Finanzierung

Alle Berufsschulen gegen Hürzeler: Finanz-Hoheit soll nicht an Kanton

rechts: Berufsschulen Lenzburg (oben),  Aarau und Baden (unten).

Dass die Regierung einerseits eine Kantonalisierungs-Absicht dementiere, anderseits aber den Schulen die Finanzhoheit entziehen wolle, sei «irreführend», sagen die Rektoren der Berufsschulen.

rechts: Berufsschulen Lenzburg (oben), Aarau und Baden (unten).

Bildungsdirektor Alex Hürzeler will die Finanzströme der Berufschulen in die Hände des Kantons geben. Doch die dreizehn Aargauer Berufsfachschulen lassen die Kritik an ihrem Finanzhaushalt nicht gelten. Die Schulen setzen auf Autonomie.

Anfang April hat Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Vorlage «Steuerung und Finanzierung der nichtkantonalen, subventionierten Berufsfachschulen» in die Anhörung geschickt. Hinter dem komplizierten Titel verbirgt sich die Absicht des Kantons, die Finanzströme der Berufsschulen in die eigenen Hände zu nehmen und die Rechnungslegung zu vereinheitlichen.

Insbesondere will er die Beiträge, welche die Wohnortsgemeinden der Lernenden an die Schulen zu entrichten haben, selber festlegen – und zwar einheitlich. Von einer «Kantonalisierung» könne aber keine Rede sein, so Alex Hürzeler bei der Präsentation der Anhörungsvorlage. Die Kompetenzen der Schulvorstände, in welchen die Gemeinden und die Berufsverbände eine wichtige Rolle spielen, blieben unangetastet.

Wohnortsbeiträge als Knacknuss

«Berufsbildung Aargau», der Zusammenschluss der Rektoren aller kaufmännischen und gewerblich-industriellen Berufsschulen im Aargau, hat die Anhörungsfragen gemeinsam beantwortet und zudem ein geharnischtes «Positionspapier» verfasst. Dass die Regierung einerseits eine Kantonalisierungs-Absicht dementiere, anderseits aber den Schulen die Finanzhoheit entziehen wolle, sei «irreführend», heisst es in dem Papier. «Die Festlegung der Wohnortsbeiträge durch den Kanton kommt einer finanziellen Kantonalisierung gleich.»

Die Gesamtbeurteilung fällt vernichtend aus. «Die Folgen der Revision sind: Schwächung der erfolgreichen Berufsbildung, unnötiger Eingriff in die Gemeindeautonomie und Aufblähung der kantonalen Verwaltung. Das heutige System ist ein Erfolgsmodell. Die aargauischen Berufsschulen gehören zu den besten der Schweiz. Ihr Erfolg in der Bildungsqualität und der Infrastruktur basiert auf ihrer Autonomie.» Dank dieser Autonomie könnten die Schulen «optimal auf die Bedürfnisse der beruflichen Bildung eingehen».

Die Rektoren wehren sich vehement gegen unterschwellige Vorwürfe, sie würden mit dem Geld nicht haushälterisch umgehen: «Die durchschnittlichen Kosten der aargauischen Berufsbildung liegen unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt», heisst es in dem Papier. Und sogleich wird der Spiess umgedreht: Der Kanton habe vom Bund mehr Geld für die Berufsbildung bekommen, dieses aber nicht vollumfänglich an die Schulen weitergeleitet.

Alle ziehen am gleichen Strick

«Dieser geschlossene Widerstand ist eine starke Botschaft, wir hoffen, dass sie gehört wird!» freut sich Ruedi Suter, Rektor der erst kürzlich mit einem Schweizer Schulpreis ausgezeichneten Berufsschule Lenzburg.

Dass die Rektoren der grossen Berufsschulen in Aarau, Baden oder Lenzburg gegen die Gesetzesrevision antreten würden, haben sie bereits öffentlich kundgetan. Bei den mittleren und kleineren Schulen war man nicht sicher: Begrüssen sie vielleicht die angebotene «Hilfe» und die Vereinheitlichungsabsicht des Kantons? Seit gestern ist klar: Man spricht mit einer Stimme, keiner schert aus.

Ruedi Suter: «Sicher hat es im bestehenden Modell Verbesserungspotenzial. Aber das soll man gezielt angehen und deswegen nicht das ganze System über Bord werfen.

Roger Meier, Rektor der Berufsschule Zofingen, bestätigt: «Unsere Schule bietet zum Beispiel Ausbildungen für kleine Berufsfelder an. Wir haben immer wieder Anfragen von ausserkantonalen Schulen, ob sie sich bei uns anschliessen können. Wir regeln das praxisnah und unbürokratisch. Wir haben Angst, dass in der neuen Bürokratie vieles nicht mehr möglich wäre.»

TeleM1-Beitrag vom 3. April 2014:

Berufsfachschulen: Die Finanzierung ist Bildungsdirektor Alex Hürzeler wenig transparent

Berufsfachschulen: Die Finanzierung ist Bildungsdirektor Alex Hürzeler wenig transparent

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