Minus
Aargauische Pensionskasse: besser als andere, aber nicht gut genug

Der Deckungsgrad der Aargauischen Pensionskasse ist 2015 gesunken. Prognosen zu stellen ist schwierig. Panik herrscht trotzdem keine.

Peter Brühwiler
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Der Deckungsgrad der Aargauischen Pensionskasse ist 2015 gesunken. (Archivbild)

Der Deckungsgrad der Aargauischen Pensionskasse ist 2015 gesunken. (Archivbild)

Aargauer Zeitung

Über die Titelseite des aktuellen Jahresberichts der Aargauischen Pensionskasse (APK) schwebt ein Heissluftballon. Ob die Reise rauf- oder runtergeht, konnte APK-Präsident Martin Sacher an der gestrigen Medienkonferenz allerdings nicht sagen. Wie stark die Turbulenzen für Pensionskassen-Piloten derzeit sind, zeigt die Entwicklung im laufenden Jahr: Im ersten Quartal 2016 lag die Rendite auf dem 9,5-Milliarden-Vermögen der APK bei minus 0,08 Prozent. Weniger als einen Monat später schwebt der APK-Ballon, in dem über 40 000 Versicherte und Rentner mitfliegen, dank einer Erholung an den Aktienmärkten aber schon wieder komfortabler.
Die geschätzte Performance seit Anfang Jahr beträgt, Stand 21. April, 1,21 Prozent. Auf das ganze Jahr hochgerechnet verspricht dies eine Rendite von knapp 4 Prozent, womit die APK durchaus leben könnte. Um den Deckungsgrad stabil zu halten, benötigt sie eine jährliche Performance von rund 2,5 Prozent, wie Sacher erklärte.

Im Jahr 2015 lag diese mit 1,2 Prozent allerdings deutlich unter dem benötigten Wert. Im Vergleich zu anderen Vorsorgeeinrichtungen schnitt die APK zwar gut ab — laut dem Pensionskassenverband ASIP lag die Medianrendite der Pensionskassen bei nur 0,7 Prozent. Der Deckungsgrad ist trotzdem von 99,8 auf 97,7 Prozent gesunken. In Franken: Das Total der Verpflichtungen ist mit 9,7 Milliarden Franken um 223 Millionen höher als das verfügbare Vermögen von 9,5 Milliarden Franken.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Sacher trotzdem nicht. Seine Kasse führt im Rhythmus von vier bis sechs Jahren eine grosse Lagebeurteilung durch. Zuletzt senkte sie per 2014 den Umwandlungssatz für das gesamte Altersguthaben auf 5,9 Prozent. Damit sei man vorausgegangen, so Sacher. Inzwischen gebe es aber Pensionskassen, die das angesparte Kapital zu wesentlich tieferen Sätzen in eine Altersrente umwandelten. Ob die APK nachzieht, wird sich in zwei bis vier Jahren zeigen. Sacher: «Falls das Renditepotenzial noch weiter sinkt, müssen wir die Lage neu beurteilen.»

Momentan sieht die APK das Renditepotenzial bei 2,7 Prozent. Dass das Ergebnis 2015 deutlich schlechter ausfiel, liegt unter anderem an den schwachen Aktienmärkten und am Absturz der Rohstoffpreise. Die Anlagekategorie Rohstoffe bescherte der APK 2015 ein sattes Minus von 14,4 Prozent. Die laut Sacher «herausragenden Performancetreiber» waren demgegenüber die Immobilien. Angst vor einer harten Landung des Immobilienmarktes hat er keine. Es sei eine Stagnation auf hohem Niveau zu erwarten, sagt er.

Direkte Investitionen in Immobilien tätigte die APK bisher nur im Aargau. Neu geht sie auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten aber über die Kantonsgrenzen hinaus und steckt knapp 60 Millionen Franken in eine Überbauung in der Nähe der Stadt Luzern. Auch bei den Hypotheken betritt die APK Neuland und bietet seit letztem November Hypotheken auch für Nichtversicherte an. Es gebe bereits sehr viele Anfragen, sagt APK-Geschäftsführerin Susanne Jäger, «allerdings vor allem für Zweitwohnungen, für die wir aus Risikogründen prinzipiell keine Hypotheken vergeben.» Klar ist: Der Hypothekenmarkt ist umkämpft. Jäger spricht von einem «Ansturm» der Anbieter.

Den Anlagenotstand, mit dem die Pensionskassen konfrontiert sind, widerspiegelt die Anlagekategorie «Geldmarkt und Liquidität»: Statt wie strategisch vorgesehen drei Prozent parkierte die APK in dieser Kategorie im Jahr 2015 sechs Prozent des Vermögens. Die Rendite war – wie im Jahr der Aufgabe des Euromindestkurses nicht anders zu erwarten – mit einem Minus von 2,3 Prozent negativ. Und dies, obwohl die APK Fremdwährungen zu 75 Prozent absichert. Negativzinsen bezahlt die APK derweil fast keine. «Dafür», sagt Jäger, «müssen wir fast täglich schauen, dass auf keiner Bank zu viel Geld liegt.»

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