Volksschule
Alle Aargauer Schüler haben einen Lehrer – aber nicht alle Lehrer ein Diplom

Alle 71500 Aargauer Schulkinder trafen beim ersten Schultag gestern in ihren Schulzimmern auf eine Lehrperson. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Rund acht Prozent der Lehrpersonen verfügen nicht über ein stufengerechtes Diplom.

Aline Wüst
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Die Sechstklässler an der Schule Möriken-Wildegg freuen sich darüber, dass sie noch ein Jahr länger Zeit haben, um sich auf die Oberstufe vorzubereiten.

Die Sechstklässler an der Schule Möriken-Wildegg freuen sich darüber, dass sie noch ein Jahr länger Zeit haben, um sich auf die Oberstufe vorzubereiten.

Chris Iseli

Die Pausenglocke im Schulhaus von Möriken-Wildegg übertönt alles. Auch einen Regierungsrat. Pausieren will Alex Hürzeler aber nicht. Schliesslich gibt es an der Medienkonferenz zum Schuljahresbeginn viel zu sagen: 71 500 Schüler starteten am Montag in ein neues Schuljahr und fast 30 Prozent aller Schulkinder haben eine andere Muttersprache als Deutsch.

Die Schüler werden von insgesamt 8100 Lehrpersonen unterrichtet. Eine von zehn Lehrpersonen kommt aus dem Ausland, die meisten aus Deutschland.

Hürzeler versicherte, dass alle Schüler an ihrem ersten Schultag auf einen Lehrer getroffen seien. 8 Prozent aller Lehrer hätten allerdings kein stufengerechtes Diplom. Darunter ist beispielsweise eine Lehrerin mit Primarlehrerdiplom, die an der Oberstufe unterrichtet.

6100 Kinder traten gestern in die neue 6. Primarklasse ein. Bildungsdirektor Hürzeler spricht von einem historischen Moment in der Aargauer Volksschule. «Dieser Systemwechsel tönt jetzt vielleicht einfach. Aber das war eine Herkules-Aufgabe.»

Die Schulen hätten diese Herausforderung bravourös angepackt. «Jetzt muss es noch umgesetzt werden.» Damit die Schulen das tun können, versprach Hürzeler eine Zeit der Ruhe.

Der Regierungsrat hat in seiner Leistungsanalyse ausserdem festgehalten, keine Projekte anzugehen, deren Finanzierung nicht gesichert sei. Deshalb wird auch die Neuorganisation des Instrumentalunterrichts gestrichen, die Optimierung der Führungsstrukturen sistiert und die Einführung des Lehrplans 21 auf frühestens Schuljahr 2020/21 verschoben.

Weniger Schulabgänger

Leicht gesunken ist die Zahl der Schulabgänger. 6040 Jugendliche haben sich für eine Berufslehre entschieden. Erneut zugenommen hat die Anzahl Jugendlicher, die sich für einen Beruf im Gesundheits- und Sozialbereich entschieden hat. Es sind genau 999.

Dass es im Aargau zu viele Jugendliche gebe, die sich nach der Volksschule für die Kanti entscheiden, und zu wenige, die eine Lehre machen, davon will Alex Hürzeler nichts wissen. «Wir sind im Aargau sehr gut aufgestellt bei Berufsbildung und Mittelschule.»

Ausserdem habe der Aargau eine sehr tiefe Maturitätsquote. Ohne Anschlusslösung sind im Aargau bloss 83 Jugendliche geblieben.