Kühles Nass

Ab ins Wasser: So geniesst der Aargau den Sommer

Sprung mit Aussicht: Das «Entennest» an der Aare zwischen Schönenwerd und Aarau zieht diese Woche mehr als hundert Menschen an, die sich nach flussabwärts treiben lassen.

Sprung mit Aussicht: Das «Entennest» an der Aare zwischen Schönenwerd und Aarau zieht diese Woche mehr als hundert Menschen an, die sich nach flussabwärts treiben lassen.

Ein erfrischender Sprung in die kühle Aare in Aarau, ein kühner Ritt auf der stehenden Welle Bremgarten, eine gemütliche Fahrt als Stand-up-Paddler in Brugg oder eine Rutschpartie im Strandbad Rheinfelden: Überall im Kanton lockt das schöne Sommerwetter die Menschen diese Woche ans Wasser. Das kann auch negative Folgen haben, wie am Hallwilersee.

Aarau/Schönenwerd: Das «Entennest» lockt Junge in Scharen an

Dima Mousa hat alle Hände voll zu tun. Die Chefin des «Sandbank Imbiss» hat extra noch Verstärkung mitgebracht. Alle Bestellungen, die an diesem Nachmittag eintreffen, hätte sie alleine nicht bewältigen können. «So viele Leute wie heute sind in diesem Jahr während der Woche noch nie gekommen», sagt sie und wendet die Wienerli auf dem Grill. Die strahlende Sonne am wolkenlosen Himmel hat die Leute in Scharen zum «Entennest» zwischen Schönenwerd und Aarau gelockt. Entlang des Ufers und auf dem Mitteldamm des Kanals tummeln sich weit über 100 Personen. Die meisten liegen oder sitzen in kleinen Gruppen auf ihren Badetüchern und geniessen den Sommertag. Die anderen erfrischen sich in der Aare.

Die überwiegende Mehrheit sind Jugendliche. Zu ihn gehören auch Corina und ihre vier Kolleginnen. «Wir kommen alle aus der Region und sind regelmässig hier», erzählt sie. «Im Moment verbringen wir viel Zeit zusammen und chillen. Das Wasser ist uns noch etwas zu kalt, um länger zu schwimmen.»

Von den noch eher kühlen Wassertemperaturen lässt sich Elia Diehl dagegen nicht stören. Der Aarauer badet schon seit Februar jede Woche mindestens einmal in der Aare. Während er in den Wintermonaten jeweils nur kurz im Wasser ist, lässt er sich mittlerweile wieder über längere Strecken von der Strömung im Kanal treiben. «Ich gehe meistens direkt nach dem Joggen in die Aare und lasse mich dann von der zweiten Brücke bis zum Eniwa Kraftwerk treiben», erzählt Diehl.

Gemütlicher lassen es Timon, Eduard und Maxime angehen. Sie sitzen im Schatten auf dem Mitteldamm und geniessen den Nachmittag. «Wir sind fast jeden Tag hier nach der Schule», erzählen die drei Jungs, die nächste Woche die obligatorische Schulzeit abschliessen. Dass es beim Entennest so viele Leute hat wie an diesem Nachmittag, ist nicht selten. «Wir kommen schon lange hierher», sagt Maxime und fügt an. «In den letzten Jahren ist der Treffpunkt immer beliebter geworden.»

Brugg: Hier paddelt es sich besonders gut

Stand-up-Paddler im Geissenschachen.

Stand-up-Paddler im Geissenschachen.

Es ist ein Vergnügen, sich in der Aare von der Badi aus bis in den Geissenschachen (Bild) treiben zu lassen. Im Schachen kann man sich wunderbar erholen. Zum Beispiel als Stand-up-Paddler oder am Ufer beim Sünnele.

Rheinfelden: Riesenrutschen und Rheinzugang locken

In der Badi Rheinfelden war diese Woche schon viel los.

In der Badi Rheinfelden war diese Woche schon viel los.

Das Rheinfelder Strandbad füllt sich langsam wieder – Badegäste haben zwar keine Angst, aber «Respekt». Betriebsleiter Willy Vogt verteilt die Bonbons am Eingang höchstpersönlich. Anlocken muss er damit eigentlich niemanden. Die Warteschlange ist auch so schon lange genug. Die Rheinfelder Badi ist seit 6. Juni wieder offen. Aber jetzt, mit erstmals Sonne pur und 30 Grad, strömen die Gäste wieder fast wie zu «normalen» Zeiten. Etwa 200 sind am Mittwochnachmittag drin: 1320 dürfen es mit den Corona-Sicherheitsabständen maximal sein.

