Atomenergie
AKW Beznau drei Monate vom Netz – Greenpeace stellt neue Forderung

Bei einer Kontrolle des Reaktor-Druckbehälters wurden Schwachstellen entdeckt, der erste Block bleibt bis Ende Oktober ausser Betrieb. Mitte August wird auch der zweite Reaktor abgeschaltet – dies verursacht Kosten von 50 Millionen Franken.

Fabian Hägler
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AKW Beznau I und II mit den beiden Reaktorblöcken (Archivbild).

AKW Beznau I und II mit den beiden Reaktorblöcken (Archivbild).

Keystone

Ursprünglich sollte die Revision des ersten Reaktorblocks im ältesten Atomkraftwerk der Welt, das AKW Beznau, von März bis Juli dauern. Doch im Mai zeigte sich: Der neue Deckel passte nicht auf den Druckbehälter, die Betreiberfirma Axpo rechnete damals mit einer Verzögerung von rund zwei Wochen.

Doch nun bleibt der Reaktor bis Ende Oktober ausgeschaltet. Grund dafür sind Unregelmässigkeiten im Material des Druckbehälters, die laut Mitteilung der Axpo bei einer Ultraschall-Kontrolle festgestellt wurden.

Ob es sich bei den Unregelmässigkeiten um Lufteinschlüsse, Verunreinigungen oder Materialveränderungen handelt, ist noch offen.

Die Verantwortlichen des Kraftwerks gehen aber davon aus, dass die Schwachstellen bereits bei der Herstellung des rund 10 Meter hohen und 18 Zentimeter dicken Druckbehälters vor mehr als 45 Jahren entstanden sind.

50 Millionen Franken Schaden

Inzwischen hat die Axpo die Atomaufsichtsbehörde informiert, beim eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi wurde ein vorläufiger Messbericht eingereicht.

«Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse bestehen aus unserer Sicht keine Vorbehalte für einen weiteren sicheren Betrieb von Block 1», schreibt die Axpo in ihrer Mitteilung. Dennoch bleibt der Reaktor vom Netz, bis das Ensi grünes Licht für die Wieder-Inbetriebnahme gibt.

Auch der zweite Reaktorblock soll in den nächsten Wochen auf mögliche Unregelmässigkeiten geprüft werden. Deshalb wird er früher vom Netz genommen als ursprünglich geplant.

Bereits ab Mitte August dürften beide Reaktoren in Beznau abgeschaltet sein. Das Atomkraftwerk wird also wochenlang keinen Strom produzieren – mit entsprechenden finanziellen Folgen.

«Mit der Verlängerung der Revision werden Kosten von bis zu 50 Millionen entstehen», sagt Axpo-Mediensprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage.

Dies einerseits durch die aufwändigen Abklärungen und andererseits durch den Ausfall der Einnahmen aus dem Stromverkauf.

Greenpeace fordert, Block 2 vom Netz zu nehmen

Greenpeace bezeichnet die Schwachstellen als besorgniserregend. Zudem behauptet die Organisation, es sei nur ein Teil des Reaktorbehälters geprüft worden. Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla widerspricht: «Natürlich wurde der ganze Behälter einer Prüfung unterzogen.»

Er weist auch die Greenpeace-Forderung zurück, den zweiten Reaktor sofort vom Netz zu nehmen. «Der Reaktorbehälter von Block 2 hat Sicherheitsmargen, welche den Betrieb ohne Vorbehalte erlauben.» Ob dies zutrifft, will das Ensi bis in einer Woche prüfen.

Demonstration beim AKW Beznau: Greenpeace-Aktivisten fordern am 5. März 2014 die Stilllegung:

Im März 2014 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten beim AKW Beznau.
12 Bilder
Zwei Männer bohrten insgesamt 15 Löcher in die Betonhülle des Sicherheitsgebäudes des AKW Beznau II.
AKW-Stilllegung gefordert: Greenpeace-Aktivisten demonstrieren in Beznau
Die Greenpeace-Aktivisten dringen auf das AKW-Gelände ein.
Am Morgen früh stürmen die Aktivisten Beznau.
Banner hoch auf dem Reaktor.
Die Kantonspolizei im Einsatz
Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert im März beim AKW Beznau

Im März 2014 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten beim AKW Beznau.

Michael Würtenberg/Ex-Press

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