Aargauische Kantonalbank

AKB-Chef zum Jubiläum: «Wir nehmen bedeutende Mittel in die Hände»

Rudolf Dellenbach, Chef der Aargauischen Kantonalbank

Rudolf Dellenbach, Chef der Aargauischen Kantonalbank

Rudolf Dellenbach, der Chef der Aargauischen Kantonalbank erklärt, was die Bevölkerung im Jubiläumsjahr alles erwartet und dass die Bank trotz ihrer 100 Jahre jung gehalten werde.

Die Aargauer Zeitung trifft Rudolf Dellenbach, Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB), kurz vor Weihnachten in seinem Büro in Aarau zum Interview. Der Anlass: Kurz nach den Festtagen beginnt das Jubiläumsjahr. Die AKB ist seit hundert Jahren eine Staatsbank; zuvor gehörte die 1854 gegründete «Aargauische Bank» nur zur Hälfte dem Kanton. Dellenbach will im stark umkämpften Regionalbankenmarkt Aargau 2013 Nähe demonstrieren. Zu diesem Zweck stehen mehrere öffentliche Anlässe auf der Festagenda.

Die AKB feiert Jubiläum. Wie rüstig ist die Hundertjährige?

Rudolf Dellenbach: Ein Mensch ist mit hundert Jahren gewaltig alt. Eine Bank aber wird von vielen Menschen, die über Generationen die Verantwortung in einer Art Stafettenlauf weitergeben, jung gehalten. Wenn ein Unternehmen seine Kultur immer wieder den neuen Gegebenheiten anpasst, bleibt es ewig jung.

Was macht die Unternehmenskultur der AKB aus?

Es ist gleichzeitig eine leistungsbezogene und menschenorientierte Kultur. Dieser Spagat verlangt viel, sowohl von der Unternehmensführung als auch von den Mitarbeitenden. Ich glaube, das gelingt uns sehr gut. Das spüren vor allem jene Mitarbeitenden, die von den Grossbanken zu uns kommen.

Wie schlug sich das letztes Jahr finanziell nieder? 2011 hatten Sie ein Rekordjahr.

2012 wird ebenfalls ein hervorragendes Jahr. Leicht unter dem Erfolg von 2011, aber über dem Budget.

Im soeben angefangenen Jubiläumsjahr sind Sie wohl besonders gefordert.

Ich sags mal so: Für das Jubiläumsjahr nehmen wir bewusst zusätzliche bedeutende Mittel für Aktivitäten in die Hände. Hinzu kommen die extrem tiefen Zinsen. Festhypotheken zu höheren Zinsen, die jetzt fällig und zu bedeutend tieferen Konditionen verlängert werden, führen zu deutlich weniger Einnahmen. Wenn wir dieses Jahr das Ergebnis von 2012 erreichen können, sind wir schon sehr zufrieden.

Wieso schenken Sie Ihren Kunden zum Jubiläum kein spezielles Produkt, zum Beispiel ein Sparkonto mit besonders vorteilhaften Konditionen?

Wir erreichen mit den geplanten Jubiläumsaktivitäten sehr viele Kunden. Über einen Vorschlag wie den Ihren haben wir uns Gedanken gemacht; wie so etwas umgesetzt werden könnte, ist noch nicht entschieden. Das hängt auch davon ab, ob der Neugeldzufluss wie im vergangenen Jahr erfolgen wird.

Alle Banken erzählen, dass sie mehr Kundengelder erhalten.

Es geht um Sicherheit. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten neigen Anleger dazu, ihr Geld möglichst sicheren Finanzinstituten anzuvertrauen. Dazu gehört die AKB. Mit unserem Triple-A-Rating sind wir eine erstklassige Adresse. Aufgrund unseres hohen Neugeldzuflusses nehmen wir aber beispielsweise auch von Schweizer Grosskonzernen nur noch Gelder entgegen, wenn wir sie mindestens über mehrere Monate anlegen können.

Am Schluss des Jubiläumsjahrs soll jede Aargauerin und jeder Aargauer die AKB kennen. Ein hehres Ziel.

Heute sind wir bei einem Bekanntheitsgrad von 81Prozent. Die AKB ist die mit Abstand bekannteste Bank im Aargau, das erheben wir repräsentativ. 100Prozent werden wir aber nie erreichen.

Ihr Jubiläumsmotto heisst «100 Jahre nahe». Mit Kundennähe trumpft jede regional tätige Bank auf. Wie heben Sie sich ab?

Mit einer überzeugenden Leistung, sehr viel Vertrauen, einer starken Eigenkapitalisierung und einer TopBedienung unserer Kunden. Raiffeisen und Postfinance strahlen genauso viel Sicherheit aus. Die «Hypi» Lenzburg und die Clientis-Banken sind lokal sehr stark. Wir müssen einfach besser sein.

Oder schneller? Die «Hypi» Lenzburg expandierte sofort ins Oberwynental, als Valiant sich aus Menziken zurückzog.

Valiant ist keine Konkurrenz für uns...

…sondern ein Übernahmekandidat? Die Fusionsgespräche mit der Berner Kantonalbank wurden abgebrochen.

Eine überwiesene Motion verbietet uns neue Beteiligungen ohne Zustimmung durch den Grossen Rat. Valiant ist deshalb kein Thema für uns.

Wie wollen Sie weiterwachsen?

