Patrick Hämmerli steht über seinen Laptop gebeugt in der Notrufzentrale der Kantonspolizei Aargau. An der Wand vor ihm springt die digitale Anzeige von 13.29 auf 13.30 Uhr. Eine Sirene beginnt vom Dach des Telli-Hochhauses zu heulen, das Geräusch dringt nur leise durch die dreifachverglasten Fenster des Gebäudes ins Innere der Zentrale. Grösseren Lärm verursachen die Smartphones der Polizisten, die wegen der «Alertswiss»-App ebenfalls Sirenengeräusche von sich geben: «Alarm für den Kanton Aargau: Sirenentest, keine Gefahr», steht in der Push-Benachrichtigung. 

Auf dem Laptop-Bildschirm tauchen auf einer Karte derweil kleine, grüne Punkte auf und bilden wenig später zusammen die Form des Kantons Aargau. «Die Punkte markieren all jene Sirenen, die funktioniert haben», erklärt Hämmerli. Er ist Fachspezialist Technik beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS) und im Aargau für die jährlichen Sirenentests verantwortlich, die jeweils am ersten Mittwoch im Februar durchgeführt werden. 

Sirenen werden doppelt geprüft 

Es gibt keinen grossen, roten Knopf, den Patrick Hämmerli dafür drücken muss. Auch kein Passwort oder Schlüssel ist notwendig, um den Alarm auszulösen. Das Programm auf dem Laptop hat er bereits um 13 Uhr vorbereitet und terminiert, eine halbe Stunde später geht das Heulen automatisch los. Auch die Rückmeldungen kommen automatisch rein. Doch ganz auf die Technik will er sich trotzdem nicht verlassen: Neben der Analyse des Programms erhält Patrick Hämmerli auch von Personen vor Ort eine Rückmeldung darüber, ob die Sirenen funktionstüchtig sind. 

Im Kanton gibt es insgesamt 362 stationäre. «Bei jeder dieser Sirenen steht jemand, um sie um 13.55 Uhr ein zweites Mal manuell auszulösen», so Hämmerli. Dies seien meistens Zivilschutzmitarbeiter, oder, wenn sich eine Sirene beispielsweise auf einem Schulhaus oder einem anderen, grösseren Gebäude befindet, der jeweilige Abwart. Auch alle mobilen Sirenen werden getestet, kantonsweit gibt es 250 davon. Die Verantwortlichen der mobilen Anlagen haben eine bestimmte Strecke, die sie im Notfall abfahren müssen. So werden auch diejenigen Teile des Kantons abgedeckt, an denen die festen Sirenen zu weit entfernt sind, um gehört zu werden. 

Neues System eingeführt 

Das Programm, das Hämmerli für den Test verwendet, wird dieses Jahr zum ersten Mal eingesetzt. Es handelt sich um ein schweizweit einheitliches System, wodurch die Tests nun in allen Kantonen über dasselbe Programm laufen.

Laut Michael Wernli, Leiter Sektion Koordination Zivilschutz beim DGS, ist die Kommunikation im Ernstfall dadurch einfacher. «Und wir können mehrere Zielgruppen gleichzeitig erreichen», so Wernli.

Denn während bisher nur die Sirenen eingesetzt wurden, kann das Programm verschiedene Informationskanäle bespielen – so beispielsweise die «Alertswiss»-App, die dieses Jahr ebenfalls erstmals zum Einsatz kommt. «Aber auch Twitter, Facebook oder Anzeigetafeln an Bahnhöfen und in Bussen könnten künftige Optionen sein», sagt Wernli. 

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Anlagen funktionstüchtig 

Während des Sirenentests bleibt es in der kantonalen Notrufzentrale relativ ruhig, Patrick Hämmerli muss keine grösseren Störungen entgegennehmen. Bevor die letzte Sirene verstummt, kann er denn auch schon ein erstes Fazit ziehen: «Ich bin sehr zufrieden.» Dies bestätigt wenig später der Kanton in einer Medienmitteilung. «Die anlässlich des Sirenentests überprüften Sirenenanlagen im Aargau waren funktionstüchtig», heisst es darin. Von den insgesamt über 600 Anlagen seien nur vereinzelte, geringfügige Fehlermeldungen eingegangen – die Aargauer Anlagen sind im Ernstfall also einsatzfähig.