A3/Lenzburg
Acht Meter Abstand bei 120 km/h: Autobahn-Drängler vor Bundesgericht abgeblitzt

Ein Autofahrer wehrt sich erfolglos gegen die Verurteilung wegen zu nahem Auffahren auf der Autobahn. Das wird nicht nur teuer. Damit ist er auch seinen Führerausweis los.

Philipp Zimmermann
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Der Drängler fuhr einen Kilometer lang zu nah auf das Fahrzeug vor ihm auf. (Symbolbild)

Der Drängler fuhr einen Kilometer lang zu nah auf das Fahrzeug vor ihm auf. (Symbolbild)

Thinkstock

Mit einem Abstand von acht bis zwölf Meter folgte folgte ein Autofahrer auf der Überholspur der Autobahn A3 im Bezirk Lenzburg einem anderen Fahrzeug. Und das rund einen Kilometer lang, bei Tempo 120. Doch Lenker müssen auch bei überraschendem Bremsen des Fahrzeugs vor ihnen rechtzeitig halten können. Beim Bemessen des Mindestabstands wird jeweils die "1/6-Tacho"-Regel herangezogen. Wobei die Umstände berücksichtigt werden müssen. In diesem Fall betrug der Abstand somit 20 Meter, was 0,6 Sekunden entspricht.

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte den Drängler im Mai 2016 zu einer bedingten Geldstrafe von 900 Franken (30 Tagessätze à 30 Franken) sowie zu einer Busse von 225 Franken. Schwerer wog die Verurteilung wegen grober Verkehrsregelverletzung. Diese hat nämlich nicht nur einen Eintrag im Strafregister zur Folge, sondern auch den Entzug des Führerausweises für drei Monate, im Wiederholungsfall länger.

Vor dem Aargauer Obergericht unterlag der Drängler mit seiner Berufung. Vor Bundesgericht, ohne juristische Vertretung, verlangt er mit einer Beschwerde, das Urteil aufzuheben. Er rügt die Mindestabstandsregel. Deren Einhaltung sei bei starkem Verkehr auf Autobahnen nicht praktikabel. Die acht bis zwölf Meter Abstand, die er einhielt, beurteilt er als "genügend". Weil viele Autofahrer einen solchen Abstand einhalten würden, spricht er von "Gewohnheitsrecht".

Hohe Gerichtskosten

Die Richter in Lausanne haben seine Beschwerde allerdings abgewiesen und ihm die Gerichtskosten von 2000 Franken auferlegt. Der Beschwerdeführer lege keine Gründe dar, wieso die Mindestabstandsregel nicht mehr zeitgemäss sein soll.

Und: "Er verkennt, dass ein genügender Sicherheitsabstand grundsätzlich erst bei 'halbem Tacho' oder 'Zwei-Sekunden' vorliegt, was ungefähr der Anhaltestrecke bei einem plötzlichen ordnungsgemässen Bremsen und Anhalten des vorausfahrenden Personenwagens entspricht." Der vom Beschwerdeführer eingehaltene Abstand von unter einer Sekunde ermögliche dagegen keine angemessene Reaktionszeit.

Dass viele Lenker heute die Mindestabstände nicht einhalten, führe nicht dazu, "dass kraft Gewohnheitsrecht geringere Abstandsregeln gelten". Ob ein starkes Verkehrsaufkommen allenfalls geringere Abstände rechtfertigen, sei in diesem Fall nicht zu beurteilen. Das Aargauer Obergericht als Vorinstanz wie auch der Beschwerdeführer hatten selbst festgestellt, dass in besagtem Fall kein dichter Verkehr herrschte.

Urteil: 6B_1375/2016