Herr Leuthard, das neue Energiegesetz ist jetzt in der Anhörung. Demnach wird von jemandem, der bei einem Neubau die Forderung nach einer minimalen erneuerbaren Eigenstromerzeugung nicht erfüllen kann, eine Ersatzabgabe verlangt. Um wie viel geht es da?

Werner Leuthard: Für ein Einfamilienhaus beläuft sich der Betrag auf rund 2000 Franken. Die Ersatzabgabe orientiert sich an den nichtamortisierbaren Kosten der Photovoltaik. Sie werden an die Marktverhältnisse, das heisst Investitionskosten und Strompreise angepasst. Weil die Investitionskosten noch weiter sinken, die Strompreise längerfristig aber zunehmen werden, wird der Betrag in Zukunft eher tiefer als höher ausfallen.

Ist so eine Ersatzabgabe überhaupt fair, wenn ein Gebäude an einem schattigen Ort gebaut wird? Da muss man gar einen Nachweis führen, dass eine Solaranlage keinen Sinn macht. Wird da nicht eine enorme Bürokratie aufgebaut?

Zuerst ist festzuhalten, dass die Ersatzabgabe keine Strafe ist. Mit ihr kann sichergestellt werden, dass die vorgesehene Produktion an einem günstigeren Ort erfolgt. Gerade ohne Ersatzabgabe würde der administrative Aufwand gross werden.

Viele Eigentümer würden versuchen, sich ohne grosse Erfolgschance von der Ersatzabgabe zu befreien. Der Kanton Aargau will aber eine pragmatische Umsetzung. Der Weg über eine Ersatzabgabe soll ohne grosse Hürden unbürokratisch möglich sein.

Die Regierung schlägt für bestehende Bauten keine Pflicht für eine verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung (VHKA) vor. Was heisst das für Mieter?

Eine VHKA-Pflicht für bestehende Gebäude hat der Kanton in der Vergangenheit abgelehnt und führt sie auch jetzt nicht ein. Bei wesentlichen Umbauten besteht allerdings eine Pflicht dazu. Für Mieter in einem Mehrfamilienhaus mit VHKA ändert sich nichts.

In neuen Gebäuden besteht eine Ausrüstungspflicht nur für Warmwasser. Aufgrund der guten Dämmung ist der Nutzen einer individuellen Heizkostenabrechnung nicht mehr so gross und wird deshalb aus dem Gesetz gestrichen.

Wenn jemand eine Ölheizung durch eine Ölheizung ersetzen will, kann er das künftig noch. Er muss aber mindestens 10 Prozent erneuerbar produzieren. Und belegen, dass es nichts Effizienteres gibt. Gibt es Erfahrungswerte, was die Leute dann wählen?

Eine Umfrage in der Stadt Zürich im letzten Jahr hat ergeben, dass 84 Prozent der Gebäudeeigentümer beim letzten Heizungsersatz wiederum ein fossiles System gewählt haben. Dabei sind erneuerbare Lösungen über die Lebensdauer betrachtet oft preiswerter. Uns ist es wichtig, dass Alternativen abgeklärt werden und die Gebäudeeigentümer aufgrund von Fakten die richtige Entscheidung fällen können.

Von links wird die Forderung kommen, in Neubauten und beim Heizungsersatz Ölheizungen zu verbieten. Warum schlägt die Regierung das nicht vor?

Im Planungsbericht energieAARGAU aus dem Jahre 2015 wird festgelegt, dass der CO2-Ausstoss im Gebäudebereich bis 2035 gegenüber 2010 um 50 Prozent reduziert werden soll. Dieses Ziel wollen wir erreichen. Dazu bildet diese Gesetzesrevision die Grundlage. Ein Ziel, das auch ohne Verbot erreicht werden kann. Für die Gebäudeeigentümer ist es wichtig, dass sie wissen, was auf sie zukommt. Nur so können sie die richtigen Investitionsentscheide fällen. Dieses Gesetz hilft ihnen dabei.

Viele Politiker werden befürchten, dass in der Verordnung noch Verschärfungen kommen. Können Sie solche Befürchtungen zerstreuen?

In der Vernehmlassung wird aufgezeigt, welche Module der Mustervorschriften (MuKEn) der Kanton Aargau umsetzen will und welche nicht. Diese werden entweder in das Energiegesetz oder in die Energieverordnung einfliessen.

Eine Verschärfung über die MuKEn hinaus ist durch den Regierungsrat nicht vorgesehen. Die Entscheidung liegt aber beim Grossen Rat. Diesem werden bei der Gesetzesrevision die wesentlichen Inhalte der Energieverordnung aufgezeigt werden.

Werner Leuthard ist Leiter der Abteilung Energie im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU)