Leserwandern

Abzockerdebatte beim Aussichtsturm auf der 17. Etappe

Es geht auch ohne Regen: Die zweite Etappe durch den Kanton Aargau führte die 120 Leserwanderer von Elfingen nach Mönthal. Mit dabei waren auch zwei SP-Nationalräte und Landammann Alex Hürzeler.

Nein, es wurde nicht ausschliesslich politisiert zwischen Elfingen und Mönthal im Fricktal. «Ich bin in erster Linie zum Wandern da», sagt Landammann Alex Hürzeler mit fast drohendem Unterton zu Beginn der Tour.

Den SVP-Lokalmatador aus Oeschgen lockt der Turm. Oben auf dem 700 Meter hohen Cheisacher steht unübersehbar diese originelle, 24 Meter hohe Holzkonstruktion. An sichtigen Tagen kann man von dort die Alpenkette erspähen.

Den Weitblick Richtung Rhein und Deutschland machte sich die Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg zunutze. Der aus militärischen Gründen ausgehöhlte Berg ruft unweigerlich das ausgeklügelte Abwehrdispositiv von General Guisan in Erinnerung.

Tempi passati. Der Aargauer SP-Nationalrat Max Chopard spricht lieber über die Frontlinien von heute - womit wir doch bei der Politik sind. Zuerst die Abzocker-Initiative, dann die 1:12-Vorlage und schliesslich die Abstimmung über Mindestlöhne.

«Es geht um Gerechtigkeit, es geht um einen sozialen Kampf», sagt Chopard. Der Gewerkschafter redet sich Rage - und verbreitet Zuversicht. «Ich bin überzeugt, dass viele Gewerbler bei der 1:12-Initiative insgeheim auf unserer Seite stehen werden.»

Willkommensapéro in Mönthal

Die kleinen und mittleren Betriebe hätten nichts zu befürchten. Die übertriebenen Löhne bezahlten andere.

Cédric Wermuth freut sich derweil über die Nervosität im gegnerischen Lager. «Jetzt haben die Abzocker den Gewerbeverband vorgeschoben, damit sie sich selber nicht für ihre Millionengehälter rechtfertigen müssen.»

Der SP-Politiker kündigt an: «Wir werden uns direkt an jene wenden, die solche Löhne einsacken.»

Nachdem Landammann Hürzeler den spektakulären Aussichtsturm inspiziert hatte, stellte auch er sich der Lohndiskussion: Das Anliegen der Jungsozialisten sei ihm eigentlich sympathisch. Als Aargauer Regierungsrat verdiene er knapp 300 000 Franken brutto. «Das ist ein sehr guter Lohn.» Und dennoch wenig im Vergleich zu den «Abzockern» in der Privatwirtschaft, wendet ein Leserwanderer ein.

«Da haben Sie recht», sagt der SVP-Mann. «Es gibt Leute mit weniger Verantwortung als ich, die mehr verdienen.» Dennoch sei die 1:12-Initiative der falsche Weg. «Es existieren viele Möglichkeiten, die Lohnbestimmungen zu umgehen.»

Die Leute werden enttäuscht sein. Einem weiteren Leserwanderer, der die Diskussion verfolgt hat, ist das egal. «Ich will ein Zeichen setzen.»

Die Diskussion wird jäh von Sylvia Hochstrasser unterbrochen. Die charmante Wanderleiterin hat Wissenswertes zu Möhlin und Umgebung auf Lager. Man hört gern zu. Ihre Geschichten zu Land und Leute, Flora und Fauna sind kurzweilig.

So macht wandern Spass. Kontroverse Gespräche, Aussichtstürme und spannende Informationshäppchen. Zum Abschluss offeriert die Gemeinde Mönthal Wienerli und Bier. Auch das lassen wir uns gern bieten.

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