Die Zeiten sind unsicher, die Eurokrise und der starke Franken machen gerade auch der stark exportorientierten Aargauer Wirtschaft zu schaffen. Sie gibt sich trotzig optimistisch: eine Rekordzahl von gegen 550 Mitgliedern und Gästen pilgerte am Donnerstag ins «Tägi» nach Wettingen zur Generalversammlung der Industrie- und Handelskammer, wo es vor allem um den geselligen Gedankenaustausch ging. Und natürlich das Referat des bekannten TV-Korrespondenten Jens G. Korte von der New Yorker Börse. Aber weniger um harte Verbandspolitik.

Die statutarischen Geschäfte waren im Nu erledigt, fünf neue Mitglieder wurden in den Vorstand aufgenommen: Roland Brack (Brack Electronics, Mägenwil), Bruno Eugster (Dottikon Exclusive Synthesis AG), Beat M. Schelling (Schelling AG, Rupperswil), Johannes Wick (Alstom, Baden), Marianne Wildi (Hypothekarbank Lenzburg).

Euphorisch ist die Stimmung nicht: In der diesjährigen Wirtschaftsumfrage der Industrie- und Handelskammer schätzten die 500 mitmachenden Unternehmen nicht nur das Jahr 2011 rückblickend schlechter ein, als sie es in der Prognose ein Jahr vorher getan hatten, sie rechnen auch mit einem noch schwierigeren 2012. «Das Wetter können wir nicht machen, aber die Segel richtig stellen und einen guten Kurs im Sturmwetter wählen», sagte Präsident Daniel Knecht.

Und hier stellte er sowohl den eigenen Mitgliedern – sie rechnen trotz unsicheren Zeiten mit einem leichten Anstieg der Beschäftigung – als auch Regierung und Parlament für die politischen Rahmenbedingungen ein gutes Zeugnis aus. Der Entscheid, mit der nächsten Steuerrevision auch die Unternehmen zu entlasten, trage zur Optimierung der Standortqualität bei. Knecht zu den Steuererleichterungen im Umfang von 40 Millionen: «Wir von der Wirtschaft haben uns mit Forderungen zurückgehalten. Wir gehen aber stark davon aus, dass dies noch nicht die Endstation ist.»

Vorsicht bei neuen Märkten

Auf besonderes Interesse stiessen die Einschätzungen zur globalen Grosswetterlage von Jens G. Korte, der unter anderem für das Schweizer Fernsehen von der New York Stock Exchange, der grössten Aktienbörse der Welt, berichtet. Was die Entwicklung im Euroland betrifft, machte er den exportorientierten Aargauern zwar keine grossen Hoffnungen auf baldige Entspannung. Hingegen habe er trotz anhaltender Frankenstärke keine grossen Bedenken für die Schweizer Wirtschaft. Auf welche Märkte soll man sich in der globalisierten Wirtschaft konzentrieren, wenn es beim wichtigsten Handelspartner kriselt? «Wallstreet-Spezialist Korte zeigt sich zurückhaltend gegenüber Wachstumswundern in Schwellenländern.

Das Wachstum in Brasilien zum Beispiel fusse einzig auf dem Rohstoffhandel, wirklich bedeutende Heimmärkte gebe es dort aber noch kaum. Demgegenüber sind die USA nach wie vor der Konsummarkt der Welt schlechthin. Kortes Referat trug nicht von ungefähr den Titel «Comeback der USA: wie die Schweiz profitiert». Dieses Comeback gerate zwar etwas ins Stocken, unter anderem wegen der gewaltigen Schuldenlast, die US-Wirtschaft wachse aber immer noch, und zwar stärker als die europäische. Einen grossen Wettbewerbsvorteil der Amerikaner sieht Korte aber in ihren enormen (und gewaltig auf Kosten der Ökologie gehenden) Anstrengungen, in der Energieversorgung komplett autonom zu werden.