Lieni Füglistaller (66), der von 2005 bis 2011 für die SVP im Nationalrat sass, hätte eher nicht damit gerechnet, dass Maximilian Reimann eine Seniorenliste lanciert. Dass sich der langjährige Bundespolitiker dem Nominationsverfahren seiner Partei nicht mehr stellen will, versteht Füglistaller mit Blick auf die neue Altersguillotine der SVP aber.

«Ich finde es richtig, wenn Bisherige selber entscheiden können, ob sie nochmals antreten», hält Füglistaller fest. «Dass die Findungskommission nun Luzi Stamm nicht mehr nominieren will, halte ich deshalb für heikel», sagt er.

Weil auch Ulrich Giezendanner und Sylvia Flückiger auf eine erneute Kandidatur verzichten, fehlen der SVP bei den Nationalratswahlen 2019 gleich vier Bisherige. «So viele Vakanzen auf einmal sind nicht optimal, für den Wahlerfolg spielt der Bekanntheitsgrad eine wichtige Rolle», sagt er. Dies sei bei Bisherigen natürlich gegeben, bei Neuen sei dies schwieriger.

Rücktritt während Legislatur?

Füglistaller, der von seiner Bezirkspartei 2010 selber nicht mehr zur Nomination empfohlen wurde und schliesslich auf eine erneute Kandidatur verzichtete, sagt zum verpassten Generationenwechsel und zur Personalpolitik der Partei: «Dass gleich vier Bisherige gleichzeitig abtreten, hätte man verhindern können.»

Aus seiner Sicht wäre es wahltaktisch geschickter gewesen, «wenn der eine oder andere SVP-Nationalrat während der Legislatur zurückgetreten wäre, um mögliche Nachfolger aufzubauen».

Lieni Füglistaller befürchtet, die aktuelle Situation könnte dazu führen, dass der siebte Sitz der SVP gefährdet ist. «Den hat meine Partei 2015 relativ knapp geholt, doch die SP hat inzwischen gute Resultate erzielt in den Kantonen, insofern sehe ich hier ein gewisses Risiko.»

Hoffnung auf einen Neuanfang

Die heftig diskutierte Altersguillotine bei der SVP geht auf einen Antrag von Ex-Kantonalpräsident Thomas Lüpold zurück. «Ich könnte mir vorstellen, dass Kandidaten, die über 60 oder 65 sind und zum 4. oder 5. Mal antreten, eine Zweidrittelmehrheit im Parteivorstand brauchen, um nominiert zu werden», sagte Lüpold vor vier Jahren.

Er wollte damit im Hinblick auf die Wahlen 2015 den Altersschnitt der SVP-Kandidaten senken. Dies gelang nicht, die jetzt gültige Regelung – eine Zweidrittelmehrheit ab 63 Alters- oder 16 Amtsjahren – wurde erst 2016 eingeführt.

Dennoch fühlt sich Lüpold dadurch bestätigt, wie er heute sagt. «Ich hoffe, dass nun ein Neuanfang möglich wird, aber ich hätte mir gewünscht, dass der Generationenwechsel weniger abrupt erfolgt.» Mit den vier Vakanzen fehle ein riesiges Stimmenpotenzial, ob dies neue Kandidaten kompensieren könnten, sei für ihn fraglich.

«Bei den letzten Wahlen hatten wir das Glück, dass unsere Themen national aktuell waren, und wir haben auch vom Proporz profitiert», sagt Lüpold. Ob seine Partei den sieben Sitz halten könne, sei aus seiner Sicht aber keineswegs sicher.

Nicht einfacher dürfte die Aufgabe der SVP durch die neue Seniorenliste werden. «Mit jeder Absplitterung wird die Mutterpartei geschwächt, das hat sich im Aargau zum Beispiel bei den Fällen von Ueli Siegrist und Kurt Wernli gezeigt», sagt Lüpold. Er glaubt auch nicht, dass Senioren zwingend Politiker in ihrem Alter wählen.

«Es geht auch bei Leuten im AHV-Alter wohl eher um die politische Ausrichtung, da hat die SVP als traditionell ausgerichtete Partei gute Chancen», sagt der Ex-Präsident, der selber 56-jährig ist und damit nicht unter die Altersregelung seiner Partei fallen würde. Ein politisches Comeback schliesst Lüpold dennoch aus, er stehe für keine Kandidatur zur Verfügung.