Gedenkjahr

Am 20. April 1415 standen die Berner vor den Mauern der Burg Hallwyl

Vor genau 600 Jahren wehrte sich die Besatzung von Burg Hallwyl gegen die Eidgenossen – vergeblich. Am Sonntag organisierten Postauto Aargau und Tourismus Aargau die erste von vier Erlebnisfahrten zur Eroberung des Aargaus.

Vor 600 Jahren erlebten die österreichisch-habsburgischen Stammlande von Aarburg bis Baden ungemütliche Tage. Mitte April 1415 rückten von Westen die Berner, von Osten die Zürcher und von Süden die Innerschweizer an. Sie hatten die Erlaubnis von König Sigismund, dem Österreicher Herzog Friedrich den Aargau abzujagen. Dies, nachdem es sich der Herzog mit dem König verscherzt hatte. Die Eidgenossen liessen sich nicht zweimal bitten, rückten mit ihren Heerhaufen an und nahmen das verbliebene österreichisch-habsburgische Gebiet zwischen Bern und Zürich in die Zange.

Was sollten die Bedrängten tun? Wien war weit weg. Unterstützungstruppen waren nicht zu erwarten, derweil die gar nicht langsamen Berner schon vor den Toren standen. In den bedrängten Städten wusste man um die Schlagkraft der Eidgenossen. Die bisher auf österreichischer Seite kämpfenden Aargauer Städte hatten das ja selbst schmerzlich erfahren müssen. 

Schliesslich kapitulierte eine Stadt nach der anderen. Da und dort unter Verweis auf die eigenen Stadtmauern, die keiner längeren Beschiessung standgehalten hätten, besonders aber unter Verweis auf die starken Belagerungstruppen und darauf, dass keine Aussicht auf Entsatz bestand.

Am 18. April konnten die Berner in Zofingen einrücken, bereits am 20. April, also auf den Tag genau vor 600 Jahren, auch nach kurzer Beschiessung in Aarau. Die Berner schossen mit ihrer grossen Büchse in die Stadt. Die Aarauer «schussen ouch harus, doch am lesten suchten si ouch Gnade». So fasste ein Berner Chronist jene damaligen Ereignisse zusammen. Am 20. April ergab sich auch Lenzburg. Vorab Burg Hallwyl und später auch Baden wehrten sich allerdings heftig.

Uralte Heilrezepte: TV-Spot Schloss Hallwyl.

TV-Spot Schloss Hallwyl.

Begehrenswerter Aargau

Gestern begab sich eine von Tourismus Aargau organisierte Reisegruppe per Postauto und unter kundiger Führung von Christoph Reding von der Kantonsarchäologie auf eine Erlebnis- und Zeitreise. Sie erfuhren, warum der Aargau so begehrenswert war. Wichtige Transitachsen führten (und führen) durch diese fruchtbare Gegend. Zudem konnten die Eidgenossen damit ihr Gebiet arrondieren. Den Habsburgern blieb nur das Fricktal.

Die Aargauer Städte handelten sich gute Kapitulationsbedingungen aus. Und sie blieben intakt. Schlechter erging es der Burg Hallwyl, die am 20. April belagert wurde. Die obigen Spielszenen erinnern daran. Die Burg brannte teilweise nieder. Schloss Stein in Baden, in dem das österreichische Archiv lagerte und dessen Besatzung erst am 18. Mai kapitulierte, wurde zerstört.

Geburtsstunde der Regionen

Insgesamt, so Christoph Reding, war es aber ein relativ unblutiger Eroberungszug. 1415 gilt heute als Geburtsstunde der Aargauer Regionen – entsprechend der jeweiligen Herrschaft: das Freiamt, Baden, der Berner Aargau, das Fricktal. Erst 1803 wurde daraus ein Kanton geformt, der heute noch an seiner Identität arbeitet.

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