Polizeiausbildung
Alles spricht von Sicherheit und die Kantonspolizei verzichtet auf Ausbildung

Trotz Terrorgefahr und steigender Einwohnerzahlen lässt der Kanton Aargau im Herbst keine neue Polizisten ausbilden, wie Tele M1 berichtet. Der Polizeiverband ist besorgt.

Christoph Zehnder
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Nach den jüngsten Terroranschlägen werden von allen Seiten Forderungen nach mehr Sicherheit laut. Sicherheit, die nicht zuletzt die Polizeikorps der Kantone gewährleisten sollen.

Ausgebildet werden viele dieser Polizisten im Ausbildungszentrum im luzernischen Hitzkirch. Elf Kantone lassen ihre Gestzeshüter dort aus- und weiterbilden, so auch der Kanton Aargau. Der diesjährige Herbstlehrgang findet jedoch ohne Teilnehmer aus dem Aargau statt.

«Das hat der Grosse Rat im letzten Herbst so entschieden», erklärt Sicherheitsdirektor Urs Hofmann (SP). Polizisten, die aus dem Dienst austreten, werden ersetzt. Darüber hinaus wird kein Nachwuchs gefördert. Die Ausbildung für die Jahre 2016 – 2018 wird entsprechend gedrosselt.

Kanton bezahlt so oder so

Diese Entwicklung bereitet dem Aargauer Kantonspolizeiverband sorgen. «Wir befürchten, dass die gesetzliche Vorgabe von einem Polizisten auf 700 Einwohner im Kanton Aargau nicht erfüllt werden könnte», sagt Verbandspräsident Markus Leimbacher. Dies, obwohl der Rat genau diesen Mindestbestand erst vor kurzem bestätigt hat.

Kommt hinzu: Der Aargau leistet weiterhin einen Beitrag von zwei Millionen Franken an die Polizeischule, auch wenn er dort keine Polizisten ausbilden lässt. Leimbacher kann nicht verstehen, weshalb diese Pauschale bezahlt wird ohne die freien Plätze zu nutzen.

Die Regierung begründet den Verzicht mit der kleineren Fluktuation im Aargauer Polizeikorps. Ausserdem mache die Schule nur dann Sinn, wenn es im Anschluss auch entsprechende Posten zu besetzen gebe. «Das ist in allen Kantonen so», sagt Hofmann.

Auch der Kanton Basel-Landschaft schicke dieses Jahr keine Aspiranten nach Hitzkirch, so der Polizeidirektor.

Zwischen Kantonsbeiträgen und der Zahl der Auszubildenden bestehe kein Zusammenhang. «Als wir mehr Leute geschickt haben, mussten wir auch nicht mehr bezahlen», so Hofmann.