Es gibt kaum eine andere Kantonalbank mit einer so starken regionalen Konkurrenz wie wir im Aargau. Die NAB, die sehr starke Raiffeisengruppe und wir bewegen uns bei einem Marktanteil von je 30Prozent. Wir wachsen punktuell, aktuell etwa mit neuen Filialen in Fislisbach und Oberentfelden. Solche Regionen haben heute fünfstellige Einwohnerzahlen, sodass es sich für uns lohnt, präsent zu sein. Nach Olten sind wir bereits vorgestossen. Der Kanton Solothurn hat keine Kantonalbank, allenfalls wäre deshalb eine Expansion nach Westen für uns interessant.

Nah beim Kunden ist man mit einem guten Raumkonzept. Wie sieht die ideale Bankfiliale aus?

Wir haben uns entschieden, nach wie vor bediente Banken zu bauen, keine reinen Beraterbanken ohne Kassenschrank. Die nächsten zwanzig Jahre werden unsere Kunden noch an den Schalter gehen. Erst dann wird die Generation E-Banking entscheidend.

Wie gedenken Sie diese Generation moderner Kunden mit dem Jubiläumsprogramm abzuholen?

Mit dem «Roadrunner» und den Konzerten für Jung und Alt.

Die Grossräte des Kantons, der ja Ihr Eigentümer ist, speisen Sie mit Wurst und Brot ab.

Wurst und Brot ist bodenständig und schweizerisch – das passt zu allen Festen! Der Anlass soll locker daherkommen.

Sollten Sie das Jubiläumsjahr nicht für eine Leistungsschau auch im Parlament nutzen?

Diese Kompetenz liegt weniger bei der Geschäftsleitung als beim Bankrat. Wir machen das Business, und was wir dem Kanton abliefern, ist gewaltig. Die öffentliche Hand profitierte 2011 insgesamt von 180 Millionen Franken. Davon wurden mit 100 Millionen Franken die Eigenmittel aufgestockt, 64 Millionen Franken betrug die Gewinnablieferung, der Rest verteilte sich auf die Abgeltung der Staatsgarantie, die Verzinsung des Dotationskapitals sowie die Gemeindesteuern.

Wird das Ihrer Ansicht nach von den Politikern zu wenig honoriert?

Das kann ich nicht beurteilen. Die meisten Parteien sehen wohl, dass wir hervorragend arbeiten. Für gewisse politische Vorstösse gibt es andere Gründe.

Welche?

Das müssen Sie die Politiker fragen. Sind wir im ausgesprochen liberalen Kanton Aargau eine zu starke Staatsbank geworden? Die Diskussion um eine Privatisierung ist nur sistiert, nicht etwa vom Tisch.

2013 wagt wohl kein Politiker einen neuen Anlauf.

Ja, ich gehe davon aus, dass das Jubiläumsjahr respektiert wird.

Werden wir im Jubiläumsjahr die Zinswende erleben?

Nein. Solang die Staatsverschuldung in Europa und Amerika nicht bereinigt ist, gehts kaum in die andere Richtung. Das ist gut für unsere Hypothekarschuldner.

Und für die AKB als Gläubigerin?

Die Zinswende würde uns helfen. Fällige tiefe Festzinshypotheken würden in höhere gewandelt. Nur steigt damit das Risiko für Ausfälle.

Wie viele Hypothekarschuldner könnten ihrer Verpflichtung nicht mehr nachkommen?

Bei uns dürfen maximal 35Prozent des Einkommens für die Liegenschaft verwendet werden. Bei der Tragbarkeitsrechnung gehen wir von 5Prozent Zins aus. Die Maximalbelehnung beträgt grundsätzlich 80Prozent. Wir hatten schon immer eine vorsichtige Politik.

Kann die AKB vom Zinsgeschäft überhaupt noch leben?

Natürlich. Es macht immer noch mehr als 70Prozent unserer Erträge aus. Ein anderes Geschäftsmodell fährt unter anderem die Zürcher Kantonalbank. Sie profitierte von einem wesentlich grösseren Handelsertrag. Aber das ist ein sehr volatiles Geschäft.

Würde es Sie nicht manchmal reizen?

Nein, ich bin ein klarer Regionalbanker. Deshalb bin ich auch bei einer Kantonalbank. Ich bin stolz, ein Kantonalbänkler zu sein.

2015 werden Sie pensioniert. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?

Die Finanzkrise hat uns zwar geholfen, aber vor allem machen in dieser Bank alle einen ganz tollen Job. Sämtliche Mitarbeitende der AKB sind extrem stolz, der Zusammenhalt ist sehr stark. Das ist unser Erfolgsgeheimnis.

Wie belohnen Sie Ihre Mitarbeiter?

Nicht nur mit Geld. Zum Beispiel hat jeder im Jubiläumsjahr an seinem Geburtstag frei. Letztes Jahr gabs für alle ein 20er-Goldvreneli, als wir die 20-Milliarden-Marke bei der Bilanzsumme geknackt hatten. Im Jubiläumsjahr richten wir zusätzlich ein grosses Personalfest aus.

Das senkt Ihre Fluktuationsrate wohl gegen null.

Das ist nicht unser Ziel. Wir sagen unseren Lehrlingen, sie sollen die Welt kennenlernen. Wenn Sie auf ihren Wanderjahren zum Schluss kommen, dass ihr damaliger Arbeitgeber die beste Bank ist, dann kommen sie zurück. Wir vergessen sie nicht – sie stehen alle in unserer Kartei.

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