Wohlen

Alkoholisierter griff Grossrat Harry Lütolf an: Gibt es nun ein «Hotel Suff» für den Aargau?

Der CVP-Grossrat Harry Lütolf wurde am Wohler Bahnhof Opfer eines Angriffs.

Der CVP-Grossrat Harry Lütolf wurde am Wohler Bahnhof Opfer eines Angriffs.

Der CVP-Grossrat Harry Lütolf wurde Ende September beim Plakatieren verprügelt. Weil der Kanton Aargau für solche Fälle über keine Ausnüchterungszellen verfügt, wurde der Täter nach Hause gebracht. Nach dem Vorfall will Lütolf nun Antworten zum Umgang mit alkoholisierten Tätern.

Faustschläge ins Gesicht und Tritte über die Gürtellinie kassierte der CVP-Grossrat Harry Lütolf, als er Ende September am Bahnhof Wohlen Wahlplakate aufhängte. Lütolf konnte sich reflexartig wegdrehen: «Sonst hätte er mir wohl die Nase gebrochen und die Zähne ausgeschlagen.» Die Polizei konnte den Angreifer anhalten. Gegenüber Lütolf sagten die Polizisten, sie brächten den alkoholisierten Mann nach Hause, der Kanton Aargau verfüge für solche Fälle über keine Ausnüchterungszellen.

Aufgrund seiner Erfahrungen befürchtet Lütolf, dass bei der Kapo Aargau ein Logistikdefizit besteht. Das Polizeigesetz halte nämlich fest, dass Personen in Gewahrsam genommen werden können, «die sich in einem Zustand befinden, in dem sie für sich oder andere eine ernsthafte Gefährdung darstellen oder öffentliches Ärgernis erregen».

In einer Interpellation stellt er dem Regierungsrat zusammen mit seinem Wohler Ratskollegen Roland Vogt (SVP) zahlreiche Fragen. Sie wollen wissen, wie häufig es 2019 zu ähnlichen Vorfällen mit berauschten Tätern kam und wie häufig solche Personen in Gewahrsam genommen wurden.

Ausnüchterungszellen könnten Spitäler entlasten

Sie fragen erneut, ob im Aargau tatsächlich keine Ausnüchterungszellen zur Verfügung stünden, und falls dem so sei, warum es so sei. Die beiden Grossräte halten fest, dass viele Straftäter zum Zeitpunkt der Verhaftung unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stünden. Sie wollen wissen, wohin die Polizei solche Täter bringe.

Lütolf und Vogt verweisen in ihrem Vorstoss auch auf das Angebot der Stadt Zürich. Dort gibt es seit 2010 Ausnüchterungszellen. Besser bekannt sind sie unter dem Namen «Hotel Suff». Dort landet, wer in der Stadt sich selbst oder andere unter Einfluss von Alkohol oder Drogen gefährdet. Die Grossräte interessiert, wie die Regierung solche Einrichtungen beurteile.

Im Visier haben sie auch die Spitäler, in denen immer wieder renitente und berauschte Straftäter landen. Sie fragen, ob sich der Regierungsrat vorstellen könne, diese «Dienstleistung» der Spitäler auszulagern und die Verantwortung stattdessen der Polizei oder einer privaten Organisation anzuvertrauen. Als mögliche Standorte für die Ausnüchterungszellen führen sie das neue Polizeigebäude der Kapo im Aarauer Telli-Quartier oder das Zentralgefängnis Lenzburg ins Feld.

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