Nach der Abfuhr für die ManagedCare-Vorlage in der Volksabstimmung vom letzten Wochenende ist klar: Integrierte Versorgung, der Beitritt zu Gesundheitsnetzen kann nicht politisch dekretiert werden.

Die Menschen müssen diesen Schritt aus freiem Willen tun. Die Leistungserbringer müssen die «Kunden» und Patienten überzeugen, dass der ungehinderte Austausch von Informationen zwischen allen Akteuren, der aus einer Hand gesteuerte Behandlungsprozess nicht nur Kosten für das «System» spart, sondern auch für sie persönlich Vorteile bringt. Die Zukunft gehört den Gesundheitsnetzen.

Mehr Hausärzte braucht das Land

Zwei Befürchtungen verdunkeln indes diese Zukunft. Erstens: Es hat zu wenig Geld im System. Und zweitens: Es hat zu wenig Akteure, vor allem zu wenig Grundversorger und zu wenig Pflegende.

Eine zentrale Antwort auf diese Herausforderung: Es braucht bessere Bedingungen für den Hausarzt, zum Beispiel durch Anpassung des Tarifsystems Tarmed. Es hat ja nicht zu wenig Ärzte – doch die Mehrheit will Spezialist werden, das ist lukrativer. Anderseits schlucken etwa die Suva oder die Verwaltung Heerscharen von Ärzten. Sie arbeiten dort mit fixen Arbeitszeiten und ohne Risiko.

Rivalitäten mindern das Vertrauen

Eine andere Antwort auf den drohenden Mangel: effizienzsteigernde Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern, Denken für das gesamte System, Anerkennung der Kompetenz des anderen. Die Patienten dürfen nicht durch Rivalitätsdenken verunsichert werden.

Im Aargau schwelt ja immer noch dieser Konflikt: Wer darf Medikamente abgeben, nur die Apotheke oder auch der Arzt in seiner Praxis? An einer Tagung in Lenzburg zeigten sich sowohl Ärzte-Präsident Hans-Ulrich Iselin wie auch Apotheker-Präsident Fabian Vaucher willens, den Konflikt zu überwinden.

Man spürte allerdings, dass das gegenseitige Vertrauen noch ausbaufähig ist. Es geht halt, wie fast überall, ums Geld. Das letzte Wort in dieser Sache hat im Übrigen das Volk, das über zwei Initiativen der zwei Verbände abstimmen muss.

Neue Berufsbilder als Ausweg?

Eine andere Möglichkeit zur Sicherstellung der Versorgung in Zeiten des Grundversorgermangels sind neue Berufsbilder. Die Pflegefachfrau Christiane Schnierl vom Institut für Arbeitsmedizin in Baden stellte in Lenzburg die «Nurse practitioner» vor.

Das Modell gibt es in den USA seit den 70er-Jahren, es hat sich inzwischen auch in Europa etabliert, vor allem in Ländern mit akutem Ärztemangel. Nurse practitioners sind Pflegefachkräfte mit Zusatzausbildung, welche anstelle eines Arztes Beratungen und medizinische Tätigkeiten durchführen.

Sie sollten Akuterfahrung in Notfall, Anästhesie oder Intensivmedizin haben, mindestens 35 Jahre alt sein und 10 Jahre Berufserfahrung mitbringen. In südlichen Ländern, zum Beispiel in Portugal, führen solche Fachkräfte ganze Gesundheitszentren, vor allem auf dem Land.

Sie lösen 80 bis 90 Prozent aller anfallenden Probleme, machen Wundversorgung, geben Medikamente ab. Eine Behandlung kostet nur wenige Euro. Ein Arzt ist einmal pro Woche vor Ort zur Lösung der komplexen Fälle.

Man könne ein solches System aber nicht einfach einführen, betonte Christiane Schnierl: «Es braucht klare Standards in der Ausbildung, klare Abgrenzungen zur ärztlichen Tätigkeit – und ein gerechtes Abgeltungssystem.»

Spitex hilft Kosten sparen

Alt Nationalrätin Doris Stump, Präsidentin von Spitex Aargau, zeigte sich namens ihres Verbandes bereit zur Integration in Netzwerke und zur Übernahme gewisser Zusatzaufgaben. Auch sie warb indes für klare Kompetenzabgrenzungen: «Auch wenn viele das meinen: Wir sind keine Gesellschafterinnen, kein Putzinstitut und kein Taxiunternehmen.»