Frankenstärke

ABB verlegt 15 Stellen nach Polen – wie stark ist Turgi betroffen?

Über 1000 Mitarbeitende: Der ABB-Standort Turgi leidet unter dem starken Franken, ist aber nicht in Gefahr.

Über 1000 Mitarbeitende: Der ABB-Standort Turgi leidet unter dem starken Franken, ist aber nicht in Gefahr.

Der Industriekonzern ABB gliedert aus Kostengründen einige Aktivitäten von Turgi aus. Einige Mitarbeiter seien bereits frühpensioniert worden und bis Ende 2017 will der Grosskonzern nämlich beim Personal weltweit eine Milliarde Dollar Kosten einsparen.

Die gestrigen Sonntagszeitungen überboten sich mit Negativschlagzeilen zur Lage der Schweizer Industrie. Kleine und mittlere Unternehmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hätten 2015 bereits 3000 Stellen gestrichen, so der Branchenverband Swissmechanic in der «NZZ am Sonntag».

Bis Ende Jahr, schätzt er, werden bis zu 1500 weitere folgen. Und laut Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktexperte bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, befinden wir uns «in der schlimmen Phase»: «In den nächsten Wochen dürften noch einige Firmen den Abbau von Jobs bekannt geben», prophezeit er im «SonntagsBlick».

ABB hat dies bereits im September getan. Bis Ende 2017 will der Grosskonzern – zusätzlich zum bereits laufenden Sparprogramm – beim Personal weltweit eine Milliarde Dollar Kosten einsparen. Das unter dem Namen «White Collar Productivity» laufende Programm wird die Verwaltung betreffen, unter anderem in der Firmenzentrale in Zürich Oerlikon.

Aber auch die Produktionsstandorte im Aargau müssen Federn lassen, wie der Konzern auf Anfrage bestätigt. Konkret: die Geschäftseinheit Mittelspannungsantriebe am Standort Turgi mit aktuell über 300 Mitarbeitenden. Die Geschäftseinheit müsse sich der schwierigen Lage in den Endmärkten anpassen, «insbesondere den rückgängigen Investitionsvolumen im Bereich Öl und Gas».

Bereits anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen von letzter Woche hatte ABB den konzernweiten Umsatzrückgang teilweise mit schrumpfenden Einnahmen aus der Öl- und Gasbranche erklärt.

Die in Turgi hergestellten Mittelspannungsantriebe regeln mittels Frequenzumrichter die Drehzahl und das Drehmoment von grossen Maschinen und kommen in der gesamten Wertschöpfungskette der Öl- und Gasbranche zum Einsatz: Bei der Förderung, dem Transport und in der Erdölverarbeitung. Den Pumpen vorgelagert sorgen sie etwa für sanfte Drehmomentübergänge und mindern damit die mechanische Belastung der Anlagen.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Das schleppende Öl- und Gasgeschäft ist laut ABB das eine, der starke Schweizer Franken das andere Problem. Die Wechselkursänderung erschwere die Situation zusätzlich: Um «die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäftseinheit am Standort Turgi zu stärken», würden deshalb einige Aktivitäten ausgegliedert.

Zum Zug kommt Polen, wo ABB bereits heute Mittelspannungsantriebe produziert. Welche Tätigkeiten genau ausgelagert werden, gibt der Konzern nicht bekannt. Man kommentiere «unterhalb der Divisionsebene grundsätzlich keine Geschäftsentwicklungen und Anstellungsverhältnisse», so die Medienstelle.

Nur so viel: Betroffen von Ausgliederung seien rund 15 von den über 300 Mitarbeitenden der Geschäftseinheit und man setze sich dafür ein, «dass die Restrukturierungsmassnahmen so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden.»

Die Frage, ob die Zahl der Stellen in Turgi über die 15 von der Ausgliederung betroffenen hinaus reduziert wird, kommentiert ABB nicht. Ein Einstellungsstopp gelte jedenfalls nicht: «In Turgi sind aktuell mehrere Stellen zu besetzen», betont der ABB-Pressesprecher. Der Standort, an dem über alle Geschäftseinheiten zusammengenommen über 1000 Mitarbeitende arbeiten, sei denn auch keineswegs in Gefahr.

Pascal Pfister, Leiter Industrie bei der Unia Region Aargau, bestätigt auf Anfrage, dass in Turgi Arbeitsplätze abgebaut werden. So seien einige Mitarbeiter bereits frühpensioniert worden.

Genaueres zur Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Polen kann aber auch er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen: «Anfang November werden wir uns mit den ABB-Vertretern an einen Tisch setzen, danach wissen wir mehr.»

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