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Ab ins Schloss: Was Aargauer Museen den Besuchern trotz Coronaregeln jetzt bieten

Ein Nachmittag im Schloss Hallwyl zeigt, mit welchen Mitteln Museum Aargau trotz Einschränkungen ein vollwertiges Museumserlebnis bieten will. Die zahlreichen Besucher scheinen das zu schätzen.

Stefania Telesca
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Eine coronakonforme Interaktion: Die historische Figur Cäcilia von Im Hoff erzählt einer Familie aus dem Wallis über die Geschichte des Schlosses.

Eine coronakonforme Interaktion: Die historische Figur Cäcilia von Im Hoff erzählt einer Familie aus dem Wallis über die Geschichte des Schlosses.

Sandra Ardizzone

Cäcilia von Imhof wandert durch den Innenhof des Schlosses Hallwyl und winkt unter der prächtigen Nachmittagssonne den Besuchern am Eingang entgegen. Cäcilia ist als ehemalige Bewohnerin des Schlosses Hallwyl quasi die Gastgeberin an diesem Tag. Sie, die von 1815 bis 1893 gelebt und Theodor von Hallwyl geheiratet hat, ist eine echte historische Figur, die das Museum Aargau wieder hat aufleben lassen.

Die zahlreichen Besucher, die den Weg nach Hallwyl gefunden haben, stehen an der Kasse an. Die Markierungen am Boden signalisieren den Mindestabstand, den sie einhalten sollen. Daran erinnert werden muss hier aber fast niemand.

Im Schlossbistro in Innenhof geniessen Paare, Grosseltern und frischgebackene Mütter mit Freundinnen ein Stück Kuchen und einen Kaffee. Eine Selbstverständlichkeit, die sich viele Menschen während des wochenlangen Shutdowns zurückgewünscht haben.

«Wir hoffen, dass viele Menschen auf dem Rückweg vom See hier bei uns vielleicht noch einen kurzen Halt machen», sagt Martin Sulser. Der Betriebsleiter des Schlosses Hallwyl arbeitet seit 17 Jahren hier und kennt jeden Winkel und jede Geschichte des Schlosses. Unter dem Arm trägt er ein gelbes Klarsichtmäppchen, darin ein Dokument, das locker mehr als 100 Seiten umfasst: «Das ist das Sicherheits- und Reinigungskonzept. Ich hatte zwei Wochen Zeit, um die Vorgaben hier umzusetzen.» Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Weisung für Museen herausgegeben, diese musste dann schnellstens auf die Schlösser angepasst werden.

Mittlerweile hat Cäcilia eine Familie mit Kindern angesprochen. Diese ist aus dem Wallis angereist, um das Schloss Hallwyl zu besuchen. «Unsere historischen Figuren gehen aktiv auf die Leute zu und vermitteln ihnen ein Stück Geschichte. Das soll ein Mehrwert sein, weil gewisse Installationen gesperrt sind.» Die Frau, die Cäcilia interpretiert, macht normalerweise Gruppenführungen. Doch diese fallen bis auf weiteres aus.

Die Besucher werden gezählt, wenn sie das Tor passieren

Bei den jeweiligen Schlosseingängen erinnert ein Schild daran, wie viele Personen höchstens gleichzeitig zugelassen sind. Eine Mitarbeiterin zählt die Besucher, die das Tor passieren. Ein weiterer Mitarbeiter behält am Haupteingang die Gesamtzahl der Besucher im Auge. «Ausserdem weisen die Mitarbeiter die Besucher darauf hin, dass sie sich an den Rundgang halten sollen, damit sich die Personen möglichst nicht kreuzen», sagt Martin Sulser. An den historischen Wänden signalisiert neu ein roter Pfeil die empfohlene Richtung für den Rundgang.

Die dicken Schlossmauern sorgen drinnen für eine angenehme Abkühlung. Der Verliesturm im hinteren Teil des Schlosses ist eine der wenigen Attraktionen, die geschlossen bleiben müssen: «Im Innern hört man normalerweise die Tonspur eines Gefangenen. Da der Raum aber klein ist und die Besucher von aussen nicht gut sehen können, ob bereits Leute drin sind, bleibt der Turm jetzt geschlossen», erklärt Martin Sulser.

Museum Aargau versucht, den Besucherinnen und Besuchern trotz der Pandemie ein möglichst schönes und vollwertiges Museumserlebnis zu bieten. In einem Raum öffnet Martin Sulser eine hölzerne Truhe, aus der ein Hörspiel ertönt. Diese sogenannten Hörinseln, die im ganzen Schloss zu finden sind, dürfen weiterhin bedient werden: «Wir haben lange überlegt, wie wir es umsetzen sollen. Die Lösung ist, dass überall, wo Griffe berührt werden müssen, Desinfektionstücher bereitstehen.» Man müsse an die Vernunft und die Eigenverantwortung der Museumsbesucher appellieren, damit dies auch funktioniere. «Ausserdem werden die Flächen und Griffe mehrmals täglich von unseren Mitarbeitern desinfiziert.»

Cäcilia wandert durch das Schloss und erzählt von der Geschichte

Die Besucherinnen und Besucher werden in dieser Ausstellung normalerweise dazu eingeladen, die Objekte und die Stoffe zu berühren. «Und jetzt müssen wir darauf pochen, dass sie ausser den Hörinseln die Dinge möglichst nicht berühren», kommentiert Sulser die vielen «Bitte nicht berühren»-Schilder.

Aus der Jukebox im Rittersaal ertönen mittelalterliche Klänge. Cäcilia, die historische Figur, ist in der Zwischenzeit durch das Schloss gewandert und erzählt einem Ehepaar Details über die Geschichte der Schlossbesitzer. «Seit 1994 gehört es dem Kanton Aargau», sagt sie. Das Ehepaar hört aufmerksam zu. Mit genügend Abstand natürlich: «Eine coronakonforme Interaktion», sagt Sulser.

Viele Installationen, die nicht berührt werden müssen

Interaktive Stationen, bei denen die Besucher eigentlich aufgefordert würden, an einem Touchscreen Rätsel zu lösen oder Bilder einer Epoche zuzuordnen, wurden gesperrt. «Bisher hat es gut funktioniert», sagt Sulser.

Im Salon im vorderen Schloss ertönen Klavierklänge und eine weibliche Stimme, sobald man die Türschwelle passiert: «Wir haben die glückliche Situation, dass wir hier im Schloss viele Installationen haben, die man nicht berühren muss, weil sie durch einen Bewegungssensor ausgelöst werden», erklärt Sulser.

Zurück im Schlosshof. An der Kasse bildet sich regelmässig eine kleine Schlange mit Besuchern. Martin Sulser ist froh, dass die Zeit des Shutdowns vorbei ist: «Es ist erfreulich, dass das Echo trotz allem so gross ist. Die Personen können die Plätze, nach denen sie sich gesehnt haben, endlich wieder besuchen», sagt er. «Vielen Menschen wurde auch bewusst, dass man gar nicht so weit reisen muss, um eine Perle zu entdecken.»

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