• 131 Leserwanderer konnte Wanderleiter Walter Jäggi am Bahnhof in Mellikon begrüssen. Entsprechend der grossen Teilnehmerzahl war Jäggi ganz froh, hatte er von Anfang an ein Megafon zur Unterstützung dabei.
  • Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen etwas zu früh mit dem Zug in Mellikon an – und visierten sofort das nahe Restaurant Jägerhof an. Dort verhiess eine Tafel in roten Buchstaben keine guten Neuigkeiten: «Geschlossen». Was die Wanderer noch nicht wussten: «Jägerhof»-Wirt Markus Binder öffnet jeweils um 9 Uhr. Der Gastgeber reagierte gelenk auf die Frühaufsteher und wendete die Tafel kurzerhand ein paar Minuten vor der Zeit unter Szenenapplaus auf ein grünes «Offen». Es dürfte sich ausbezahlt haben: Bis zum Abmarsch lief die Kaffeemaschine ohne Unterbruch.
  • Tagesthema Nummer 1 war natürlich der Entscheid der grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli, bei den Wahlen im Herbst nicht mehr anzutreten und per Ende 2016 ihr Amt zur Verfügung zu stellen (Berichterstattung siehe Seiten 20/21). Kurz vor 9 Uhr traf die Meldung in Mellikon ein. Für «Zeitungswanderer» Fabian Hägler, Aargau-Chef der az, endete die Wanderung damit, bevor sie überhaupt begonnen hatte: Statt durch die kühlen Zurzibieter Wälder zu marschieren, fuhr er sofort zurück nach Aarau und holte am Telefon Reaktionen ein.
  • Bemerkenswert im Zusammenhang mit dem Hochuli-Entscheid war das Fehlen von Robert Obrist. Der Schinznacher Grossrat und Agrar-Ingenieur wurde gestern von seiner Partei als Kandidat für Hochulis Sitz portiert. Obrist ist bekennender Leserwandern-Fan und war auch dieses Jahr in den letzten Wochen ein halbes dutzend Mal dabei. Just gestern jedoch stand er nicht auf der Gästeliste – hatte er schon länger gewusst, dass er an diesem Julidonnerstag anderswo gefragt sein würde?
  • Nach längerer Pause war gestern der älteste Leserwanderer wieder mit dabei: Robert Weber, 87, aus Brugg. Wie man hört, wurde er von einigen Stammwanderern herzlich begrüsst – sie hatten zuletzt befürchtet, er könnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mittun. (rio)

Die gelbe Ikone

Hinter der gelben Ikone steckt helvetischer Perfektionismus in Reinkultur: 68 Seiten umfasst das Handbuch zur «Schweizer Norm 640 829a, Signalisation Langsamverkehr». Darin ist geregelt, was den Wegweiser am Wanderweg überhaupt erst zum Wegweiser macht.
Angefangen bei der Farbe: Gelb RAL 1007. Die Schrift: Astra-Frutiger Standard, Höhe 30 Millimeter, entwickelt vom legendären Schriftgestalter Adrian Frutiger. Schrauben oder Nägel sind unerwünscht und nur an Totholz erlaubt. Auf Baumstämme wird ein gelber Rhombus gemalt.

Mit den Wanderwegen ist die gutschweizerische Präzision bis in das einsamste Waldstück vorgedrungen. Seit 1934 gibt es eine Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege, und seitdem sind die Schilder gelb. Die Vereinigung hat etwa festgelegt, dass der durchschnittliche Wanderer pro Stunde gut 4,2 Kilometer marschiert. So werden die Zeitangaben auf den Wegweisern im flachen Gelände berechnet.

Nicht überall stehen Zeitangaben

Geregelt ist aber auch, wann die «vermutete Wanderzeit» auf dem Schild neben dem Zielort stehen darf: zu Beginn und am Ende einer Route sowie an Zwischenzielen. Bei Verzweigungen werden die Zielorte ohne Zeit aufgeführt. Folgt später eine Routenverzweigung, macht ein Trennstrich darauf aufmerksam. Auf Bahnhöfe, Aussichtspunkte oder Grillplätze wird mit Piktogrammen hingewiesen.

Der Schwierigkeitsgrad eines Weges sollte dank der Signalisation intuitiv ersichtlich sein. Klassische Wanderwege sind gelb markiert, Bergwanderwege weiss-rot-weiss und Alpinwanderwege weiss-blau-weiss. Die Wegkategorien beschreiben den Ausbaugrad des Weges und wie anspruchsvoll dieser für Wanderer ist.

In den meisten Kantonen werden die Wegweiser von ehrenamtlichen Helfern der Wanderweg-Organisationen montiert und instandgehalten, so auch in Aargau, Solothurn und den beiden Basel. Anderswo sind die lokalen Behörden für das Wegnetz verantwortlich. Alle Wanderwege und Wegweiser werden Jahr für Jahr begangen und kontrolliert.

Das Wanderwegnetz in der Schweiz umfasst 65 000 Kilometer mit gut 50 000 Wegweisern. Würde man alle Wanderwege im Land aneinanderreihen, könnte man eineinhalbmal um die Erde wandern.

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