Tage der Sonne
Altliegenschaft aufgerüstet: Aargauer Ex-Nationalrat Chopard produziert mehr Strom, als er braucht

An den «Tagen der Sonne» können Interessierte an 30 Beispielen spannende Einblicke in zukunftsweisende Energielösungen im Gebäudebereich gewinnen. Wir zeigen hier, was der frühere Nationalrat Max Chopard in seiner Altliegenschaft alles unternommen hat.

Mathias Küng
Merken
Drucken
Teilen
Max Chopard hat sein Haus energetisch totalsaniert
6 Bilder
 Grossrat Max Chopard hat sein Haus in Obersiggenthal energetisch totalsaniert und öffnet interessierten Personen die Türen im Rahmen des "Tag der Sonne im Siggenthal". Im Bild der Boiler, der Wasser durch Solarthermie aufwärmt.
Links die Ladestation für das Elektroauto der Chopards.
 Grossrat Max Chopard hat sein Haus in Obersiggenthal energetisch totalsaniert und öffnet interessierten Personen die Türen im Rahmen des "Tag der Sonne im Siggenthal".
 Grossrat Max Chopard hat sein Haus in Obersiggenthal energetisch totalsaniert und öffnet interessierten Personen die Türen im Rahmen des "Tag der Sonne im Siggenthal".
Max Chopard Grossrat Max Chopard hat sein Haus in Obersiggenthal energetisch totalsaniert und öffnet interessierten Personen die Türen im Rahmen des "Tag der Sonne im Siggenthal".

Max Chopard hat sein Haus energetisch totalsaniert

Sandra Ardizzone

Ab übermorgen Samstag bis 9. Juni können an bestimmten Tagen zahlreiche Liegenschaften besichtigt werden, die energetisch top gebaut oder nachgerüstet worden sind. Eine gute Möglichkeit zum Ideensammeln für Leute, bei denen der Ersatz der Heizanlage ansteht, die selbst Strom produzieren oder das Haus wärmedämmen wollen. Ein Blick in den Veranstaltungskalender (die Liste finden Sie weiter unten) zeigt, was, wann, wie und wo zu sehen ist.

Im folgenden geht es um ein 1955 erbautes Einfamilienhaus in Nussbaumen. Heute gehört es der Familie Max und Brigitte Chopard. Chopard ist SP-Grossrat, Energiepolitiker und Projektleiter in der Umwelt Arena Spreitenbach. Ihm ist es ein persönliches Anliegen, sich nicht nur für eine umweltverträglichere Energiezukunft einzusetzen, sondern sie auch im privaten Bereich zu leben. Interessant ist das Gebäude der Chopards, weil es aufwendiger ist, eine Altliegenschaft energetisch auf Vordermann zu bringen, als eine neue Liegenschaft zukunftstauglich zu planen.

Die Chopards sind noch nicht fertig mit der aus finanziellen Gründen etappierten energetischen Nachrüstung. Doch das Zwischenergebnis lässt sich sehen: Sie produzieren mit 6800 Kilowattstunden (vgl. Grafik) heute doppelt so viel Strom, wie sie brauchen, sagt Chopard stolz. Wohlverstanden, der Verbrauch schliesst nebst dem Gebäude auch Elektroauto und -velo des Ehepaars (die erwachsene Tochter wohnt nicht daheim) mit ein.

2008 fing alles an

Mit der Umrüstung des Hauses angefangen haben die Chopards 2008, als der Elektroboiler zu ersetzen war. Sie liessen im Hausdach eine fünf Quadratmeter grosse solarthermische Anlage integrieren. Seither können die Chopards das Warmwasser über das Jahr gerechnet zu 70 Prozent über diese Anlage erwärmen lassen, zu 30 Prozent benötigen sie noch Fremdenergie. Insbesondere in den Wintermonaten Dezember und Januar. Um sonnenarme oder regnerische Tage zu überbrücken, wurde ein 500-Liter-Wasserspeicher eingebaut. Die Wärme des durch die Sonne bis auf 90 Grad erwärmten Wassers im Tank reicht dann bis zu fünf Tage.

