Big Data
ABB treibt Ausbau des Hightech-Rechenzentrums in Lupfig an

Das IT-Unternehmen Green baut die Kapazitäten seines Datencenters in Lupfig aus. Green hat mit dem Energiekonzern ABB eine Vereinbarung unterzeichnet hat. ABB wird einen Grossteil seiner IT-Infrastruktur in das neuste Green-Rechenzentrum verlegen.

Marc Fischer
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IT-Showcase auf der grünen Wiese: Das Green-Datacenter mit ABB-Technologie in Lupfig AG wird ausgebaut.

IT-Showcase auf der grünen Wiese: Das Green-Datacenter mit ABB-Technologie in Lupfig AG wird ausgebaut.

Alex Spichale

In Lupfig AG laufen die Bauarbeiten zur Verdoppelung der Fläche eines der modernsten Rechenzentren der Welt. «Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir so schnell ausbauen müssen», freut sich Franz Grüter, CEO der Betreiberfirma Green (siehe Box).

Green: insgesamt Drei blöcke geplant

ABB wird einen Grossteil seiner IT-Infrastruktur in das Green-Rechenzentrum im aargauischen Lupfig verlegen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte heute die Green-Gruppe mit. Der neue Vertrag baut auf einer bereits bestehenden Partnerschaft der beiden Unternehmen auf: 2012 richtete ABB im Lupfiger Rechenzentrum das weltweit leistungsstärkste Gleichstromverteilungssystem ein. Wegen der Migration der ABB-IT-Infrastruktur nach Lupfig muss das Green-Datacenter erweitert werden. Die Bauarbeiten zur Verdoppelung der Fläche im Green-Datacenter haben im letzten August begonnen, wie Green ebenfalls heute bekannt gab. Damit wird der zweite Block des Datacenter in Lupfig schon zwei Jahre früher als ursprünglich geplant in Angriff genommen. «Bei der Eröffnung von Trakt A vor gut zwei Jahren hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, dass wir so bald schon ausbauen müssen», sagt Franz Grüter, CEO von Green. Insgesamt sind drei Blocks geplant. Auch der zweite Block in Lupfig soll - parallel zu der ebenfalls vorhandenen Wechselstromtechnologie - mit der Gleichstromtechnologie ausgestattet werden. Der Trakt B soll Platz für bis 1500 Server-Raks bieten; seine Eröffnung ist im Oktober 2014 geplant. (FHM)

Auch bei André Schärer beginnen die Augen zu leuchten, wenn das Gespräch auf Rechenzentren kommt. «Nennen Sie mir eine andere Branche, die derart gute Wachstumsaussichten hat», sagte der ABB-Manager letzte Woche im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Bis 2020 werde auf der ganzen Welt rund viermal so viel Rechenleistung benötigt wie heute.

Das sei unter anderem die Nebenerscheinung der Internet-Revolution und der immer stärkeren globalen Durchdringung von Facebook, Google, Apple und Co.: Die Nutzerdaten müssen schliesslich irgendwo gespeichert und verwaltet werden.

Daneben verfüge aber auch die Unternehmenswelt über einen ständig wachsenden Bedarf an Datenspeicherplatz, zum Beispiel wegen Cloud Computing.

Eine Vervierfachung der Kapazitäten in sieben Jahren meint jährliche Wachstumsraten von 22 Prozent. Mit anderen Worten: Hier geht die Post ab und es steht einiges auf dem Spiel. Das will man sich mit unangebrachter Offenheit nicht verscherzen.

«Über aktuelle Projekte bei Rechenzentren können wir nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Kunden sprechen», so Schärer, der bei ABB das globale Rechenzentren-Geschäft für die Konzernsparte Niederspannungssysteme verantwortet.

Die meisten Kunden wollen offensichtlich nicht, dass die Konkurrenz weiss, mit welcher Technologie die Rechenzentren gebaut werden. Immerhin darf man so viel sagen: Die IBM gehört zu Schärers Kunden. Ebenso der Telekomkonzern Swisscom, der derzeit in Bern die grösste Cloud der Schweiz baut.

Gleich viel Strom wie Argentinien

Die riesigen Rechenzentren verschlingen für den Betrieb der endlosen Server-Anlagen Unmengen an Strom. Heute sind es global 80 Millionen Megawatt-Stunden. Das entspricht etwa dem Verbrauch eines Landes in der Grösse von Argentinien.

