Bildung
Ab Montag werden Aargauer Schüler wieder unterrichtet – vorerst aus der Ferne

Im Aargau soll ab Montag aus der Ferne unterrichtet werden. Das habe jetzt Priorität, auch wenn die Schulen am 11. Mai wieder öffnen sollen, sagt der Bildungsdirektor.

Eva Berger
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Bildungsdirektor Alex Hürzeler setzt sich für Lösungen bei Maturitäts- und Berufsabschlüssen ein. Bild: Chris Iseli

Bildungsdirektor Alex Hürzeler setzt sich für Lösungen bei Maturitäts- und Berufsabschlüssen ein. Bild: Chris Iseli

Chris Iseli

Am 11. Mai, mit der zweiten Phase der Lockerung der Coronamassnahmen, sollen auch die Volksschulen wieder öffnen können und den Präsenzunterricht, also Schule vor Ort im Schulhaus, wieder aufnehmen. Das hat der Bundesrat an seiner Pressekonferenz vom Mittwoch verkündet. Für den Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler sind das positive Nachrichten aus Bundesbern: «Ich bin froh über dieses Signal.» Er hätte sich vorstellen können, den Präsenzunterricht bereits Anfang Mai wieder aufnehmen zu lassen, sagt Hürzeler zwar, aber: «Wir haben so genügend Zeit, um uns auf die Wiederöffnung vorzubereiten und mit dem 11. Mai ein klares Ziel vor Augen.»

Die Hoheit über die Gestaltung der Schule liegt bei den Kantonen – auch die Wiederaufnahme des Unterrichts, wie an der Pressekonferenz betont wurde. Den definitiven Beschluss und allfällige Auflagen bei der Wiedereröffnung der Schulen wird der Bundesrat erst am 29.April fällen. Deshalb könne er noch nicht im Detail abschätzen, wie der Unterricht an Aargauer Schulen ab dem 11. Mai konkret aussehen wird. Denkbar wäre etwa Halbtags- und Gruppenunterricht, um die Abstände einhalten zu können, aber: «Wenn der Bundesrat beschliesst, dass solche Massnahmen nicht notwendig sind, wären diese Überlegungen obsolet. Wir werden solche Massnahmen allenfalls festlegen, sobald der Bundesrat die Vorgaben definitiv beschlossen und bekannt gegeben hat.»

Ein zweites Problemfeld, neben der Art und Weise, wie der Unterricht wieder stattfinden kann, sei die Tatsache, dass auch Personen aus der Risikogruppe als Lehrpersonen, Schulleiter oder in anderen Berufen an den Schulen tätig sind. «Diese Personen können auch nach dem 11. Mai wahrscheinlich keinen Präsenzunterricht erteilen», so Hürzeler. Er denkt, dass dieser Umstand ebenfalls Teil der konkreteren Planung des Bundesrats ist.

Hürzeler begrüsst Spielraum für Kantone

Das Aargauer Bildungsdepartement gibt seinerseits ebenfalls vor allem die Rahmenbedingungen vor, die Schulen und Gemeinden gestalten den Unterricht nach ihren jeweiligen Möglichkeiten. Das ist jetzt, während der Schliessung der Schulhäuser, der Fall und wird mit der Wiederaufnahme des Unterrichts gleich verlaufen. «Die Bedingungen sind von Schule zu Schule oft sehr unterschiedlich, diesen Spielraum müssen und wollen wir ihnen lassen», sagt Alex Hürzeler. Dass die Kantone diesen Entscheidungsspielraum auch in Krisenzeiten haben, begrüsst der Bildungsdirektor.

Zuerst drei Wochen Unterricht aus der Ferne

Für die Aargauer Schulen gelte es nun zuerst, den Unterricht nach den Frühlingsferien am kommenden Montag wieder aufzunehmen. Seit dem 16. März ist der Präsenzunterricht untersagt. Drei Wochen lang haben die Schülerinnen und Schüler Gelerntes repetiert und sind von den Schulen dafür mit Aufgaben versorgt worden – analog oder digital. Am Montag aber geht der Fernunterricht los. «Darauf bereiten sich Schulen, Eltern, Schüler und das Bildungsdepartement seit Wochen vor, der Unterricht ist aufgegleist und kann starten», sagt Alex Hürzeler. Inzwischen ist sicher, dass bis zum 11. Mai aus der Ferne unterrichtet wird und das habe jetzt Priorität: «Bis zur definitiven Festlegung der Rahmenbedingungen zur Wiedereröffnung der Schulen liegt der Fokus der Schulen nun klar bei der Erteilung des Fernunterrichts.»

Lehrabschlussprüfungen ohne schriftlichen Teil

Etwas konkreter ist, wie die Lehrabschlussprüfungen stattfinden sollen, auch das hat der Bundesrat am Mittwoch kommuniziert. Schriftliche Prüfungen fallen aus, die praktischen werden so organisiert, dass die Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus eingehalten werden können. Wo das gar nicht möglich ist, zählen für den Abschluss die Zeugnisnoten und eine Einschätzung des Lehrbetriebs. «Das ist eine Kompromisslösung der Sozialpartner, der Berufsverbände, des Bundes und der Kantone und diesen setzt auch der Kanton Aargau um», stellt Alex Hürzeler klar. Wo immer möglich werde angestrebt, dass die Lernenden die praktische Prüfung ablegen können, vermutlich müssten aber Ausnahmen gemacht werden.

FDP fordert verbindliche Vorgaben für den Fernunterricht

Das wäre auch im Sinne der Aargauer FDP, wie sie in einer Mitteilung an die Medien am Mittwoch schrieb. Die Partei war vor zwei Wochen mit einem Brief an den Regierungsrat gelangt. Verbindliche Regelungen für den Unterricht seien zwingend, hielt sie fest. Daran hat sich nichts geändert, die FDP begrüsse, dass die Schulen viel Entscheidungskompetenz erhalten, heisst es in der Medienmitteilung. Mindestanforderungen und Empfehlungen zu Tools seien vom Departement trotzdem klar zu kommunizieren. Dass beispielsweise in einer Familie mit vier Kindern vier verschiedene Apps heruntergeladen und bedient werden müssen, stelle eine unnötige Überforderung für Eltern dar. Das Bildungsdepartement habe dafür zu sorgen, dass der Fernunterricht auch für die Eltern leistbar bleibt.

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