Der Kanton Aargau sieht bei der Umsetzung der Mundart-Initiative und der Anpassung des Schulgesetzes eine Übergangsfrist bis Sommer 2019 vor. Das hat er heute bekannt gegeben. Dann müssen Lehrpersonen im Kindergarten Mundart beherrschen. Können sie diese Kompetenz nicht nachweisen, verlieren sie ihre Jobs auf Anfang Schuljahr 2019/2020. 

Doch was genau ist unter Mundart zu verstehen? Der Aargauer Bildungsminister Alex Hürzeler spricht davon, dass die Mundart-Initiative «pragmatisch» umgesetzt werden soll und gibt eine konkrete Antwort. «Wir sehen vor, dass Dialekte aus dem alemannischen Sprachraum – ich denke an Baden-Württemberg, an Liechtenstein – sollen den Schweizer Dialekten gleichgestellt werden», sagt er in unaufgeregtem Ton gegenüber Radio Argovia. Das heisst: Spricht eine Kindergärtnerin keine Schweizer Mundart, aber einen alemannischen Dialekt, soll sie nicht um ihren Job bangen müssen.

Die Übergangslösung schlägt der Kanton wegen solchen Lehrpersonen vor, die noch keine geforderte Mundart beherrschen. Laut Hürzeler gebe es Rückmeldungen aus einzelnen Gemeinden am Rhein, sprich in Grenznähe Deutschland. «Dort besteht tatsächlich die Problematik», sagt er.

Gemäss Kantonsangaben sind im Aargau zurzeit 59 Ausländerinnen oder Ausländer als Kindergarten-Lehrpersonen angestellt, 36 davon sind Deutsche. Wie viele Kindergarten-Lehrpersonen heute noch keine Mundart beherrschen und denen damit vier Jahre Zeit für das Erlernen bleibt, ist unklar. «Das wissen wir weiterhin nicht exakt», sagt Hürzeler. 

In bestimmten Situationen kann auch nach der Übergangsregelung Hochdeutsch gesprochen werden. Hürzeler nennt als Beispiele für diese «speziellen Sprachanwendungen» und «Versli oder Lieder». Auch im Förderunterricht «Deutsch als Zweitsprache» soll wie heute schon Hochdeutsch gesprochen werden können. 

Ausserdem nimmt der Kanton die Gesetzesänderung zum Anlass, dass auch in der Primarschule, wo grundsätzlich die Standardsprache Unterrichtssprache ist, Sequenzen in Mundart möglich sein sollen. Heute ist das bereits so im Lehrplan geregelt.

So wolle man fördern, so Hürzeler weiter gegenüber Radio Argovia, dass Mundart in der Schule im Kanton Aargau «wirklich wieder Platz hat». Das gebe eine Bereicherung für die Schüler, egal welcher Muttersprache sie mächtig sind.

Grund für den Mundart-Zwang ist, dass das Aargauer Stimmvolk vor einem Jahr der Volksinitiative «Ja zu Mundart im Kindergarten» vor einem Jahr mit rund 55 Prozent Ja-Stimmen angenommen hatte. (pz)