Dabei geht es nicht nur um sogenannte «Hyperscale Datacenter» wie sie die IT-Giganten Google, Facebook oder Microsoft bauen. Der Experte unterscheidet weiter zwischen Hochleistungs-, Unternehmens- und sogenannten Colocation-Rechenzentren.

Bei Letzteren wird die Datenverwaltung verschiedener Unternehmen, die keine eigene interne Lösung wollen, ausgelagert und gepoolt.

Bereits heute sind die Rechenzentren für 2 Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich. Auch hier prognostizieren Experten bis 2020 eine Vervierfachung.

Und genau hier setzt Schärer ein: «Dank unserer Gleichstromtechnologie können wir die Energieeffizienz um 10 Prozent steigern.» Nimmt man die Effizienzgewinne bei der Kühlleistung dazu, könnte der Strombedarf um bis zu 20 Prozent reduziert werden.

Das zeigen Daten des Green-Rechenzentrums in Lupfig, wo ABB neben der herkömmlichen Wechselstromtechnologie erstmals auch eine Gleichstromtechnologie einbauen konnte (siehe Box «AC/DC im Rechenzentrum»).

AC/DC im Rechenzentrum

Im Green-Datacenter in Lupfig AG wurde erstmals auf der Welt neben der Wechselstromtechnologie (AC) die Gleichstromtechnologie (DC) eingesetzt. Zwar kennt man beide Stromarten seit dem 19. Jahrhundert. Aber im sogenannten Stromkrieg von 1880 zwischen Thomas Edison und George Westinghouse beziehungsweise deren Unternehmen Edison General Electric (heute General Electric) und Westinghouse Electric hatte sich der Wechselstrom durchgesetzt. Die Spannung beim Wechselstrom konnte nämlich einfacher gesteuert werden. Mit dem Aufkommen der kommerziellen Halbleitertechnologie Mitte des 20. Jahrhunderts und der darauf begründenden Leistungselektronik änderte sich dies. Heute kann Gleichstrom problemlos von einer hohen auf eine tiefe Spannung reduziert werden. ABB ist nach eigenen Angaben führend in der Realisierung von Gleichstromprojekten. Gleichstrom biete eine höhere Effizienz, tiefere Investitionskosten und eine hohe Zuverlässigkeit. (FHM)

Der erste Trakt in Lupfig, der seit Mai 2012 in Betrieb ist, wurde zum Showcase für den Energie- und Automationstechnikkonzern. «Seit der Inbetriebnahme kamen Interessierte aus der ganzen Welt, um sich die innovative Lösung anzuschauen», sagt Michael Gabriel, Geschäftsführer von ABB Low Voltage Power in Lenzburg AG.

Die auf Niederspannungssysteme spezialisierte ABB-Einheit baute die gesamte Energieversorgung samt Steuerungs-Komponenten zusammen, mit denen das Rechenzentrum betrieben wird.

«Es war unser erster grosser Gleichstrom-Auftrag für ein Rechenzentrum, entsprechend hoch waren die Herausforderungen», sagt Gabriel rückblickend. Er lässt durchblicken, dass die Realisierung anspruchsvoll für ihn und seine Geschäftseinheit war. Man sei stolz, dass seit der Inbetriebnahme der Anlage alles gut funktioniere.

Der grosse Ansturm auf die Gleichstrom-Technologie im Rechencenterbau ist bisher aber ausgeblieben. Dennoch ist ABB-Manager Schärer überzeugt, dass die Gleichstromtechnologie bei den Rechenzentren künftig vermehrt zur Anwendung kommen wird.

«Die Wechselstromtechnologie ist seit über 100 Jahren im Einsatz und die Industrie zögert noch, weil es sich um etwas vermeintlich Neues handle», so Schärer. Für eine breitere Anwendung müssten noch technische Standards entwickelt werden.

«Die Gleichstromtechnologie wird den Wechselstrom zwar nicht verdrängen, aber in ein paar Jahren eine komplementäre Technologie darstellen», ist Schärer überzeugt. Damit könne sich nicht nur ABB, sondern auch die Schweiz als technologischer Führer beweisen.

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