näher zueinander rückten und die Tage kürzer wurden.

Man wusste: Es würde wieder anders. Aber sicher sein konnte man nicht. Deshalb waren der gestrige 21. Dezember und der heutige 22. Dezember bedeutsame Tage: Wintersonnenwende – die Wiedergeburt der Sonne.

Der Steinzeitmensch bannte das Phänomen auch in Stein: In der grossartigen Hügelanlage in Newgrange auf Irland tastet sich das Sonnenlicht zur Wintersonnenwende durch einen kunstvoll angelegten Gang, bis tief im Monument drinnen der Sonnenstrahl den Alterstein erreichte. Heute schafft es der Strahl wegen der Präzession der Erdachse nicht mehr ganz nach hinten, aber eindrücklich bleibt das Spektakel.

Das Wolfsgesicht auf Stein

Über Newgrange hat Peter Grimm nicht geschrieben, aber über den Erdmannlistein zwischen Wohlen und Bremgarten. Hier zeichnet die Sonne zur Tag-und-Nacht-Gleiche ein Wolfsgesicht auf eine offensichtlich gezielt platzierte Steinplatte. Im Artikel schreibt er nüchtern und kritisiert nur eine krasse Fehlinformation auf einer Info-Tafel.

Aber natürlich freut er sich, dass Menschen bereits in früher Vorzeit auch hierzulande Himmelsbeobachtungen gemacht und in Stein verewigt haben. Und dass die Heute-Menschen das endlich anerkennen.

Post von der Nasa

Denn den Himmel zu beobachten, das ist und war Peters Grimms grosse Leidenschaft. Bereits im Gymnasium belegte er den Astronomiekurs, angeregt unter anderem durch die Weltraumprojekte der Nasa. Er hat der Nasa auch geschrieben und die amerikanische Weltraumbehörde hat ihm geantwortet und dem jungen Schweizer Fan Infomaterial zugeschickt.

28 Jahre lang hat Peter Grimm den Lesern dieser Zeitung einmal pro Monat den «Sternenhimmel» erklärt. Am 31. Oktober 1987 zum ersten Mal. Die Karte zeichnete er jeweils selber. Gleich beim ersten Mal gab es beim erklärenden Text eine Panne. Ein gut- oder übelmeinender (?) Redaktor machte durch einen sinnentstellend falsch gesetzten Dativ die arme Prinzessin Andromeda zum Meeresungeheuer. Das wollte Peter Grimm der Tochter der Kassiopeia nicht zumuten und protestierte beim Chefredaktor.

Und Franz Straub, damals Chef der Redaktion des Aargauer Tagblatts, versprach, dass nunmehr die Sternenhimmeltexte vor redaktionellen Missgriffen geschützt würden. Das verhinderte eine andere Panne nicht. Aber als man einen alten Artikel aus Versehen ins Blatt rückte, protestierte die sachkundige Leserschaft, wie auch als man den Sternenhimmel-Beitrag wegsparen wollte. Zwei Monate später kam er wieder.

Wassermann mit «Peace and Love»

Es wäre schön gewesen. Als junger Deutschlehrer an der Bezirksschule Suhr liess Peter Grimm über das aktuelle Musical «Hair» diskutieren. So erinnert sich wenigstens ein ehemaliger Schüler. Der grosse Hit dort thematisiert das Aufgehen des Sternzeichens des Wassermanns («The Age of Aquarius»). Unsere Welt trete damit ein in eine Phase des Friedens und der Harmonie, wenn der Mond im siebten Haus ist und Jupiter auf einer Linie mit Mars.

«Peace» und «Love» waren damals (um und kurz nach 1968) die Schlüsselbegriffe der Eleven, die vor ihm sassen. Man hätte ihn vor uns gewarnt, sagt mein einstiger Klassenlehrer, aber so schlimm sei es dann gar nicht gewesen. (Ja, wir waren das – ich und meine Klassengenossen.) Wahrscheinlich auch deshalb nicht so schlimm, weil Peter Grimm von Astrologie nichts hält. Vielleicht hat er uns auch erklärt, dass «Love» nur deshalb «The Stars» steuern würde, weil es sich so schön auf «Mars» reimt. Aber davon will er heute partout nichts mehr wissen – leider. Ja, klar, Astrologie; aber schade für die Story.

Heute kann sich Peter seiner anderen Leidenschaft widmen: dem Reisen. Natürlich lässt sich das mit astronomischen Phänomenen gut verbinden. Muss aber nicht sein. Der Nachfolger mache die Sache recht. Auf der Computerzeichnung sei «halt jedes Sternli» drauf, die handgefertigten Ansichten waren übersichtlicher.

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