«Eigentlich ist es fast wie immer», sagt Badegast Susanne Kron aus Rheinfelden. Sie ist in der 2020er-Saison das erste Mal in der Rheinfelder Badi. «Ich wäre auch schon früher gegangen, aber das Wetter war ja nicht so toll davor. Ich habe keine Angst vor Corona.»

Vom Wetter haben sich Evelyne Palma und Ursula Meneghello, Stammgäste aus Lupsingen BL, nicht abhalten lassen. «Wir kommen schon seit dem 6. Juni täglich, weil wir in Rheinfelden alles haben, den Rheinzugang und das beheizte 50-Meter-Schwimmbecken», sagt Palma. 20 Bahnen ziehe sie täglich runter. Beide Frauen sind mega-fit. Kein Wunder – Meneghello schwimmt auch im Winter im Rhein.
Beide Frauen sind über 65 und gehören zur Corona-Risikogruppe. «Angst», sagt Palma, «habe ich keine, höchstens Respekt». Und: «Am Nachmittag, wenn noch mehr Kinder kommen, gehen wir wieder heim.»
Mit seinem Sohn Rayan ist Faton Ajdari aus Rheinfelden Badi-Gast. «Es ist Sommer, es ist heiss, die Kinder wollen raus. Was hat man da als Vater für eine Wahl», sagt er lachend. Diskussionen, ob man der Pandemie wegen den Badi-Besuch nicht noch rauszögern soll? «Nein», sagt Ajdari, «die hat es nicht gegeben.»

Bremgarten: Aus dem Fürstentum zur Reusswelle angereist

Patrick Miescher kommt aus Liechtenstein zum Surfen nach Bremgarten.

Patrick Miescher kommt aus Liechtenstein zum Surfen nach Bremgarten.

Patrick Miescher aus Planken FL surft in Bremgarten.Das Wasser glitzert, die Sonne brennt unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel. Mittwochmittag, 28 Grad, beste Bedingungen bei der Reuss-Welle beim Honeggerwehr in Bremgarten. Doch nur gerade zwei Surfer gönnen sich in der Hitze eine Abkühlung und versuchen Turns oder Cut-Backs auf der stehenden Welle. Sie können sich auf dem Wasser nach Lust und Laune austoben, die Welle gehört ihnen.

Die beiden Cracks stammen nicht etwa aus der Region, sondern aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Patrick Miescher (23) aus Planken FL und Alexander Tresch (22) aus Widnau SG haben einen freien Tag und sind extra zum Surfen ins Freiamt gekommen. «Wir sind das zweite Mal hier, waren schon Anfang Mai da. Die Welle ist ziemlich schwierig in den Griff zu bekommen», sagt Miescher in einer kurzen Pause. Eine spezielle Herausforderung stellt für die beiden dar, dass sie keine Bretter für einen Fluss, sondern solche fürs Meer unter den Füssen haben. Später im Sommer will Miescher auch nach Frankreich surfen gehen. «Die Bremgarter Welle ist die erste stehende Welle, die ich surfe. Sie ist cool», erzählt die Liechtensteiner von seinen Eindrücken, während sich Kollege Tresch ein Mittagsschläfchen an der Sonne gönnt.

Mit einem Surfbrett, das sonst im Meer genutzt wird, ist das Surfen auf der stehenden Welle schwierig.

Mit einem Surfbrett, das sonst im Meer genutzt wird, ist das Surfen auf der stehenden Welle schwierig.

Das noch eher kühle Wasser bereitet Miescher, der seit seinem 15. Lebensjahr surft, keine Mühe – dank dem Neopren-Anzug. Mit leichter Schadenfreude meint er: «Mein Kollege hat seinen daheim vergessen, nun muss er mit Shirt und Shorts ins Wasser.» Knapp dreieinhalb Stunden verweilen die beiden Surfer in Bremgarten, ehe sie wieder zurück ins Rheintal fahren. Auch dort herrschen warme Temperaturen. Auf die einzigartige Bremgarter Welle müssen sie dort aber verzichten.

Baden: Auf der Limmat surft es sich gut

Surfer auf der Limmat in Baden

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