Verkehr im Ostaargau
Alternative für Baldeggtunnel: Kanton lotet Verkehrslösung aus

Der Verkehr nimmt ständig zu, eine Entlastung ist nötig. Aber wie? Das Departement führte einen Gemeindeworkshop durch. Nun wird nach den Regionen rasch auch die Öffentlichkeit in die Debatte einbezogen.

Matthias Küng
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Der Verkehr nimmt ständig zu (im Bild in Baden nach dem Schlossbergtunnel), Entlastung ist nötig. Aber wie?Alex Spichale

Der Verkehr nimmt ständig zu (im Bild in Baden nach dem Schlossbergtunnel), Entlastung ist nötig. Aber wie?Alex Spichale

Vor knapp einem Jahr legte der neue aargauische Baudirektor Stephan Attiger einen Bericht zur besseren Anbindung des unteren Aaretals an die Autobahnen A1/A3 vor. Dieser Bericht versetzte dem seit so vielen Jahren diskutierten Baldeggtunnel, auf den viele grosse Hoffnungen gesetzt hatten, den Todesstoss.

Der Tunnel hätte rund eine Milliarde Franken gekostet. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei ungenügend, befand Attiger, die Finanzierung wäre zudem nicht gesichert.

Zudem wurde angesichts der prognostizierten Verkehrsentwicklung erwartet, dass der neue Baldeggtunnel von Anfang an bis an die Kapazitätsgrenzen ausgelastet gewesen wäre.

Doch wie geht es weiter? Die Ziele mit der Anbindung des unteren Aaretals und der Entlastung von Baden und Brugg blieben dieselben, sagte Attiger damals in der «Schweiz am Sonntag».

Doch wie will der Baudirektor sie erreichen? Das Departement Attiger kündigte damals an, zusammen mit den betroffenen Regionen Varianten zu prüfen, welche die ursprünglichen Zielsetzungen besser erfüllen.

Denkbar sei ein Gesamtverkehrskonzept, eine Kantonsstrassen-Netzstrategie oder die Verwendung der bereits erarbeiteten baulichen Elemente aus den bisherigen Arbeiten, hiess es.

Stephan Attiger machte damals aber auch deutlich, dass man mit zusätzlichen Strassen nicht mehr alle Verkehrsprobleme lösen könne. Darum sei es auch so wichtig, immer auch die ganze Siedlungsentwicklung einzubeziehen.

Workshop mit den Regionen

Dieser Tage machte ein Leser die az auf einen Workshop des Kantons im Campus Brugg-Windisch aufmerksam, in dem es um die ostaargauische Strassenentwicklung (Oase) ging, und verknüpfte dies mit der Sorge, «dass hier durch Expertenvertretungen Weichenstellungen gemacht werden, ohne dass eine öffentliche Auseinandersetzung stattfindet».

Diese Befürchtung scheint aber unbegründet. Carlo Degelo, Leiter Verkehrsplanung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), sagt zur az: «Die Regionalplanungsverbände und die Gemeinden wurden eingeladen, sich an den Weiterarbeiten zu beteiligen. Dieser Tage hat das BVU mit den Gemeinden und den Regionalplanungsorganisationen einen Gemeindeworkshop durchgeführt, um deren Vorstellungen im Hinblick auf ein neues Gesamtverkehrsprojekt für die drei Regionen auszuloten.»

Als Nächstes wird die Öffentlichkeit informiert. An einer Medienkonferenz vom 29. August werde das BVU über die Ergebnisse sowie über das weitere Vorgehen berichten, so Degelo.

Das Interesse wird in allen betroffenen Regionen gross sein. In Brugg-Windisch beispielsweise, weil letztes Jahr vor der Abstimmung über die Südwestumfahrung Brugg von den letztlich siegreichen Befürwortern argumentiert worden war, der Baldeggtunnel sei dann das letzte Glied in einer ganzen Reihe von nötigen Entlastungsmassnahmen.

Kommentar: Attiger lässt nichts anbrennen

von Matthias Küng

Gross war im Oktober letzten Jahres die Überraschung, als der neue aargauische Baudirektor Stephan Attiger den seit vielen Jahren diskutierten «Baldeggtunnel mit Umfahrung Siggenthal» fallen liess. Dieser hätte zur Anbindung des Unteren Aaretals an die Autobahnen 1 und 3 und wesentlich zur Lösung der Verkehrsprobleme im Raum Baden und Brugg beitragen sollen. Attigers Verdikt lautete, das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Milliardenprojekts sei ungenügend.
Er hielt aber am Ziel der Anbindung des Unteren Aaretals und der Entlastung von Baden und Brugg fest. Denn das Verkehrsproblem im Ostaargau besteht, und es wird immer grösser. Nun fordert der Kanton flankierend einen Ausbau der A 1 im Aargau auf sechs Spuren, damit die Kantonsstrassen nicht durch Ausweichverkehr belastet werden. Eine diese Forderung unterstützende Standesinitiative der Freisinnigen ist nächste Woche im Grossen Rat traktandiert. Sie dürfte eine Mehrheit finden.

Doch inneraargauisch muss jetzt ein breiter Lösungsfindungsprozess anlaufen. Zu klären ist: Braucht es zusätzliche Strassen? Bessere Verkehrsleitsysteme? Mehr öffentlichen Verkehr, um die Strassen zu entlasten? Oder von allem etwas und wo und wie? Attiger startet jetzt diese Debatte und zeigt: Er lässt nichts anbrennen. Wie schon beim Raumplanungsgesetz bezieht er betroffene Gemeinden und Regionalplanungsverbände und danach die Öffentlichkeit mit ein. Das wird ein langwieriger und komplexer Prozess. Doch das Vorgehen ist richtig. Denn in so einer schwierigen Ausgangslage kommt ein Langstreckenläufer eher zum Ziel als ein Sprinter.