Umfrage

AHV-Abstimmung: Warum der Aargau laut Prognosen anders stimmt als die Schweiz

Im Aargau könnte es zu einem Nein bei der AHV-Abstimmung kommen

Im Aargau könnte es zu einem Nein bei der AHV-Abstimmung kommen

Wenn am 24. September bei der AHV-Abstimmung ein knappes Ja resultiert, erwartet Politologe Lukas Golder im Kanton Aargau ein Nein.

«Die Umfrage von Tamedia ist besorgniserregend und zeigt es ganz klar: Der Aargau wird im Abstimmungskampf zur Rentenreform aufgrund des Ständemehrs zum Schlüsselkanton.» Dies schrieb Gewerkschaftssekretärin und SP-Grossrätin Viviane Hösli vom Komitee «Ja zur Rentenreform im Aargau» nach einer ersten Umfrage zur Renten-Abstimmung vom 24. September. Inzwischen ist auch eine Umfrage des Forschungsinstituts GfS Bern bekannt, die – wäre zum Zeitpunkt der Befragung abgestimmt worden – ein knappes Ja erwarten lässt.
Eine Untersuchung des Politologen Lukas Golder von GfS Bern ergibt, «dass der Aargau im ablehnenden Lager erwartet wird, sofern gesamtschweizerisch ein knappes Ja resultiert, wie es sich derzeit abzeichnet», so Golder zur AZ.

Aufschlussreich ist die GfS-Umfrage auch betreffend Parteibindung der Befragten: Sie orientieren sich bei diesem Urnengang stark an von ihnen favorisierten Parteien. Demnach zeichnet sich bei Sympathisanten von SVP und FDP ein klares Nein ab, bei Anhängern von SP, Grünen und CVP ein klares Ja. Rechnet man dies auf die Stimmenanteile der Parteien bei den Nationalratswahlen 2015 um, spricht dies für die Erwartung von Lukas Golder. Im Kanton Aargau erhielten damals nämlich SVP (38 Prozent) und FDP (15 Prozent) zusammen 53 Prozent aller abgegebenen Wählerstimmen.

Pfisterer: Kann in Nein kippen

FDP-Präsident Lukas Pfisterer liest aus der ersten GfS-Umfrage eine Tendenz zum Ja ab, das aber auch noch ins Nein kippen könne. Die erste Tamedia-Umfrage zeige jedoch ein Nein zur Reform. Er stelle fest, sagt er, dass die Ablehnung wachse, je höher der Wissensstand über den Inhalt der Vorlage sei. Er setzt sich für eine Ablehnung ein: «Das Ziel, AHV und berufliche Vorsorge auch für die Zukunft auf gesunde Beine zu stellen, ist zwar absolut richtig und sogar dringend nötig. Meines Erachtens ist die getroffene Reform aber bloss eine Scheinlösung für kurze Zeit. Die Jungen bekommen damit höhere Lohnabzüge, bezahlen eine höhere Mehrwertsteuer und erhalten am Schluss womöglich trotzdem eine kleinere AHV. Auch die bereits Pensionierten müssen mehr bezahlen, haben aber nichts davon.» Die FDP Aargau hat gestern Abend an ihrem Parteitag in Stein die Parolen zur Reform und zum zugehörigen Finanzierungsbeschluss gefasst. Wie sich zuvor schon abzeichnete, gab es zwei klare Nein.

Binder: Viel Zustimmung

Ganz anders argumentiert CVP-Präsidentin Marianne Binder: «Unsere Sozialwerke geraten ohne Sanierung in enorme Schieflage. Trotzdem wurden in den letzten Jahren die Reformen abgelehnt. Damit die jetzige mehrheitsfähig wird, befürworten wir den vorliegenden Kompromiss. Alle Beteiligten mussten von Maximalforderungen abweichen. Dass die Gegner auf diesen beharren, ist schlicht fahrlässig.» Die CVP hat den Lead im überparteilichen bürgerlichen Ja-Komitee. Binder: «Allein dieses Komitee plant etwa 30 Aktionen, hat einen Flyer produziert, organisiert Podien, schaltet Testimonial-inserate usw.» Man setze stark auf das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern, nicht nur in den Städten, auch auf dem Land. Bei Verteilaktionen erfahre sie viel Zustimmung. Ein älteres Ehepaar sagte ihr: «Unsere Generation hat diese Sozialwerke aufgebaut – auch für unsere Kinder und Enkel. Wir stimmen sicher Ja.» Wenn die Gegner behaupten, man könne husch, husch eine neue Vorlage basteln, dann träumten sie, so Binder: «Mir ist schleierhaft, wie Juso und politische Rechte einen besseren Kompromiss finden sollen, wenn der jetzige breit abgelehnt wird.» Der CVP-Parteitag fasste gestern Abend in Rheinfelden mit 69:1 bzw. 65:3 zwei klare Ja-Parolen.

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