Pisa-Studie
Alex Hürzeler, wieso sind die Aargauer Schüler schlechter geworden?

Bildungsdirektor Alex Hürzeler reagiert gelassen auf die Pisa-Ergebnisse. Diese seien immer eine Momentaufnahme. Trotzdem fordert er mehr Unterrichtsqualität. Und er will den Fokus vermehrt auf die starken Schüler legen.

Fabian Hägler
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Alex Hürzeler: «Die Schule Aargau bekennt sich ausdrücklich zur Leistung, dies muss aber künftig noch stärker als bisher auch gelebt werden.»

Alex Hürzeler: «Die Schule Aargau bekennt sich ausdrücklich zur Leistung, dies muss aber künftig noch stärker als bisher auch gelebt werden.»

André Albrecht

2009 wurde Alex Hürzeler (SVP) in den Regierungsrat gewählt. Im selben Jahr nahm der Aargau zum dritten Mal an den Pisa-Tests teil. 2011 konnte der neue Bildungsdirektor erfreuliche Resultate des Leistungstests verkünden. Heute, nach gut vier Jahren im Amt, muss Hürzeler einen Rückschritt zur Kenntnis nehmen.

Herr Hürzeler, wie erklären Sie sich, dass die Pisa-Resultate 2012 im Aargau unter den Erwartungen des Bildungsdepartements liegen?

Alex Hürzeler: Dafür gibt es keine einfache Erklärung, es gab zwischen 2009 und 2012 weder Sparmassnahmen noch neue Veränderungen im Schulsystem, die eine solche Entwicklung erklärbar machen würden. Bei den letzten Pisa-Tests waren wir in einigen Bereichen an der Spitze, deshalb waren auch die Erwartungen entsprechend hoch, und wir sind nun etwas ernüchtert.

Im langjährigen Vergleich seit 2002 sind die Ergebnisse der Aargauer Schüler schlechter geworden – was läuft falsch in der Volksschule?

Pisa ist immer eine Momentaufnahme, im Jahr 2009 waren die Ergebnisse im Aargau zum Beispiel sehr gut. Dies war damals kein Anlass für uns, die Hände in den Schoss zu legen. Ebenso wenig ist das Ergebnis von 2012 nun ein Grund, in Panik zu verfallen und überstürzt zu reagieren. Es ist aber möglich, dass wir die Ausbildungsangebote anpassen und den Einsatz der Lehrmittel überdenken werden.

PISA-Studie 2012: Entwicklung leistungsstarke und leistungsschwache Schüler in der Mathematik.

PISA-Studie 2012: Entwicklung leistungsstarke und leistungsschwache Schüler in der Mathematik.

Aargauer Zeitung

Dennoch muss die Entwicklung zu denken geben: Seit 2003 hat sich der Anteil leistungsschwacher Schüler deutlich erhöht, jener der leistungsstarken ist klar gesunken.

Mir macht vor allem der Rückgang bei den starken Schülerinnen und Schülern Sorgen. Künftig wollen wir den Fokus deshalb vermehrt auf diese Gruppe legen. Es ist wichtig, dass auch die starken Schülerinnen und Schüler genügend gefördert und gefordert werden. Die Schule Aargau bekennt sich ausdrücklich zur Leistung, dies muss aber künftig noch stärker als bisher auch gelebt werden.

Wie wollen Sie erreichen, dass die Aargauer Schüler bei Pisa-Tests künftig wieder besser abschneiden?

Nach vielen Strukturreformen in der Schule Aargau wollen wir in den nächsten Jahren stärker auf die Schulqualität fokussieren. Durch die Einführung von vierkantonalen Tests werden die Schülerinnen und Schüler auf die Aufgabenstellung solcher Tests auch besser vorbereitet. Davon versprechen wir uns eine Verbesserung, ohne die Schülerinnen und Schüler ausschliesslich auf die Tests hin zu «trimmen».

Das Bildungsdepartement will mit den Schulen zusammen «den Fokus auf die Schulqualität legen» – was heisst das konkret? Muss die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen verbessert werden?

Mit der Verschiebung der Einführung des Lehrplans 21 im Aargau haben wir etwas mehr Zeit gewonnen, um Ursachen für die Pisa-Resultate zu finden und die nötigen Schlüsse zu ziehen. Welche Massnahmen konkret nötig sind, werden wir mit den einzelnen Schulen vor Ort besprechen. Sicher ist, dass die Schule Aargau noch Potenzial bei der Unterrichtsqualität hat.

Wegen der Sparmassnahmen im Bildungsbereich befürchten Lehrer einen weiteren Qualitätsverlust – wie wollen Sie dies verhindern?

Die Sparmassnahmen haben keinen Einfluss auf den Unterricht, dessen Qualität wird nicht geschwächt. Wohl wird bei einigen Angeboten für leistungsschwache Jugendliche gespart, zudem wird die Mindestklassengrösse von 12 auf 15 Schüler angehoben – aber andererseits werden auch jährlich mehr Zusatzlektionen für sozial belastete Gemeinden bewilligt.