Käthy Farziew-Loosli möchte wissen, was der Flurname Chiembergmatt bedeutet. Ein erster Blick auf die Lage der Flur und das Alter des Namens liefert Erkenntnisse für einen möglichen Deutungsansatz. Die Chiembergmatt liegt in Erlinsbach an der Grenze zur solothurnischen Gemeinde Kienberg. Der Name scheint jedoch nicht geläufig zu sein. Es findet sich einzig auf der jüngsten Landeskarte ein Eintrag – und Frau Farziew-Loosli kennt ihn natürlich. Trotz der nur wenigen Nachweise ist es aber gut möglich, dass es sich um einen alten Namen handeln könnte.

Ungenaue Schreibungen

Dass der Name älteren Ursprungs sein könnte, verrät die Schreibung des ersten Namenteils. Es heisst nämlich «Chiem», obwohl dem Namen eigentlich das schweizerdeutsche Wort «Chien» zugrunde liegt. Weil «n» und «m» in der Aussprache nahe beieinander liegen, konnte diese Verwechslung in Zeiten ohne Rechtschreibung ohne weiteres geschehen. Man schrieb einfach so, wie man den Namen hörte. 1485 ist «am Kymberg» in Füllinsdorf BL für ein Landstück belegt, das heute auch Chienberg heisst, 1467 wird auch der Sissacher Chienberg noch «uff kiemberg» geschrieben und in Gelterkinden wird der Name «Chienberg» noch heute als «Chiemprg» ausgesprochen. Weitere historische Belege zeigen gar Schreibungen wie «Chüe» oder «Küen», jedoch liegt nie ein Bezug zur Kuh oder zum Adjektiv kühn vor.

«Chien» bezeichnet das harzreiche Holz der Waldföhre (Pinus silvestris). Als noch keine Elektrizität die Nacht erhellte, dienten Chienspäne als Lichtquellen und Anfeuermaterial. Chienberg oder auch Kienberg, so wie sich der solothurnische Ort heute schreibt, bedeutet also der mit Föhren bestandene Berg. In der näheren Umgebung der Chiembergmatt in Erlinsbach findet sich jedoch keine Flur oder kein Berg namens Chienberg. Damit ist klar, dass die Chiembergmatt aufgrund ihrer nahen Lage zweifelsfrei in Verbindung mit dem alten Adelsgeschlecht beziehungsweise mit der Ortschaft Kienberg gebracht werden muss.

Die Herren von Kienberg

Noch lange bevor die Franzosen im Zuge der Nachwehen der Französischen Revolution die alte Eidgenossenschaft regelrecht durchpflügten und neu ordneten, übten im Mittelalter die Herren von Kienberg die hohe Gerichtsbarkeit über Erlinsbach und Teilen von Küttigen aus.

Die Burgruine Königstein ist auch heute noch eine stumme Zeugin der einstigen Herrschaft durch Ritter Jakob von Kienberg. Mitte des 14. Jahrhunderts traten die von Kienberg ihre Rechte und Güter ans Kloster Königsfelden in Windisch ab.

Im Jahre 1417 gelangte die hohe Gerichtsbarkeit an die Stadt Aarau und schliesslich an die Johanniter-Kommende Biberstein. Gedeutet wird der Name «Chiemberg» also entweder als das Mattland, das an der Grenze zu Kienberg liegt oder sich im Besitz der Adligen von Kienberg befindet. Eine präzisere Deutung ist ohne historische Belege nicht möglich. Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, müsste wie Goethe «mehr Licht» gefordert werden. Dazu reicht aber das wohlig knisternde und flackernde Licht einer harzigen Chienfackel nicht aus.