Delegiertenversammlung

Aargauischer Gewerbeverband: Lehrplan 21 im Fokus

Erfreut über den bisherigen Wahlverlauf: Kurt Schmid, Gewerbepräsident.

Erfreut über den bisherigen Wahlverlauf: Kurt Schmid, Gewerbepräsident.

Der Gewerbeverband ist gegen die Initiative «Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21», lehnt die Atomausstiegsinitiative ab und unterstützt Franziska Roth im zweiten Wahlgang.

Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV), zeigt sich höchst erfreut über den bisherigen Verlauf der Regierungsratswahlen. Mit Stephan Attiger (FDP) und Alex Hürzeler seien zwei bürgerliche Politiker wiedergewählt worden, welche die Ziele des AGV in der Regierung mittragen.

Auch beim neugewählten Markus Dieth (CVP) sei man überzeugt, dass er dies tun werde. Und um die bürgerliche Dominanz in der Regierung noch zu verstärken, hat der AGV-Vorstand beschlossen, im zweiten Wahlgang nun auch noch Franziska Roth (SVP) zu unterstützen. Im ersten Wahlgang hatte der AGV noch keine Wahlempfehlung für Roth abgegeben. Schmid machte an der Delegiertenversammlung in Lenzburg auch klar, was der AGV von der neuen Regierung erwartet: keine Steuer- und Gebührenerhöhungen, Reduktion der Personalausgaben, umfassende Verzichtsplanung.

Schmid gab zudem die weiteren Parolen zu den kantonalen Abstimmungen bekannt: Der AGV ist für die Abschaffung des Berufswahljahres, aber gegen die Begrenzung des Pendlerabzugs auf 7000 Franken. Keine Abstimmungsempfehlung gibt der AGV zu den Vorlagen über die Anhebung des Vermögensverzehrs bei Ergänzungsleistungen und zur Anpassung des Wassernutzungsgesetzes.

Nationalrätin Sylvia Flückiger (SVP) referierte über die Atomausstiegsinitiative, die sie als gefährlich und extrem schädlich bezeichnete und zur Ablehnung empfahl. Die 82 Delegierten teilten die Ansicht ihres Vorstandsmitglieds und sprachen sich ebenfalls klar für die Ablehnung der Initiative aus.

Lehrplan 21 im Fokus

Zu Gast beim AGV war auch Lehrerin Elfy Roca vom Komitee der Initiative «Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21», über die am 12. Februar abgestimmt wird. Ihr gegenüber stand Bildungsdirektor Alex Hürzeler; moderiert wurde das kurze, informative Podium von Nationalrat Thierry Burkart.

Es sei das Ziel der Initiative, die Einführung des Lehrplans 21 zu verhindern, sagte Roca. Denn der neue Lehrplan bringe weder eine Harmonisierung noch eine Leistungsverbesserung, sondern genau das Gegenteil: Er fördere den Bildungsabbau. Als Beispiel führte Roca das Fach Mathematik an: Es gebe keinen klaren Aufbau, Grundrechnungsarten würden nicht mehr gründlich geschult, sondern müssten lediglich in der 6. Klasse auf dem Taschenrechner beherrscht werden; die Begriffe Multiplikation und Division habe sie nirgends gefunden. Bei so viel selbst organisiertem Lernen würden die Kinder alleine gelassen.

«Die Schwachen bleiben auf der Strecke», sagte Roca. Deshalb die Forderungen der Initiative: fixe Jahrgangsziele mit klarem Aufbau, ein Rahmenlehrplan für den Kindergarten, ein im Schulgesetz festgelegter definitiver Fächerkanon nach altem Muster, keine Subsumierung bisheriger Fächer unter neuen Begriffen.

Bildungsdirektor Alex Hürzeler bestätigte, dass der Lehrplan 21 durchaus zu berechtigter Kritik Anlass gebe. Aber die Initiative löse die Probleme nicht, sondern sie schaffe neue. Zudem sei auch die Bezeichnung irreführend: Bei einer allfälligen Annahme würde zwar der Paragraf 13 des Schulgesetzes angepasst; aber den Lehrplan 21 könne die Initiative keinesfalls verhindern.

Hürzeler erklärte einmal mehr, dass die Schweizer Bevölkerung 2006 beschlossen hat, dass die Schule harmonisiert werden soll; der Lehrplan 21 sei eine Folge dieses Entscheides. Der Aargau habe die Möglichkeit, den Lehrplan 21 an aargauische Verhältnisse und Bedürfnisse anzupassen und man werde das auch tun.

Mit 51 gegen 15 Stimmen sprachen sich die Delegierten deutlich gegen die Initiative aus.
Schliesslich präsentierte Landstatthalter Stephan Attiger den Delegierten eine Auslegeordnung der Aargauer Verkehrspolitik und -planung.

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