Alternative Mobilität
E-Flugzeug «Pipistrel» als Star im Birrfeld: Viel Begeisterung am eMobility Day

AEW Energie AG präsentierte beim eMobility Day auf dem Flugplatz elektrische Autos, Motorräder, Bikes und neue Ladestationen. Am meisten Blicke zog aber das Elektroflugzeug Pipistrel auf sich, das kaum Lärm verursacht.

Toni Widmer
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Die grosse Attraktion im Birrfeld: «Pipistrel», das Elektroflugzeug.

Die grosse Attraktion im Birrfeld: «Pipistrel», das Elektroflugzeug.

Toni Widmer

Vor einem Jahr ist René Soland, stellvertretender CEO und Leiter Netze bei der AEW Energie AG, erstmals mit seinem Elektroauto in die Ferien nach Italien gefahren. «Ich musste auf dieser Reise viermal nachtanken, an den Strom-Zapfsäulen war ich dabei meist der einzige Kunde», erklärte er am Samstag, am erstmals durchgeführten AEW eMobility Day auf dem Flugplatz Birrfeld. Dieses Jahr sei die Ferienfahrt anders verlaufen: «Der Andrang an den Ladestationen war deutlich grösser, an einer Tankstelle mit sechs Säulen habe ich gerade noch die letzte erwischt.»

E-Mobilität: Dienstleistung immer stärker gefragt

Solands Ferienerlebnis deckt sich mit seinen beruflichen Erfahrungen: «Seit rund anderthalb Jahren sind unsere Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität immer stärker gefragt. Sie haben sich in kurzer Zeit enorm entwickelt. Erst gab es nur Tesla, mittlerweile bieten alle namhaften Autohersteller gute Elektrofahrzeuge an und die Branche boomt.»

Für die AEW sei Strom eines der Kerngeschäfte und das Thema von grosser Bedeutung: «Strom ist der Treibstoff für die Elektrofahrzeuge und die Ladestationen sind die Tanksäulen dazu. Es braucht also beides, damit Elektromobilität überhaupt funktioniert. «Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Elektromobilität gehört und diese wollen wir mitgestalten.»

Es gelte, erklärte Soland weiter, nicht nur das Netz von Ladestationen auszubauen, sondern überzeugende Lösungen und Gesamtkonzepte anzubieten, um die E-Mobilität optimal im Netz zu integrieren. Werden die Stromanbieter die verstärkte Nachfrage überhaupt verkraften können? René Soland ist optimistisch: «Wir verfügen in der Schweiz über eine gute Netz-Infrastruktur und wir haben noch Reserven. Nicht zuletzt dank dem Ausbau, der in den 70er-Jahren auch wegen der starken Nachfrage nach Elektroheizungen begonnen hat. Diese werden heute meist durch Wärmepumpen ersetzt. Bei unseren laufenden Investitionen in die Netzinfrastruktur berücksichtigen wir heute natürlich insbesondere die Anforderungen der E-Mobilität.»

Die «Pipistrel» lockt viele Zuschauer ins Birrfeld.

Toni Widmer / Melissa Schumacher

Hohe Anforderungen an die Stromverteilung

Der jährliche Stromverbrauch in der Schweiz, sagt Soland weiter, liege aktuell bei rund 60 Terawattstunden: Man rechne damit, dass der Bedarf um rund 10 Terawattstunden steige, wenn der Individualverkehr gänzlich auf E-Mobilität setze. «Das ist eine Menge, aber es wird nicht zu einer Verdoppelung des Stromverbrauchs kommen, wie gelegentlich kolportiert wird».

Seiner Meinung nach werde letztlich auch nicht die erforderliche Strommenge die grösste Herausforderung sein, sondern deren richtige Verteilung: «Wir müssen jederzeit genügend Energie dorthin bringen können, wo sie verlangt wird. Für die Abdeckung der Peaks, also des punktuellen Spitzenverbrauchs, braucht es innovative Konzepte.»

Am eMobility Day wurden verschiedene aktuelle Elektroautos präsentiert.
15 Bilder
Am eMobility Day wurden verschiedene aktuelle Elektroautos präsentiert.
Pipistrel vor dem Start.
Pipistrel vor dem Start.
Pipistrel in der Luft.
Pipistrel in der Luft.
Pipistrel in der Luft.
Pilot Marc Corpataux zieht der Pipistrel den Stecker.
Marc Corpataux im Cockpit der Pipistrel.
Der Event lockte viele Gäste an.
Grosses Interesse am Elektroflugzeug.
Grosses Interesse am Elektroflugzeug.
Auch Kinder durften Elektroautos bewegen.
Auch Kinder durften Elektroautos bewegen.
Auch Harley fährt mittlerweile elektrisch.

Am eMobility Day wurden verschiedene aktuelle Elektroautos präsentiert.

Toni Widmer

Wie sich die AEW Energie AG der Herausforderung stellt, demonstrierte das Unternehmen am erstmals durchgeführten eMobility Day. Besucherinnen und Besucher konnten sich auf dem Flugplatz Birrfeld umfassend über die neue Technologie informieren. Vor Ort waren nicht nur aktuelle Elektroautos von Audi, Ford, Porsche und VW zu sehen, sondern auch E-Motorräder von Harley und Energica sowie verschiedene E-Bikes und das bereits legendäre Elektro-Postauto.

Wer Lust hatte, konnte zudem Testfahrten mit einem E-Carsharing-Auto unternehmen. AEW-Fachleute informierten über das Dienstleistungsangebot des Unternehmens und präsentierten dabei – unter anderem – die neuste Generation von Ladestationen. Weiter gab es ein kulinarisches Rahmenprogramm mit verschiedenen Verpflegungsständen sowie spezielle Attraktionen für Kinder.

Elektroflugzeug «Pipistrel» als besonderer Hingucker

Zum Star des Tages avancierte das zweisitzige Elektroflugzeug des slowenischen Herstellers «Pipistrel». Die kleine Maschine, die beim Start kaum mehr Lärm verursacht als ein Elektrorasenmäher, erreicht mit ihrer Motorleistung von 60 Kilowatt eine Geschwindigkeit von 250 km/h und kann mit einer Akkuladung eine knappe Stunde fliegen.

Nach einer weiteren Stunde ist der Akku wieder vollgeladen. Laut Pilot Marc Corpataux wird die «Pipistrel» von der Alpinairplanes in Ecuvillens überwiegend zur Ausbildung von Flugschülern eingesetzt. Schweizweit gibt es zurzeit 13 Maschinen. Alpinairplanes vermietet sie an Partnerflugschulen und unterstützt diese beim Aufbau von Ladestationen, die meist von auf Hangardächern montierten Solaranlagen gespiesen werden.

Für Corpataux hat die «Pipistrel» Zukunft: «Auf dieser Maschine lässt sich die gesamte Pilotenausbildung absolvieren, mit Ausnahme des vorgeschriebenen Überlandflugs. Der Einsatz des Flugzeugs ist nicht nur ökologisch sinnvoll, mit der ‹Pipistrel› kann auch viel Lärm vermieden werden.»

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