Invasive Art

Alarm im Aargau: Wo die Schwarzmeergrundel auftaucht, stirbt heimische Fischwelt aus

Grundeln, hier eine mit den charakteristischen Glupschaugen und breitem Maul, verbreiten sich rasend schnell – nicht nur im Rhein bei Basel. Shutterstock

Grundeln, hier eine mit den charakteristischen Glupschaugen und breitem Maul, verbreiten sich rasend schnell – nicht nur im Rhein bei Basel. Shutterstock

Vor sieben Jahren war die Schwarzmeergrundel in der Schweiz unbekannt. Doch seither hat dieser wohl mit Frachtschiffen eingeschleppte Eindringling den Rhein in Basel erobert. Drei von vier Fischen, die dort aus dem Rhein gezogen werden, sind Grundeln. Jetzt stossen sie in den Aargau vor. Kann man sie noch stoppen? Und wie?

Unlängst warnte der Kanton öffentlich vor der Schwarzmeergrundel, die via Basler Hafen den Rhein hinauf in aargauische Gewässer einzuwandern droht. Der kantonale Fischereisachbearbeiter Christian Tesini: «Die Fischer dort fangen fast nichts anderes mehr.» Kurt Braun, Präsident des Aargauischen Fischereiverbandes, beobachtet dasselbe: «Auf einen Quadratmeter Wasserfläche kommen inzwischen lokal schon 50 Stück und mehr dieser gefrässigen Grundeln. Wir wissen das so genau, weil unser Verband eine Aussenzählung finanziert.»

Schwarzmeergrundeln am Basler Birsköpfli.

Schwarzmeergrundeln am Basler Birsköpfli.

Der wohl über die Schifffahrt eingeschleppte Fisch frisst den Laich heimischer Fische und schadet vorab Forellen- und Äschen-Beständen. Spezialist Tesini warnt Fischer dringend davor, gefangene Schwarzmeergrundeln als Köderfische einzusetzen: «Wenn man das tut und sie in einem Gewässer entwischen, in dem sie bisher nicht waren, verbreiten sie sich zulasten heimischer Fischarten extrem rasch!»

Hürde Rheinfelden genommen

Inzwischen hat die Grundel die Kraftwerkshürde in Rheinfelden überwunden. Noch Anfang Juni hatte es geheissen, das sei noch nicht geschehen. Braun seufzt. Ja, in Rheinfelden habe man die Fischdurchlässigkeit erfreulicherweise massiv verbessern können, aber: «Bei einer besseren Vernetzung kommen halt auch die unerwünschten Fische durch.»

Jetzt hoffen die Spezialisten, die Grundel am Kraftwerk Säckingen auf Höhe von Stein (Aargau) zu stoppen. Grundeln sind nämlich schlechte Schwimmer. Sie haben Mühe mit Fischtreppen wie jener in Säckingen. Man überlege nun, ob Grundeln mit Sperren von den heimischen Fischen separiert, oder auf der Fischtreppe via Video erkannt und gezielt abgefischt werden können, so Tesini.

Boote vor Weiterfahrt reinigen

Damit sei aber noch keine Gewähr gegeben, sagt Braun, denn Grundeln kleben ihren Laich auch an Schiffsrümpfe: «Die transportieren diesen Fisch dann ungewollt nach oben in weitere Gewässer.» Um das zu verhindern, müsste man bei der Staustufe, die die Grundeln bisher noch nicht überwunden haben, Boote eigentlich aus dem Wasser holen, sie reinigen und so lange trocknen lassen, bis der Laich abgetötet wird. Erst dann sollte man das Boot wieder zu Wasser lassen.

Gibt es keine natürliche Lösung, einen Fressfeind etwa? Zander würden Grundeln fressen, sagt Braun: «Aber auch er gehört nicht in unsere Fauna und Flora, obwohl er ein guter Speisefisch wäre.» Deutschland hat weniger Berührungsängste. In Waldshut etwa setze man Zander aus, so Braun.

Ein ähnliches Problem wie mit der Grundel haben die Fischer mit dem Wels: «Er frisst alles, was er erwischt, und verbreitet sich rasch. Wir grenzen ihn ein, indem wir ihn gezielt befischen. Natürlich ist er auch ein guter Speisefisch.» Auf die Grundel gibt es aber noch keine Antwort. Braun warnt: «Die Zeit läuft uns davon.»

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