Arbeitsplätze im Aargau
Alstom steht im Aargau für über 15000 Arbeitsplätze

Der Kampf um den Alstom-Sitz im Aargau mit 6300 Arbeitsplätzen wird zur Chefsache. Regierungsrat Urs Hofmann weibelt für den Industriestandort Baden. Laut seinen Berechnungen stehen insgesamt über 15000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Urs Moser
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Bei einem Wegzug ginge für die Firma unverzichtbares Know-how verloren, sagt Regierungsrat Urs Hofmann.

Bei einem Wegzug ginge für die Firma unverzichtbares Know-how verloren, sagt Regierungsrat Urs Hofmann.

AZ

Das internationale Seilziehen um die künftigen Besitzer der Firma Alstom weckt im Aargau grosse Ängste.

Alstom ist nicht nur der grösste private Arbeitgeber im Kanton Aargau, die Firma bezeichnet sich selbst als «eines der wichtigsten Industrie und Exportunternehmen der Schweiz» überhaupt.

Rechnet man die Zulieferer und Dienstleister dazu, die indirekt von Alstom profitieren, wären insgesamt 15 000 Arbeitsplätze von einem Wegzug betroffen, wie Regierungsrat Urs Hofmann vorrechnet.

Er legte am Montag vor den Aargauer Gemeindeschreibern dar, dass die Firma hier insgesamt für 15 000 Arbeitsplätze verantwortlich ist. Zu den rund 6300 Alstom-Stellen kommen 5500 in Zulieferbetrieben.

Auf einen Industrie-Arbeitsplatz kommt laut Hofmann ein halber Arbeitsplatz mit zusätzlichen Dienstleistungen dazu. So setze sich die Zahl der 15000 Arbeitsplätze laut Hofmann zusammen.

Internationalen Konzernen müsse man zeigen, wie wichtig der Standort Schweiz für sie ist, wenn diese die Qualität ihrer Mitarbeitenden erhalten wollen.

Hofmann zeigte sich für den Standort Baden «zuversichtlich, wenn wir alles daransetzen, aufzuzeigen, wie gross die Kompetenzen in jenem Bereich sind, in dem Alstom tätig ist.» Bei einem Wegzug ginge für die Firma unverzichtbares Know-how verloren, sagt Hofmann

Die Verlegung des Alstom-Sitzes von Baden ins französische Belfort hat Jeffrey Immelt, der Chef von General Electric, für den Fall einer Alstom-Übernahme angeboten.

Sein Brief an den französischen Staatspräsidenten François Hollande ist dem Regierungsrat seit letztem Mittwoch bekannt. Aktiv geworden sei man aber sofort, nachdem erste Gerüchte über eine mögliche Alstom-Übernahme bekannt wurden, sagt Urs Hofmann.

Das Thema ist Chefsache, direkt beim Regierungsrat angesiedelt und nicht bei der Standortförderung Aargau Services. Diese Woche trifft sich Hofmann mit Alstom-Schweiz-Präsident Joseph Deiss und auch mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Bei den Gesprächen werde es darum gehen, eine Strategie für Gespräche mit der Alstom-Zentrale in Paris zu definieren und zu klären, wann und in welcher Form man am besten auf einen allfälligen neuen Besitzer zugeht.

Verlegung macht keinen Sinn

Solche Kontakte werden im Hintergrund geknüpft und gepflegt, über mögliche Trümpfe, die man dabei ausspielen kann, spricht der Volkswirtschaftsdirektor nicht öffentlich. Klar ist: Mit handfesten Anreizen wie Steuererleichterungen kann der Aargau nicht werben, dafür fehlt eine rechtliche Grundlage. Wenn er versichert, man setze alles daran, um die Interessen des Standorts optimal zu wahren, denkt Urs Hofmann eher an die Kraft wirtschaftlicher Argumente.

Für ihn steht ausser Frage, dass es auch bei einer Übernahme durch General Electric - die grundsätzlich langfristig auch eine Chance sein könne - für den amerikanischen Energie-Giganten keinen Sinn machen würde, den Alstom-Standort Baden zu schwächen. Dabei ginge viel zu viel für den Konzern unverzichtbares Know-how verloren, sagt der Regierungsrat.

Tausende Ingenieure und hoch qualifizierte Mitarbeiter verpflanze man schliesslich nicht einfach so schnell von Baden nach Belfort, so Hofmann.

Und bei aller Sorge, die das Schreiben des General-Electric-Chefs ausgelöst hat, könne er sich doch schwer vorstellen, dass der Konzern Massnahmen ergreife, die aus unternehmerischer Sicht keinen Sinn machen.

Positive Signale aus Paris

Berufen kann sich der Regierungsrat auch auf eine Einschätzung der Alstom-Zentrale selbst. Dass der Standort Baden «super aufgestellt ist und gute Trümpfe hat», sieht man nämlich offenbar auch dort so. Bei einem Alstom-Besuch in Baden im Februar, als von einer möglichen Übernahme noch keine Rede war, sei der Standort als wichtiger und erfolgreicher als auch schon bezeichnet worden, betont Hofmann.

Man müsse nun alles daransetzen, dass man den Wert des Forschungs- und Entwicklungsstandortes Aargau sieht - wer auch immer künftig in dieser Firma das Sagen hat, sagte Hofmann gestern vor dem Verband der Aargauer Gemeindeschreiber.

Besonders erfreut war man beim Kanton, dass die von Frankreich aus kontrollierte Alstom beim Projekt Park Innovaare, dem Innovationspark beim Paul-Scherrer-Institut (PSI), mitmacht.

Auch das habe man als klares Bekenntnis zum Standort Aargau gewertet, so Hofmann. Er hält fest, dieses Projekt würde allerdings auch bei einem Ausstieg von Alstom nicht infrage gestellt.