2014 stieg die Familie auf Elektromobilität um und es kam eine Photovoltaikanlage auf dem Garagendach dazu. Im Sommer komme ihr Auto mit einer Ladung bis 210, im Winter bis 180 km weit, rechnet Chopard vor. Solche Distanzen fährt das Ehepaar mit dem Auto aber kaum je: «Für längere Distanzen und von Stadt zu Stadt gibt es den öffentlichen Verkehr.»

2016 kam eine Indach-Photovoltaik-Solaranlage dazu (siehe Bild). Seither produzieren die Chopards, wie eingangs dargelegt, doppelt so viel Strom, als sie selbst verbrauchen. Die Anlagen seien alle aus der Schweiz und installiert von lokalen Handwerkern, betont Chopard. Seine Motivation: «Wir brauchen die Energiewende. Wir müssen den CO2-Ausstoss reduzieren, die AKW abstellen, die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern drastisch reduzieren. Und wir brauchen viel mehr erneuerbare Energie. Das ist eine Riesenchance für unser einheimisches Gewerbe.»

Nach 15 Jahren amortisiert

Dass erneuerbare Energie sinnvoll ist, ist unbestritten. Aber rechnet sie sich angesichts der aktuell sehr tiefen Strompreise auch? Er habe nicht ausgerechnet, was ihn eine Kilowattstunde auf den Rappen genau koste, antwortet Chopard: «Eine Faustregel besagt, dass eine Solaranlage etwa nach der Hälfte ihrer dreissigjährigen Lebensdauer amortisiert ist. Nicht eingerechnet ist dabei, welche Schäden verhindert werden, indem wir weniger CO2 ausstossen. Zudem sind Solaranlagen heute massiv günstiger als noch vor zehn oder mehr Jahren.»

Doch auch für den Bau von Solarpanels benötigt man erst mal Energie. Stimmt, sagt Chopard. Die graue Energie (die Energie, die zur Herstellung einer solchen Anlage benötigt wird) sei bei solarthermischen Anlagen aber nach zwei, bei Photovoltaikanlagen nach rund drei Jahren amortisiert: «Ab dann produzieren sie Nettoenergie.» Die Entsorgung von Solarpanels muss allerdings gesondert erfolgen. Das sei ihm bewusst, sagt Chopard. Doch für deren korrekte Entsorgung zahle man schon beim Kauf beziehungsweise Einbau eine von der Solarbranche organisierte vorgezogene Recyclinggebühr: «Das ist unabdingbar, damit nicht dasselbe geschieht wie bei der Atomenergie, wo die Entsorgung weiterhin ungelöst ist.» Generell gelte natürlich, dass jede nicht verbrauchte Kilowattstunde Strom die günstigste und grünste Energie sei.

Holzpellets statt Öl

Erneuerbarer Strom ist das eine, die Gebäudeheizungen stellen aber auch eine grosse Umweltbelastung dar. Hier haben die Chopards ebenfalls gehandelt. Als die alte Ölheizung nicht mehr richtig wollte, ersetzten sie sie durch eine Holzpelletheizung. Das Haus hat einen 3000-Liter-Öltank-Raum, in dem nun Holzpellets lagern. Dank besseren Fenstern, Dach- und Kellerdecken-Isolation usw. wurde zuvor schon der Ölverbrauch reduziert, blickt Chopard zurück. Der ehemalige Tankraum reicht für Pellets für den ganzen Winter. Natürlich sei diese Lösung in der Anschaffung teurer, sagt Chopard. Aber: «Die Rücksicht auf die Umwelt ist mir wichtiger. Denn die neue automatische Heizung, die wir mit Pellets aus der Region beschicken, ist fast klimaneutral. Zudem werden fossile Energien ihrer Endlichkeit und Umweltschädlichkeit wegen längerfristig teurer. So rechnet es sich letztlich für die Umwelt und für uns.»