Corona

Alles wieder anders: Wegen der Pandemie gibt es nun doch keine Absenzeneinträge im Schulzeugnis

Schülerinnen und Schüler fehlen wegen der Pandemie häufiger als in anderen Jahren. (Symbolbild)

Schülerinnen und Schüler fehlen wegen der Pandemie häufiger als in anderen Jahren. (Symbolbild)

Neu sollten auch die entschuldigten Absenzen im Zwischenbericht und im Jahreszeugnis stehen. Die Regelung erntete Unverständnis. Kehrtwende des Bildungsdepartements nach heftiger Kritik aus dem Grossen Rat: Aufgrund der Pandemie werden für dieses Jahr keine Einträge erfasst.

Im laufenden Schuljahr werden im Zwischenbericht und im Jahreszeugnis der Oberstufe keine Absenzen eingetragen. Dies hat das kantonale Bildungsdepartement laut einer Mitteilung entschieden. Damit vollführt das Departement eine Kehrtwende: Noch vor einem Monat hatte die Sprecherin von Regierungsrat Alex Hürzeler den Entscheid verteidigt, künftig unentschuldigte und entschuldigte Absenzen ins Zeugnis einzutragen.

Man habe «verschiedene Rückmeldungen erhalten, dass diese bereits im Sommer 2019 beschlossene und angekündigte Neuerung aufgrund der Coronapandemie zu einem ungünstigen Zeitpunkt komme», heisst es in der Mitteilung. Die epidemiologische Lage führe dazu, dass Schülerinnen und Schüler häufiger im Unterricht fehlten als in anderen Jahren. Sie müssten sich oft ohne eigenes Verschulden an angeordnete Quarantäne halten oder blieben im Zweifelsfall wegen normalerweise unproblematischen Erkältungssymptomen zu Hause.

Kritik von Eltern und ein Vorstoss im Grossen Rat

Was das Bildungsdepartement als «verschiedene Rückmeldungen» beschreibt, waren kritische Äusserungen von Eltern und ein überparteilicher Vorstoss im Grossen Rat, der einen Verzicht auf den Eintrag entschuldigter Absenzen im Zeugnis verlangte. Diese Praxis sei etwa so, «wie wenn der Personalverantwortliche in den Abschlusszeugnissen der Mitarbeitenden ihre Krankheitstage aufführen würde», sagte ein Vater aus Villmergen Ende August. Er befürchtete, dass Eltern ihre Kinder trotz Krankheitssymptomen zur Schule schicken könnten, um Einträge zu vermeiden. Dies sei in der Pandemie heikel, weil die Gesundheitsbehörden das Gegenteil empfehlen: bei Verdacht zuhause bleiben.

Zeugnis erhält grössere Aussagekraft

Simone Strub, die Sprecherin des Bildungsdepartements, widersprach der Kritik. Wenn alle Absenzen eingetragen würden, erhalte das Zeugnis eine grössere Aussagekraft. Zudem gehe das Bildungsdepartement nicht davon aus, dass Eltern ihre Kinder mit Krankheitssymptomen zur Schule schicken.

Anfang September forderten mehrere Fraktionen im Grossen Rat, dass keine entschuldigten Absenzen eingetragen werden. Das Argument: Für Jugendliche, die viele unverschuldete Absenzen hätten – etwa wegen Krankheit oder Quarantäne –, werde die Suche nach einer Lehrstelle erheblich erschwert. Für eine dringliche Behandlung wären 87 Stimmen nötig gewesen. Weil nur 75 Grossräte dafür stimmten, wurde die Forderung nicht in der gleichen Sitzung behandelt. Mit dem Resultat war aber auch klar, dass der Vorstoss eine Mehrheit finden würde – nun hat die Regierung die Forderung mit seinem Entscheid umgesetzt.

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