Neue SRF-DOK-Serie

Aargauerin bei der Rega: «Es gab Situationen, in denen die Kameras abgestellt werden mussten»

Heute Abend zeigt SRF1 die erste Folge der neuen DOK-Serie «Rega 1414 – Hilfe naht». Die fliegende Pflegefachfrau Yvonne Horisberger aus Reitnau wurde dafür eng mit der Kamera begleitet. Was in der ersten Folge passiert – und warum die Dreharbeiten schwierig waren.

Während der Rega-Heli im Berner Oberland gleich zwei Ski-Tourenfahrer nacheinander aus einem Gletscher bergen muss, fährt die Aargauer Flight Nurse Yvonne Horisberger mit dem Töff aus Reitnau zur Rega-Basis am Flughafen Zürich.

In Athen wird heute ein Frühchen abgeholt: Das Baby kam in der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt. «Wenn man selber Kinder hat, kann man mit den Eltern gut mitfühlen, was sie momentan durchmachen», sagt Jet-Pilot Philipp Simmen.

Das winzige Baby Julie braucht einen 100 Kilogramm schweren Brutkasten, der vor Abflug in den Jet eingebaut werden muss. Ungefähr alle zwei Monate fliegt Pilot Simmen ein zu früh Geborenes nach Hause in die Schweiz.

Es sei immer etwas Besonderes, «so chlini Mönschli» zu holen, sagt Yvonne Horisberger. Mit einem «Laissez-passer» der Botschaft in Athen kann das Mädchen ausgeflogen werden. 

Doch als der Ambulanz-Jet bereits in der Luft ist, kommt die Meldung, dass Russlands Präsident Putin Athen einen Besuch abstattet. Kann die Rega trotzdem noch landen?

«NACA-7», der Code für einen Todesfall

Wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod für die Rega-Crew ist, zeigt der nächste Helikopter-Einsatz im Simmental: Ein Gleitschirmflieger stürzt aus etwa 150 Metern Höhe in einer Steilspirale ab. Die Retter aus der Luft können ihn schnell lokalisieren.

Trailer: «Rega 1414 – Hilfe naht»

Doch die Reanimation hilft nicht mehr, der Notschirm hatte zu spät geöffnet. «NACA-7», sagt Heli-Pilot Rick Maurer ins Funkgerät. Es ist der medizinische Code für einen Todesfall. Alltag für die Crew – aber keine Routine.

So sagt Arzt Thomas von Wyl: «Wenn wirklich jemand aus dem Leben gerissen wird, berührt mich das nach wie vor. Im Moment bei der Arbeit kann man zwar abschalten und sich auf das Wesentliche fokussieren. Aber wenn der Einsatz vorbei ist, macht man sich schon seine Gedanken.»

Komplizierte Drehbedingungen

SRF-Produktionsleiterin Barbara Frauchiger sagt im Interview mit dem Online-Portal der SRG Deutschschweiz, die Ausgangslage für die Dreharbeiten sei anspruchsvoll gewesen: «Man kann nicht an einen Unfallort herantreten und direkt die Kamera draufhalten. Uns war es wichtig, dass wir nahe am Geschehen sind, ohne die Würde der Patienten zu verletzen.» Es sei nicht das Ziel, mit den Inhalten der Serie zu schockieren.

Weil auch in Schweizer Spitälern in der Notaufnahme gedreht wurde, habe man im Vorfeld Gespräche führen müssen, um einen Modus zu finden, in dem man gut zusammenarbeiten konnte.

Bei den Rettungseinsätzen wurde laut Barbara Frauchiger jeweils vor Ort abgeklärt, ob gefilmt werden darf. Im Nachhinein habe dann die Rega mit allen Patienten nochmals Kontakt aufgenommen. «Erst dann meldeten wir uns bei den betroffenen Personen wegen der schriftlichen Einverständniserklärung – ein sehr aufwendiger Prozess.»

Ohne Einverständnis werde nichts ausgestrahlt. Es sei aber eine sehr hohe Bereitschaft der Protagonisten spürbar gewesen.

 

Flight Nurse Yvonne Horisberger bestätigt: «Die Fernsehleute waren sehr präsent, aber auch sehr rücksichtsvoll». Es habe Situationen gegeben, in denen die Kameras abgestellt werden mussten – das sei respektiert worden.

Sie habe gerne mitgewirkt: «Ich finde es wichtig, dass unsere Gönner erfahren, was wir mit ihrem Geld machen. Denn zum Glück nehmen ja die wenigsten unsere Dienste je in Anspruch.»

Ausstrahlung: Die fünfteilige «DOK»-Serie «Rega 1414 – Hilfe naht» wird ab 2. September 2016 freitags um 21 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.

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Autor

Mario Fuchs

Mario Fuchs

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