Interview

AKB-Präsident Dieter Widmer: «Gebühren sind immer ein Thema»

Dieter Widmer, Direktionspräsident der AKB.

Dieter Widmer, Direktionspräsident der AKB.

Tiefe Zinsen, neue Gebühren für die Kontoführung und kostenlose Schalterbezüge – das sagt AKB-Direktionspräsident Dieter Widmer dazu.

Dieser Mann scheint keine Geheimnisse zu haben. Dieter Widmer, Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank, empfängt den Interviewer mitten in der Lounge des Kundenbereichs der frisch renovierten Filiale des Regionalsitzes in Rheinfelden. Mit Rheinfelden sind nun 13 von 32 Niederlassungen digital aufgerüstet und den Bedürfnissen der Kunden angepasst worden.

Warum braucht es überhaupt noch Filialen?

Dieter Widmer: Banking ist ein Vertrauensgeschäft. Vertrauen in die Institution, aber insbesondere in die Menschen, die dort arbeiten. Es gibt nach wie vor viele Kunden, die persönliche Beratung schätzen und ihr Geld lieber am Schalter beziehen als am Bankomat.

Wirklich?

Ja, die Zahl der Schalterbezüge ist zwar rückläufig, aber es gibt sie noch. Wir erachten es als eine unserer Aufgaben, die Menschen dort abzuholen, wo sie in ihrer digitalen Entwicklung stehen, sie anzusprechen und zu helfen. Wir begrüssen die Menschen beim Hereinkommen und klären ihre Bedürfnisse. So erklären wir ihnen auch den Umgang mit E-Banking, unsere Mobile-App sowie weitere digitale Dienstleistungen. Am Ende entscheidet immer der Kunde, über welchen Kanal – digital oder analog – er seine Bankgeschäfte tätigen will.

Sie sind durch Neo-Banken wie Revolut unter Druck geraten. Da läuft alles digital, fast alles gratis.

Natürlich ist das eine Entwicklung, die einen Einfluss hat. Aber viele Menschen sind sich der Risiken schlicht noch nicht bewusst, die es zum Beispiel mit sich bringt, wenn man sein Geld bei einer Bank mit Lizenz in Lettland (eine Anspielung auf Revolut, Anm. d. Red.) deponiert. Im Übrigen ist Revolut noch immer nicht profitabel und die Zusatzdienstleistungen der Kreditkarten von Schweizer Banken fehlen grösstenteils.

Wie behalten Sie die Konkurrenz im Auge? Haben Sie selbst ein Revolut-Konto?

Nein, wir verfolgen unser Marktumfeld engmaschig, das gehört zu unserem Job. Wir erfahren viel durch unsere Kunden.

Aber bei Ihnen kostet die Kontoführung.

Nicht bei einem reinen Sparkonto. Für ein Privatkonto zahlen Sie neu unabhängig vom Kontostand ab Anfang 2020 vier Franken pro Monat, dafür sind Dienstleistungen wie die Kreditkarte günstiger. Und wer weitere Geschäfte mit uns tätigt und zum Beispiel eine Hypothek in Anspruch nimmt, ein Wertschriftendepot führt und E-Banking nutzt, für den fallen die Gebühren komplett weg.

Neue Gebühren also?

Nur für gewisse Kunden ist diese Gebühr neu. Aber die Zinsmargen, die einst ermöglichten, dass wir solche Dienstleistungen gratis anbieten, sind zusammengebrochen. Die Gebühren decken nur einen Bruchteil der Kosten, die durch die Nullzinsen entstehen. Wenn beispielsweise jemand mit 100 000 Franken auf dem Konto 4 Franken pro Monat zahlt, dann kostet ihn das weniger als ein Promille. Insgesamt wird die neue Lösung für die Kunden günstiger, das heisst die AKB verdient weniger. Profiteure sind diejenigen, die mit uns eine Hauptbankbeziehung pflegen.

Uns haben Leser geschrieben, Sie hätten auf Anfang Dezember die Courtagen (Handelsgebühr) auf Aktiengeschäften von 5 auf 25 Franken erhöht. Stimmt das?

Wir haben per 1. Januar 2019 unser Dienstleistungsangebot im Anlagegeschäft ausgebaut und die Courtagen angepasst. Wir kosten aber halb so viel wie die meisten Anbieter im Markt. Natürlich sind Gebühren generell immer ein Thema, vor allem dort, wo Menschen manuell eingreifen müssen.

Wie bei Schalterzahlungen. Warum kosten die nichts?

Weil sie für viele unserer Kunden immer noch wichtig sind. Sie sind zwar im einstelligen Prozentbereich rückläufig, aber wir möchten die Menschen nicht ausschliessen, die so Zahlungen abwickeln möchten.

Wie lange wird es eigentlich noch Bargeld geben? Schweden und andere Länder funktionieren heute praktisch ohne Cash.

Wir stellen fest, dass Bankomat-Bezüge immer noch zunehmen. Und wir gehen davon aus, dass das noch eine Weile so bleiben wird. Noch stärker als die Bankomat-Bezüge wachsen übrigens die digitalen Zahlungen, sei es E-Banking oder Mobile Payment (Apple Pay oder Twint; Anm. d. Red.), die wachsen im zweistelligen Bereich.

Trotz tieferer Zinsmargen schreiben Sie immer noch Millionengewinne. Dank der neuen Gebühren?

Wir arbeiten hart dafür. Und es ist nicht unser Ziel, die Negativzinsen mit Gebühren zu kompensieren. Aber man darf nicht vergessen, dass die Kontoführung auch eine Systemleistung braucht und dieses System muss betrieben werden. Das kostet.

Filialschliessungen bei anderen Banken gaben zuletzt zu reden. Sie haben dieses Jahr in Spreitenbach eine Niederlassung neu eröffnet. Wie kommt das?

Wir analysieren den Markt fortlaufend. Die Filiale in Spreitenbach eröffnet uns neue Potenziale im Limmattal. Eine physische Niederlassung ist nach wie vor ein ganz wichtiger Einstiegspunkt für neue Kunden.

Geschieht das nicht mehrheitlich online?

Noch immer kommen weit mehr als 95 Prozent der Kunden für eine Konteneröffnung persönlich vorbei. So lange es dieses Bedürfnis gibt, werden wir auch weiter in unser Filialnetzwerk investieren. Wir haben 2019 sieben Millionen ausgegeben, um unsere Filialen aufzurüsten. Noch etwas mehr floss in die Digitalisierung, wenn man alle Posten zusammenzählt.

Planen Sie gar, das Filialnetz auszubauen?

Nein, vorerst nicht. Aber wir überprüfen die Potenziale laufend. Ein Abbau ist nicht geplant.

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