Praxen-Schliessung

Ärzteverband fordert nach «MeinArzt»-Debakel: Praxis soll dem Arzt gehören

Hausarzt-Mangel: Sieben Arztpraxen schliessen im Aargau

Hausarzt-Mangel: Sieben Arztpraxen schliessen im Aargau

Der Aargauische Ärzteverband reagiert mit Forderungen auf die «MeinArzt»-Praxisschliessungen. Fremdinvestoren im Gesundheitswesen seien gefährlich, Arztpraxen müssten in ärztlicher Hand sein.

Die plötzliche Schliessung fast aller Aargauer Praxen der Kette «MeinArzt» kam für die Patienten völlig überraschend. Nicht aber für den Aargauischen Ärzteverband, der offensichtlich mit so etwas gerechnet hat. Das schrieb Verbandspräsident Jürg Lareida am Freitag ganz explizit in einer Stellungnahme. Man sei besorgt: «Es zeigt sich, dass Fremdinvestoren im Gesundheitswesen gefährlich sind und dass Arztpraxen in ärztlicher Hand sein müssen.»

Lareida sagt auf Anfrage, der Ärzteverband habe seit längerer Zeit ein Auge auf verschiedene investorgeführte Praxen. «Bisher hatten wir keine Beweise, dass etwas krummlaufen würde.» Der Verband fordert nun, dass der Kanton Verantwortung übernimmt und «dass die Bewilligungen besser abgeklärt werden».

Der Kanton stelle zwar Berufsausübungsbewilligungen aus, jedoch keine Betriebsbewilligungen, erklärt Lareida. «Somit kann eine Praxis eröffnet werden, sobald eine Berufsausübungsbewilligung besteht.» Der Kanton habe das Problem jedoch erkannt und werde im Rahmen der sogenannten Gesundheitspolitischen Gesamtplanung Lösungen aufzeigen, ergänzt Lareida.

Eine schärfere Bewilligungspraxis ändert aber nichts an der Tatsache, dass es zu wenige Ärzte – gerade Hausärzte – gibt; im Gegenteil. Ein Hausarzt im Pensionsalter, der seine Praxis in neue Hände legen will, sucht im Aargau oft jahrelang nach einem Nachfolger. Deshalb war das Übernahmeangebot von «Mein Arzt» gerade auch für diese älteren Ärzte verlockend.

Der Aargauische Ärzteverband nimmt deshalb den Bund in die Pflicht: Es müssten «endlich mehr Mediziner ausgebildet werden», so Lareida. «Was bisher gemacht wurde, ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Mehr als 50 Prozent der jährlich erteilten Facharzttitel gehen an ausländische Ärzte.»

Der Verband fordert ausserdem, «dass die Bedingungen für die Ärzte in freier Praxis verbessert und nicht wie in den letzten Jahrzehnten weiter verschlechtert werden». Als negative Beispiele führt Jürg Lareida die beiden substanziellen Tarifeingriffe des Bundes an: «Der erste ging im Wesentlichen zu Lasten der Grundversorger. Der zweite hat insbesondere die nicht invasiv tätigen Spezialisten getroffen, welche nicht zu den Grossverdienern gehören. Staatliche Eingriffe in den Tarif sind schädlich und deshalb zu vermeiden», fordert der Ärzteverbandspräsident.

Schockierte Patienten: Sechs weitere Arztpraxen per sofort geschlossen

Schockierte Patienten: Sechs weitere Arztpraxen per sofort geschlossen (Beitrag vom 3. September)

  

«Heute ist es nicht attraktiv, eine Praxis zu eröffnen»

Wie könnte die Situation der Ärzte im Kanton Aargau konkret verbessert werden? Lareida: «Da die Krankenversicherer die Taxpunktwertdiskussion seit Jahren blockieren, nimmt die Kaufkraft der Ärzte kontinuierlich ab.

Aktuell ist die Situation im Aargau derart, dass es nicht mehr attraktiv ist, eine Praxis zu eröffnen. Das unternehmerische Risiko ist zu gross.» Der Bund müsse das neue Tarif- modell «Tardoc» nun schnellstmöglich in Kraft setzen.

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