Weinbau in der Region
Aargauer Winzer kämpfen gegen Kälte: «Alle frischen Blättchen sind braun – das wird kein guter Jahrgang»

Die tiefen Temperaturen machen auch den Aargauer Weinbauern zu schaffen. Mit Frostkerzen und Frostruten versuchen sie, ihre wertvollen Pflanzen zu schützen. Die Winzer vermuten schon jetzt bis zu 30 Prozent Ernteausfall.

Noemi Lea Landolt
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Die beiden Aargauer Top-Winzer Peter Wehrli und Andreas Meier sprechen über die Kälte in diesen Tagen.

Die beiden Aargauer Top-Winzer Peter Wehrli und Andreas Meier sprechen über die Kälte in diesen Tagen.

az/key

Der Kälteeinbruch kam spät und heftig. Für uns bedeutet die Kälte: Jacke, Mütze und warme Schuhe. Für die Bauern: Ernte in Gefahr.

Die Blüten der Obstbäume und die Blättchen der Weinreben leiden. Am härtesten hat die Kälte das Mittelland und die Alpentäler getroffen, wie Meteo News mitteilte.

Im Kanton Graubünden wärmten die Winzer ihre Reben mit Frostkerzen. Dank des Feuers gewinnen sie 1 bis 1,5 Grad. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann das entscheidend sein.

Aber auch in den tiefer gelegenen Regionen hatte der Kälteeinbruch Konsequenzen: «Die frischen Blättchen sind braun», sagt Andreas Meier vom Weingut Zum Sternen in Würenlingen. Sie sind abgefroren. «Das wird mengenmässig kein grosser Jahrgang.»

Winzer Andreas Meier, Geschäftsführer des Weinguts zum Sternen.

Winzer Andreas Meier, Geschäftsführer des Weinguts zum Sternen.

Tanja Demarmels

Auch Peter Wehrli von der Wehrli Weinbau AG hat die letzten Nächte um seine Reben gezittert. Nach dem Kontrollgang am Rebberg in Küttigen schätzt er, dass es etwa 20 bis 30 Prozent erwischt hat. Er hat vorsorglich das Gras am Hang gemäht, damit die Kälte nach unten strömt. Seit Jahren lässt er zudem an jeder Staude eine etwas längere Frostrute stehen. Weil warme Luft nach oben steigt, gilt: «Je weiter oben die Zweige, desto wärmer die Luft.» So kommt bei Minusgraden nicht die ganze Pflanze zu Schaden.

Weinbauer Peter Wehrli.

Weinbauer Peter Wehrli.

Andreas Meier, der Winzer in Würenlingen, hat seine Reben nicht geschützt: «Ich hätte gar nicht gewusst wie.»

Um ganze Rebberge mit Frostkerzen zu wärmen, hätte er Tonnen von Paraffin verbrennen müssen. Das untere Aaretal wäre unter einem Smog-Deckel verschwunden.

Er erinnert sich, dass man die Reben früher mit Stroh zugedeckt oder Strohmatten darüber gestülpt hat. Ein riesiger Aufwand.

Heute sind die Weinbauern auf solche Kälteeinbrüche nicht vorbereitet. Obwohl es gemäss Meteo Schweiz nicht untypisch ist, dass es Ende April frostig ist. Der Rekordwert Ende April wurde in Aarau am 22. April 1997 mit minus 3,3 Grad gemessen.

Die späte Kälte macht nicht nur den Trieben der Reben zu schaffen. «Ab minus drei Grad wird es auch für Obstbäume kritisch», sagt Hans Rüssli vom Schweizer Bauernverband.

Im Mittelland blühen im Moment Kirschen, Birnen und Äpfel. Die letzten Frostnächte waren mit minus 1,8 Grad in Aarau aber nicht kritisch. Die Ernteaussichten sind intakt. «Um Schäden abzuschätzen, müssen wir ein paar Tage warten», sagt Hans Rüssli.

Um ihre Bäume zu schützen, wenden die Obstbauern die gleichen Methoden wie die Weinbauern an: Sie stellen Kerzen und Gebläse auf, welche die Luft durchmischen. Und sie hoffen auf milde Temperaturen.

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