«Aufgrund von Veruntreuung von Vereinsgeldern sah sich Alzheimer Aargau gezwungen, das erst seit 1. April 2016 bestehende Anstellungsverhältnis mit dem Geschäftsleiter fristlos aufzulösen.» Dies schreibt die Alzheimer-Vereinigung in einer Medienmitteilung, die heute Freitag verschickt wird. Zuvor wurden an einer Versammlung die Mitglieder informiert. Das Loch in der Kasse ist gross: Die Schadenssumme beläuft sich auf 152'600 Franken, wie Alzheimer Aargau mitteilt. Gegen den ehemaligen Geschäftsleiter, der seit Februar 2016 bei der Vereinigung tätig war, hat der Vorstand bei der kantonalen Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige eingereicht.

Weiter teilt Alzheimer Aargau mit, der Geschäftsleiter habe sein Vergehen eingestanden. «Es liegt eine entsprechende schriftliche Schuldanerkennung vor und eine schriftliche Willensbekundung, den geschuldeten Betrag – möglicherweise noch in diesem Jahr – zurückzubezahlen.» Alzheimer Aargau setze im Interesse der Vereinsmitglieder sowie der bisherigen und künftigen Spender alles daran, den Fehlbetrag zu sichern und einzufordern.

Da ein Teil des Schadens im ersten Quartal 2017 entstanden ist, haben die Revisoren den Rechnungsabschluss 2016 nicht zur Abnahme empfohlen. «Es wurde beschlossen, an der Mitgliederversammlung 2018 über beide Jahre Bericht zu erstatten und allfällige Wertberichtigungen auszuweisen», hält Vereinspräsidentin Beatrice Beck in der Medienmitteilung weiter fest.

Geld auf Privatkonto überwiesen

Beck sagt auf Nachfrage der az, der inzwischen entlassene Geschäftsleiter habe regelmässig höhere Geldbeträge von Konten der Alzheimer-Vereinigung auf sein Privatkonto überwiesen. «Ein solches Verhalten ist besonders verwerflich, wenn ein Verein geschädigt wird, der gemeinnützige Ziele verfolgt und auf Spenden und Legate angewiesen ist», sagt die Präsidentin. Auch an der Mitgliederversammlung sei klar zum Ausdruck gekommen, dass sich der Geschäftsleiter ein schweres Vergehen habe zuschulden kommen lassen.

Entdeckt hat das Loch in der Kasse die Präsidentin selber. Sie wurde misstrauisch, weil der Geschäftsleiter dem Vorstand die Jahresrechnung 2016 nicht rechtzeitig vorlegte. «Er brachte immer wieder Ausflüchte vor, bis im März dieses Jahres hatten wir keine Rechnung», sagt Beck. Zu einer Sitzung im Frühling sei der Geschäftsleiter nicht erschienen, er habe sich krank gemeldet. Als Beck bei der externen Treuhandfirma nachfragte, welche die Rechnung von Alzheimer Aargau führt, hiess es dort, der Geschäftsführer habe keine Belege eingereicht, sondern sie immer wieder vertröstet. «Als ich dann unsere Konten kontrollierte, stiess ich auf die Überweisungen des Geschäftsleiters auf sein Konto», sagt Beck.

Geschäftsleiter entschuldigt sich

Als der Vorstand ihn damit konfrontierte, habe sich der Geschäftsleiter entschuldigt und gesagt, es tue ihm leid. «Zu seinem Motiv kann ich keine Angaben machen, er hat aber schriftlich seine Absicht erklärt, den Schadensbetrag bis im Herbst an den Verein zurückzuzahlen», ergänzt Beck.

Der fristlos entlassene Geschäftsleiter sagt auf Anfrage: «Ich habe einen grossen Fehler gemacht, den ich sehr bereue.» Er sei in einer schwierigen finanziellen Situation gewesen, was sein Verhalten aber nicht entschuldige. «Es tut mir sehr leid, ich werde alles daran setzen, den Betrag zurückzuzahlen und wünsche mir, dass Alzheimer Aargau keinen Imageschaden davonträgt.»

Möglich war die Veruntreuung von gut 150'000 Franken, weil bei Alzheimer Aargau der Geschäftsleiter bisher Rechnungen alleine unterschreiben und zur Zahlung freigeben konnte. «Wir sind ein relativ kleiner Verein, die Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Vertrauen», sagt Präsidentin Beck. Nach dem Veruntreuungsfall habe der Vorstand «in der Administration zusätzliche Mechanismen eingebaut, um in Zukunft die Kontrolle der Finanzen zu verbessern und das Risiko einer Verfehlung zu minimieren». Beatrice Beck sagt, konkret sei das Prinzip von zwei Unterschriften eingeführt worden.

Weiterer Fall von Veruntreuung

Einen neuen Geschäftsleiter sucht Alzheimer Aargau derzeit nicht. Mit dem aktuellen Team könnten die bestehenden Angebote der Vereinigung weitergeführt werden, sagt Präsidentin Beck. Um neue Projekte zu planen, werde sich der Vorstand Ende Juli zu einer Strategiesitzung treffen.

Diese Woche hat eine weitere Veruntreuung Schlagzeilen gemacht: Der Kassier des Schützenvereins von Bad Zurzach klaute seinem Verein das ganze Vermögen – 75'000 Franken. Er wurde wegen mehrfacher Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.