Autofahren
«Ältere Autofahrer sollten nicht in der Nacht fahren»

Ab 70 Jahren müssen Autofahrer regelmässig einen Sehtest bestehen, um ihr Billet zu behalten. Trotzdem verursachen Betagte immer wieder Unfälle. Die 80-jährige Marianne K. lässt deshalb das Auto lieber stehen, als unnötig ein Risiko einzugehen.

Sarah Künzli
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Foto von der Kollision in Villigen, bei der ein 92-jähriger der Verursacher war.

Foto von der Kollision in Villigen, bei der ein 92-jähriger der Verursacher war.

Kapo AG

Gesetzliche Minimalanforderung

Die gesetzliche Minimalanforderung für das Lenken eines Fahrzeugs (ohne Sehhilfe) liegt bei einer Sehschärfe von Visus 0,6 auf dem einen und Visus 0,1 auf dem anderen Auge. Je grösser der Visus ist, desto besser ist die Sehschärfe. Eine Sehschärfe von Visus 1,0 ist dabei ein Durchschnittswert für normales Sehen. Jüngere Menschen haben Werte von bis zu Visus 2,0.

Trotz den Kontrollen kommt es aktuell immer wieder zu Verkehrsunfällen, die ältere Lenker zu verschulden haben. In diesem Monat wurde in Ehrendingen ein Mann in der Nacht von einem 76-jährigen Automobilisten angefahren. Dem Autolenker wurde der Führerausweis sofort entzogen. Damals sagte Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, dass das fortgeschrittene Alter des Lenkers zum Entscheid des Entzugs des Führerausweises beigetragen habe.

Auch dieses Wochenende nahm man einem 92-jährigen Automobilisten den Führerausweis ab. Er verursachte am Samstagabend in Villigen eine Kollision, wobei drei Personen verletzt wurden.

Vernunft walten lassen

In einem früheren Artikel der az wurde ein Experte für Verkehrssicherheit beim TCS zu den Problemen mit dem schlechten Sehvermögen der Autofahrer befragt. Das Problem ist, dass sich die Verkehrsteilnehmer meistens gar nicht im Klaren sind, dass sie schlecht sehen, erklärte er damals. Weil die Verschlechterung sehr langsam stattfindet, gewöhne man sich an das Sehen.

Auch bei Marianne K. kam die Verschlechterung des Sehvermögens schleichend. Die 80-jährige Autofahrerin merkte jedoch selber, dass sie immer schlechter sah und reduzierte deshalb von sich aus ihre Fahrten mit dem Auto. «In den letzten Jahren bin ich höchstens bei guten Licht gefahren und dies auch nur für kurze Strecken. Auf der Autobahn oder in der Nacht fahre ich schon seit Jahren nicht mehr, dass ist zu gefährlich für alle Verkehrsteilnemer. Da muss man die Vernunft walten lassen», sagt sie.

Sehfähigkeit ist in der Nacht reduziert

Laut TCS nimmt die Sehfähigkeit in der Nacht allgemein um fünf bis zehn Prozent ab. Davon sind vor allem ältere Lenker betroffen. Sie haben in der Nacht und bei Regen sowieso ein reduziertes Sehvermögen.

Aus Erfahrung empfiehlt Marianne K. den älteren Automobilisten das nächtliche Fahren zu vermeiden, um kein Risiko einzugehen. Ausserdem empfiehlt sie Senioren, jährlich oder am besten sogar halb-jährlich zur Augenkontrolle gehen. Für Marianne K. sind die Tage als Autofahrerin gezählt. Seit einer Woche steht fest, sie wird ihr Autobillet im Februar abgeben müssen.